Facebook-Entwicklerkonferenz in San Jose, Kalifornien

Daten an Netflix und Airbnb weitergegeben Facebook: Schon wieder Negativschlagzeilen

Stand: 06.12.2018, 08:51 Uhr

Die Negativschlagzeilen bei Facebook reißen nicht ab. Internen Dokumenten zufolge gab das Netzwerk einigen Unternehmen wie Netflix und der Wohnungsplattform Airbnb bevorzugten Zugang zu bestimmten Nutzerdaten wie etwa Kontakten zu Freunden.

Auch die Dating-App Badoo sowie der Fahrdienst Lyft hätten Zugriff auf Daten gehabt. Anderen Unternehmen sei der Zugriff verwehrt worden. Dies sei 2015 geschehen, wie aus den vom britischen Abgeordneten Damian Collins veröffentlichten Unterlagen hervorgeht. Es ist weiterhin unklar, wann die Vereinbarungen genau endeten.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg erklärte die veröffentlichten Informationen seien aus dem Kontext gerissen und stünden im Lichte des Gerichtsverfahrens. Zudem sei der Zugang zu Daten von Nutzer-Freunden 2015 grundsätzlich unterbunden worden. Der Social-Media-Experte Collins erhielt die 223 Seiten umfassenden Dokumente von dem App-Entwickler Six4Three, der nicht mehr am Markt ist und einen Gerichtsstreit mit Facebook austrägt.

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Six4Three bot eine App mit dem Namen "Pikinis“ an, die automatisch nach öffentlich zugänglichen Fotos von Facebook-Nutzerinnen in Badeanzügen suchte. Das funktionierte nur so lange, wie Facebook Apps Zugang zu Daten von Freunden eines Nutzers gewährte. Diese Schnittstelle - die auch die Voraussetzung für den Datenskandal um Cambridge Analytica war - machte Facebook 2015 dicht.

Six4Three missfiel die Entscheidung und zog vor Gericht. Im Verfahren prangerte die Firma auch an, dass es zeitweise Ausnahmen von dieser Regel für Firmen wie den Wohnungsvermittler AirBnB oder Netflix gab. Das geht auch aus den Unterlagen hervor.

Umstrittene Methoden

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg. | Bildquelle: picture alliance / Steven Senne/AP/dpa

Collins betonte, er habe die Dokumente veröffentlichen müssen, da sie "wichtige Fragen aufwerfen, etwa der wie Facebook mit Nutzerinformationen umgeht, mit Appentwicklern zusammenarbeitet und seine dominierende Postion im Markt für Soziale Medien ausübt." So seien in den Unterlagen auch Gedankenspiele aus dem Jahr 2012 enthalten, wie Software-Entwickler für den erhaltenen Datenzugang bezahlen könnten, mit Geld oder den Nutzerdaten.

Aus den Unterlagen gehen weitere umstrittene Methoden hervor. So deutete Collins an, dass das Netzwerk beispielsweise Twitter ab 2013 keinen Zugriff mehr auf Facebook-Nutzer gab. Dies soll in Zusammenhang mit der Markteinführung der Videoplattform Vine gestanden haben. Zudem zeigen die Dokumente, wie Facebook 2015 Anrufprotokolle von Nutzern von Android-Smartphones sammelte, ohne zuvor entsprechende Genehmigungen einzuholen.

Im Visier der Behörden

Facebook steht spätestens seit dem Datenskandal rund um die britische Analysefirma Cambridge Analytica im Visier von Behörden und Politikern. Dabei sollen Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern im US-Präsidentschaftswahlkampf missbraucht worden sein. Weltweit sind seither Rufe laut geworden, das Netzwerk - zu dem Whatsapp und Instagram gehören - stärker zu regulieren. Die Analysten des Finanzdienstleisters Stifel stuften das Rating von Facebook mit Verweis auf mögliche Beschränkungen zurück.

lg/rtr/dpa