Konzentration auf Facebook

Anhaltender wirtschaftlicher Erfolg Facebook – eine Instagram-Story

von Lothar Gries

Stand: 25.04.2019, 08:35 Uhr

Ein Jahr nach dem Cambridge-Skandal und der neuen Datenschutzverordnung in Europa hat sich die Facebook-Aktie wieder prächtig erholt - trotz einer drohenden Milliardenstrafe. Seit dem Tief im Dezember ist das Papier um 50 Prozent gestiegen. Wie kann das sein?

Zu verdanken hat dies Facebook nicht etwa den überzeugenden Aufklärungsqualitäten seines Chefs Mark Zuckerberg, wie die jüngste Datenschutzpanne beweist. Dabei wurden Daten von Facebook-Nutzern ungeschützt auf einem Amazon-Server abgespeichert. Trotz all dieser Pannen schafft es das Netzwerk weiterhin, seinen Umsatz zu steigern. Denn auf das operative Geschäft hatten die Skandale und Fake News nur geringe Auswirkungen.

Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 15,08 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Abend mitteilte. Die Zahl der monatlichen Nutzer des Netzwerks stieg nach Daten von Refinitiv um acht Prozent auf 2,38 Milliarden. Auch das operative Ergebnis legte kräftig zu auf 1,89 Dollar pro Aktie, mehr als Analysten erwartet hatten.

Dennoch werfen die jüngsten Datenschutz-Skandale lange Schatten auf den Gewinn. Wegen einer möglichen Strafzahlung in den USA von bis zu fünf Milliarden Dollar hat das Unternehmen Rücklagen gebildet, die seinen Überschuss erheblich schmälern.

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
169,26
Differenz relativ
+0,53%

Dem anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg des Netzwerks tut das keinen Abbruch. Der ist vor allem auf die besonders bei 18- bis 25-Jährigen beliebte Tochter Instagram zurückzuführen. Die zählt inzwischen über eine Milliarde Menschen, die mindestens einmal im Monat das Netzwerk nutzen - Tendenz weiter steigend. In den USA sind 72 Prozent der Teenager bei Instagram angemeldet. Damit hat sich der Onlinedienst zum Hoffnungsfaktor für den gesamten Konzern gemausert.

In-App-Zahlungen eingeführt

Als Glücksfall erwies sich dabei die Entscheidung von Facebook, bei Instagram sogenannte In-App-Zahlungen einzuführen. Sie werden zunächst von 23 Marken angeboten – darunter Nike, Zara, Warby Parker und Uniqlo. Weitere sollen folgen. Bei dieser Funktion können die Nutzer ihre Kreditkartendaten oder Anmeldungen von PayPal bei Instagram speichern, um ihre Einkäufe einfacher zu gestalten.

Das Format komme bei Gewerbekunden und Werbepartnern zunehmend gut an, hieß es zuletzt. Der Einstieg in den Online-Shopping-Markt ist tatsächlich das nächste große Ding: Wie es heißt, pumpt Facebook viele Millionen Dollar in die Instagram-Erweiterung "Checkout“.

Enormes Wachstumspotenzial

Lloyd Walmsley, Analyst bei der Deutschen Bank, sieht in dem Shoppingangebot enormes Potenzial. In einer Studie schrieb er: "Wir sind der Meinung, dass eine optimierte E-Commerce-Erfahrung mit Instagram im Jahr 2021 einen zusätzlichen Umsatz von zehn Milliarden Dollar generieren könnte, und wir sehen in 'Checkout mit Instagram' einen wichtigen Schritt zur Erschließung dieser Chance." In diesem Jahr könnte Instagram laut Morgan Stanley 16,2 Milliarden Dollar erlösen und profitabel sein.

Bullische Analysten

Das Analysehaus RBC hat Facebook deshalb vor Quartalszahlen auf "Outperform" mit einem Kursziel von 200 Dollar belassen. Die Konsensschätzungen für das Online-Netzwerk erschienen vernünftig, wobei seine eigenen Prognosen etwas konservativer seien, schrieb Analyst Mark Mahaney in seiner neuesten Studie. Das gelte auch für den Ausblick. Auch die meisten anderen Experten trauen der Aktie weitere Kurssteigerungen zu - und verweisen dabei auf das Potenzial von Instagram.

Aktie steigt weiter

Die Anleger reagierten am Mittwoch nach Börsenschluss in den USA fast schon euphorisch auf das Zahlenwerk zum ersten Quartal. Die Aktie, die im regulären Handel an der Nasdaq noch 0,65 Prozent auf 182,58 Dollar gefallen war, legte nachbörslich deutlich um 7,5 Prozent auf 196,38 Dollar zu.

lg

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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 2004 an der Harvard University, Cambridge

Anfänge in Harvard
Facebook schreibt seine Anfänge in einem Studentenwohnheim einer der erfolgreichsten Eliteschmieden in den USA - Harvard. 2003 schreibt Mark Zuckerberg sein erstes Programm, für das er sich gleich mal in die Datenbank des Wohnheims hackt. Über "Facemash" können seine Mitstudenten das Aussehen von weiblichen Kommilitonen vergleichen und bewerten. Nach kurzer Zeit wird die Website allerdings durch eine Anordnung von Harvard wieder offline gestellt.