Facebook-App auf einem Smartphone

Datensammeln per App Facebook zahlt Teenagern 20 Dollar für Privatsphäre

Stand: 30.01.2019, 11:25 Uhr

20 Dollar bot Facebook Nutzern, um ihr gesamtes Online-Leben offen zu legen. Mit einer Smartphone-App soll das Unternehmen die Daten gesammelt haben - auch von Minderjährigen.

Seit 2016 zahlte Facebook Nutzern im Alter von 13 bis 35 Jahren bis zu 20 US-Dollar pro Monat, um ihre Privatsphäre zu verkaufen. Dafür sollen sie die iOS- oder Android-App "Facebook Research" installieren. Das schrieb der Technologieblog "TechCrunch" in der Nacht zu Mittwoch.

Das Netzwerk erforschte so die Online-Gewohnheiten der Nutzer. Facebook betonte gegenüber dem Mediennetzwerk "The Verge", dass die Nutzer bei der Anmeldung ihre Zustimmung zur Datensammlung gegeben hätten. Weniger als fünf Prozent seien Teenager gewesen und bei Minderjährigen hätten die Eltern zustimmen müssen.

Zugriff auf Chats, Fotos und Standorte

Mithilfe der App konnte Facebook Zugriff auf private Nachrichten, Chats von Messing Apps, einschließlich Fotos und Videos, E-Mails, Web-Suchen, Web-Aktivitäten und Standortinformationen erhalten. Laut "TechCrunch" hat Facebook die Nutzer sogar gebeten, ihnen ihre Amazon-Bestellhistorie zu zeigen.

An welchen Daten Facebook konkret Interesse hat, ist unklar. Doch bei der Installation der App habe das Unternehmen nahezu unbegrenzten Zugriff auf das Gerät eines Benutzers.

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Allerdings sei nicht immer gleich erkennbar gewesen, dass Facebook hinter der Anwendung stehe. Es sei nichts heimlich gewesen, der Name "Facebook Research App" habe verdeutlicht, dass Facebook hinter der App stecke, so ein Sprecher. Außerdem seien die Nutzer informiert und bezahlt worden.

App umgeht Prüfprozess von Apple

Angeblich soll die App an Apple vorbei installiert worden sein, ohne Prüfverfahren. Damit hat Facebook möglicherweise die Regeln der iOS-Plattform von Apple gebrochen. Die Situation könnte die Beziehung zwischen den Technologieriesen weiter erschüttern. Apple-CEO Tim Cook hatte in der Vergangenheit wiederholt die Datenerfassungspraktiken von Facebook kritisiert.

Dem Mediennetzwerk "The Verge" zufolge will das Unternehmen die iOS-Version der Research-App zurückziehen. Die Android-App solle aber bestehen bleiben.

Schon 2014 machte Facebook Schlagzeilen im Zusammenhang mit der Analyse von Nutzerdaten. Damals übernahm das soziale Netzwerk das israelische Analyseunternehmen Onovo für 120 Millionen Dollar. Die VPN-App half den Benutzern, ihre mobile Datentarifnutzung zu verfolgen und zu minimieren, gab Facebook aber auch eine detaillierte Analyse, welche Apps die Nutzer noch verwenden. So war Facebook in der Lage zu erkennen, dass bei WhatsApp mehr als doppelt so viele Nachrichten pro Tag versendet wurden, wie beim Facebook Messenger. Daraufhin kaufte Facebook WhatsApp für 19 Milliarden Dollar.

mgo