Facebook-Schriftzug spiegelt sich in einer Pupille

Datenfirma ausgesperrt Facebook greift hart durch

Stand: 18.03.2018, 15:58 Uhr

Das soziale Netzwerk Facebook hat am Wochenende einen Kunden ausgesperrt. Das ist an sich nicht ungewöhnlich. Aber dieses Mal ist es nicht irgendeine Firma, sondern es wird hochpolitisch.

Denn Facebook hat die Datenanalyse-Firma, der eine wichtige Rolle beim Wahlsieg von Donald Trump nachgesagt wird, aus seiner Kundenliste genommen. Cambridge Analytica und ihre Dachgesellschaft SCL hätten entgegen früheren Zusicherungen bis 2015 gesammelte Informationen über Facebook-Nutzer nicht gelöscht, erklärte das Online-Netzwerk am Wochenende zur Begründung. Cambridge Analytica soll der Trump-Kampagne entscheidend dabei geholfen haben, mit als Werbung geschalteten gezielten Botschaften bei Facebook seine Anhänger zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen.

"Es war Betrug"

Über das Ausmaß des Datenzugriffs gibt es jedoch unterschiedliche Angaben. Die "New York Times" berichtete am Wochenende unter Berufung auf frühere Mitarbeiter von Cambridge Analytica, die Firma habe Zugriff auf Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern ohne deren Zustimmung erhalten. Aus den Erklärungen von Facebook geht hervor, dass allerdings beim absoluten Großteil dieser Nutzer nur Grund-Informationen zum Profil zugänglich gewesen seien.

Hillary Clinton und Donald Trump nach der ersten Fernsehdebatte

Hillary Clinton und Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Vertieftes Wissen erhielt Cambridge Analytica laut Facebook aber über Menschen, die eine die 270.000 Mal heruntergeladene Umfragen-App ausfüllten. Die scheinbar harmlose Umfrage mit dem Namen "thisisyoudigitallife" versprach Nutzern einen Persönlichkeitstest.

Ihr Initiator, Professor Alexander Kogan von der Cambridge-Universität, habe dafür von den Nutzern die Erlaubnis zum Zugriff auf ihre Informationen erhalten. Die Umfrage war als wissenschaftliche Forschung deklariert. Dann habe aber Kogan "uns belogen" und Daten an Cambridge Analytica und SCL sowie den Datenanalytiker Christopher Wylie weitergegeben, erklärte Facebook. "Es war ein Betrug", sagte Facebook-Manager Paul Grewal der "New York Times".

Zusätzlich zu den Informationen der Nutzer, die direkt an der Umfrage teilnahmen, bekam die App eingeschränkten Zugang zu Profildaten ihrer Facebook-Freunde, die entsprechend lockere Datenschutz-Einstellungen haben, erklärte das Online-Netzwerk.

Ein Whistleblower

Donald Trump for President-Plakat

Donald Trump for President-Plakat. | Bildquelle: Imago

Aufgeflogen ist das Ganze durch Christopher Wylie, der Daten von Kogan erhalten hatte. Wylie legte Informationen zur Zusammenarbeit mit Cambridge Analytica unter anderem der "New York Times" und der britischen Zeitung "Guardian" offen. Wylies Unterlagen enthüllen eine noch tiefere Verstrickung von Cambridge Analytica in den Wahlkampf als bisher bekannt: So habe die Firma Wikileaks Hilfe bei der Verbreitung der gestohlenen E-Mails von Hillary Clinton angeboten.

Man muss kein Prophet sein um zu erahnen, was in der kommenden Woche im politischen Washington los sein wird. Die Börse ist derzeit ohnehin wegen zunehmender politischer Risiken angespannt, jetzt droht nochmals eine Verschärfung. Dass Cambridge Analytica eine Rolle bei Trumps Wahlkampf - und auch der Brexit-Entscheidung in Großbritannien - gespielt hat, war bereits seit über einem Jahr bekannt. Darüber, wie groß der Beitrag der Firma war, wurde jedoch stets diskutiert.

dpa/rm

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