Facebook-Schriftzug auf einem Notebook

Auswirkungen des Datenskandals Facebook: Ist die Aktie jetzt ein Kauf?

Stand: 06.04.2018, 10:33 Uhr

Obwohl der Datenskandal immer größere Dimensionen annimmt, hat sich die Facebook-Aktie von ihrem in der vergangenen Woche markierten Jahrestief kräftig erholt. Ist das nun eine Kaufgelegenheit für mutige Anleger?

Am Donnerstag haben sich die Facebook-Aktien den zweiten Tag in Folge erholt. An der Nasdaq stiegen sie um 2,7 Prozent auf 159,34 Dollar. Damit notieren sie knapp fünf Prozent über ihrem Jahrestief von 152,22 Dollar. Von ihrem Hoch Anfang Februar sind sie zwar noch 17 Prozent entfernt, doch die Aktie scheint ihren Boden gefunden zu haben und lockt wieder Käufer an.

Ist für Facebook damit das Schlimmste überstanden? Dies zu beurteilen ist eindeutig zu früh, stehen doch in den kommenden Wochen eine Reihe von Terminen auf der Agenda, die für das Unternehmen und damit die weitere Entwicklung der Aktie von entscheidender Bedeutung sind.

Wie reagieren die Werbefirmen?

Aus Sicht der Aktionäre stellt sich in erster Linie die Frage, welche Folgen der Datenskandal um Cambridge Analytica für die überwiegend aus Werbeanzeigen generierten Einnahmen von Facebook gehabt hat und haben wird. Im Fokus des Interesses dürfte auch die Entwicklung der Nutzerzahlen stehen. Sind tatsächlich viele Nutzer dem Aufruf einiger Prominenter und linker Medien gefolgt ("Delete Facebook") und haben ihre Konten bei Facebook gelöscht?

Mark Zuckerberg, Gründer und Hauptaktionär von Facebook, beteuerte in einem Gespräch mit US-Medien am Donnerstag, das Netzwerk spüre bislang keine nennenswerten Auswirkungen auf seine Werbeeinnahmen. Tatsächlich haben bisher nur wenige Unternehmen ihre Facebook-Auftritte offline genommen oder Werbekampagnen gestoppt. Dazu gehören die Commerzbank, der Boxenhersteller Sonos oder Tesla.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg. | Bildquelle: picture alliance / Steven Senne/AP/dpa

Die meisten Nutzer bleiben

Für die meisten Unternehmen ist Facebook mit seinen zwei Milliarden Nutzern schlicht zu wichtig, um dauerhaft darauf verzichten zu können. So sehen es offenbar auch viele Nutzerinnen und Nutzer. Laut dem aktuellen ARD-DeutschlandTrend wollen die meisten von ihnen Facebook unverändert weiternutzen. Einer Studie der Deutschen Bank zufolge haben in der vergangenen Woche nur fünf von 500 Usern, also ein Prozent, ihr Konto bei Facebook gelöscht.

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,30
Differenz relativ
+0,76%

Diesen Eindruck hat auch Morgan Stanley-Analyst Brian Nowak gewonnen, der nach eigenen Angaben mit acht Werbefirmen gesprochen hat. Keines dieser Unternehmen habe ihm gegenüber die Absicht geäußert, Anzeigen bei Facebook zurückzufahren oder gar annulieren zu wollen. Auch dürfte die jüngst von Facebook angekündigte Entscheidung, Apps von Drittanbietern weniger oder gar keine Daten mehr anzubieten, die Bedeutung des Netzwerks eher stärken als schwächen. Nowak hat deshalb seine Kaufempfehlung beibehalten, die faire Bewertung der aktie allerdings von 230 auf 200 Dollar abgesenkt. Auch die meisten anderen das Unternehmen beobachtenden Analysten sind bisher bei ihrer Kaufempfehlung geblieben.

Bilanzzahlen am 25. April

Zahlen zur Geschäftsentwicklung im ersten Quartal will Facebook am 25. April bekanntgeben. Sollten sie über den Erwartungen liegen und Facebook auch im Blick auf das laufende zweite Quartal Entwarnung geben, dürfte die Aktie einen gewaltigen Sprung machen.

Mit Argusaugen werden die Anleger bereits in der nächsten Woche auf das Unternehmen schauen. Am Mittwoch dem 11. April wird Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress aussagen. Diese Anhörung biete eine wichtige Möglichkeit, Licht in das Dunkel um private Nutzerdaten zu bringen, hieß es in einer Mitteilung aus dem Ausschuss für Energie und Handel. Ende Mai schließlich tritt in der Europäischen Union die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Sie sorgt für strengere Regeln bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen.

Der Datenskandal ist also noch nicht ausgestanden. Zuckerberg selbst hatte in der vergangenen Woche gesagt, es werde Jahre dauern, um die entstandende Rufschädigung zu überwinden. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die Aktie wieder ihr Anfang Februar erklommenes Rekordhoch von 193 Dollar erreicht.

lg