Hilfe für kleine Unternehmen Facebook mit Shopping-Offensive

Stand: 20.05.2020, 08:03 Uhr

Facebook nutzt die derzeitige Krise, um eine neue Offensive zur Erweiterung seines Geschäftsmodells zu starten. Dabei können Unternehmen über das Netzwerk sowie Instagram ihre Waren vorstellen und verkaufen. Die Anleger freut's.

An der Wall Street legte die Facebook-Aktie gegen den Trend bis zu 3,1 Prozent zu und ging schließlich mit einem Plus von 1,7 Prozent aus dem Handel, während der US-Leitindex 1,6 Prozent verlor. Damit begrüßten die Investoren die am Abend von Firmenchef Mark Zuckerberg vorgestellte Initiative, das Netzwerk verstärkt für den Online-Handel zu öffnen.

Das neue Konzept mit dem Namen "Shops" soll es kleinen Unternehmen ermöglichen, ihre Waren in einem Video-Livestream auf Facebook und Instagram anzubieten und zu verkaufen. Deutschland ist unter den ersten Ländern, in denen bereits seit gestern Abend Facebook-Shops eingerichtet werden können.

"WinWin-Situation"

Das Projekt solle den Firmen helfen, in der Corona-Krise zu überleben, sagte Zuckerberg der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist etwas, woran ich schon länger interessiert war, aber als Covid-19 kam, wurde es wirklich kritisch und dringend." Viele kleinere Unternehmen - deren Werbeanzeigen wichtig für das Geschäft von Facebook sind - stünden vor dem Aus und suchten den Ausweg im Online-Geschäft. Deswegen sei die Entwicklung der "Shops" beschleunigt worden.

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 3 Monate
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Für Facebook selbst wird das neue Angebot Daten über das Verhalten der Kunden bringen - ähnlich wie bei anderen Diensten des Online-Netzwerks, wie Zuckerberg betonte. "Wir werden sehen, mit welchen Shops sie interagieren, an welchen Produkten sie interessiert sind, was sie kaufen und so weiter." Es handele sich also um eine "WinWin"-Situation.

Für Händler kostenlos

Derzeit sei aber keine Funktion vorgesehen, um diese Informationen mit Freunden zu teilen, und niemand sonst außer dem Nutzer, dem Shop und Facebook bekomme Zugriff darauf. Mit den Daten könnte das Online-Netzwerk aber seine lukrative Fähigkeit, Werbekunden zu den richtigen Adressaten für ihre Anzeigen zu bringen, immer weiter perfektionieren.

Die Einrichtung der Facebook-Shops ist für Händler kostenlos. Gebühren würden lediglich für Bezahlfunktionen fällig - "aber dabei geht es größtenteils darum, unsere Kosten zu decken". Facebook gehe davon aus, dass Werbeanzeigen der Händler die Einnahmen des Online-Netzwerks erhöhen werden. "Unser Werbesystem funktioniert mit Auktionen, bei denen ein Unternehmen so viel bietet, wie ihm eine Anzeige wert ist. Wenn wir eine Anzeige wertvoller machen können, weil jemand, der sie anklickt, mit größerer Wahrscheinlichkeit etwas kauft, werden wir mehr Geld mit Werbung verdienen", begründete er seine Entscheidung.

Konkurrenz für Amazon & Co

Punkten will Facebook auch mit der Verknüpfung seiner verschiedenen Dienste. So wird man einen Online-Shop per WhatsApp, den Facebook Messenger oder die Chatfunktion von Instagram anschreiben können. Wenn im Facebook-System eine Kreditkarte hinterlegt ist, kann man direkt damit bezahlen.

Das Aus- und Anprobieren - etwa von Kosmetik, Kleidung oder Brillen - soll mit Hilfe der sogenannten "erweiterten Realität" (Augmented Reality) erleichtert werden, bei der virtuelle Inhalte auf dem Display mit realen Bildern gemischt werden. So kann man etwa Make-Up-Farben auf dem Gesicht oder Möbelstücke im Zimmer einblenden. Zudem arbeitet das Online-Netzwerk auch an einer Integration von Bonuspunkte-Programmen.

Damit könnte Facebook mit seinen 2,6 Milliarden Nutzern zu einem Konkurrenten für große Handelsplattformen wie Amazon oder Tencent werden. Die Shopping-Initiative dürfte zugleich die Aufmerksamkeit von Regulierern auf sich ziehen - wie alles, was ein Unternehmen von Facebooks Größe mache, sagte Zuckerberg. "Aber ich denke nicht, dass unsere Reaktion darauf sein kann, nichts Neues zu machen." Viele Menschen und Unternehmen wollten Facebooks Produkte nutzen und verließen sich auf sie.

lg/dpa