Facebook-Entwicklerkonferenz in San Jose, Kalifornien

50 Millionen Nutzer-Konten gehackt Facebook: Zwei Milliarden Dollar Strafe?

Stand: 01.10.2018, 08:35 Uhr

Wegen einer Sicherheitslücke bei Facebook haben Hacker auf Profile von fast 50 Millionen Nutzern zugreifen können. Das könnte für das soziale Netzwerk eine empfindliche Strafe nach sich ziehen.

Amerikanischen Medienberichten zufolge könnten Datenschutzbehörden in Irland - hier ist der Europa-Sitz des Unternehmens - und den USA dem sozialen Netzwerk eine Strafe von bis zu zwei Milliarden Dollar aufbrummen. So dürfte sich die amerikanische Federal Trade Commission (FTC), die Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde der USA, des Falls annehmen, heißt es in den Berichten des Wall Street Journals und von CNBC.

Offenbar sei eine derart drastische Strafe notwendig, um Facebook dazu zu zwingen, die Daten seiner über zwei Milliarden Nutzer besser vor Missbrauch zu schützen, zitiert der Sender CNBC einen Analysten. Eine derart hohe Strafe ist zwar von der FTC noch nie verhängt worden, doch verweisen Analysten auf die Größe von Facebook, das über zwei Milliarden aktive Nutzer in der ganzen Welt zählt, ein gigantisches Unternehmen.

Bis zu 20 Prozent des Umsatzes

Facebook Serverraum

Facebook Serverraum. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Auch habe die FTC Unternehmen bereits zur Zahlung einer Strafe in Höhe von 20 Prozent des Jahresumsatzes verurteilt. Die Erlöse von Facebook beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 40 Milliarden Dollar. Das könnte eine Strafzahlung von acht Milliarden Dollar bedeuten.

Eine solche Summe hält Stephanie Miller, Analystin bei Height Capital, für unrealistisch. allerdings will auch sie eine Zahlung von mindestens eine Milliarde Dollar nicht ausschließen.

Sinken die Werbeeinnahmen?

Für Facebook könnte eine solche Maßnahme verheerende Folgen haben. Denn eine engere Regulierung des Unternehmens könnte einen Rückgang der Werbeeinnahmen zur Folge haben, nämlich dann wenn die Datenschützer überreagieren und dem Netzwerk das unbegrenzte Sammeln von Daten untersagen. Zielgenaue Werbung würde dadurch erschwert.

Noch ist es nicht soweit. Facebook versicherte, die Sicherheitslücke sei am Donnerstag geschlossen worden. Zumindest gemessen an der Zahl betroffener Nutzer ist es der bisher größte bekanntgewordene Hacker-Angriff auf das Online-Netzwerk. Facebook hat insgesamt mehr als 2,2 Milliarden aktive Mitglieder. "Wir wissen nicht, wer hinter dieser Attacke steckt", sagte Facebooks Gründer und Chef Mark Zuckerberg in einer Telefonkonferenz.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg. | Bildquelle: picture alliance / Steven Senne/AP/dpa

Man werde das möglicherweise auch nie erfahren, fügte Produktchef Guy Rosen hinzu. Auch die Profile von Zuckerberg und Geschäftsführerin Sheryl Sandberg seien betroffen gewesen, berichteten die "New York Times" und die "Financial Times".

Aktie unter Druck

Die Anleger haben bereits am Freitag auf den Hackerangriff reagiert und die Facebook-Aktie auf Talfahrt geschickt. Sollten die Datenschutzbehörden tatsächlich eine milliardenschwere Strafe verhängen, dürfte der Aktienkurs noch weiter unter Druck kommen.

Analysten wie Ali Mogharabi von der Ratingagentur Morning Star sind aber zuversichtlich, dass Facebook diesen neuerlichen Tiefschlag überwinden wird. Er erwartet keine langfristige Beeinträchtigung des Geschäftsmodells, das darin besteht, Daten seiner Nutzer zu sammeln und an die Werbeindustrie zu verkaufen.

lg