WhatsApp-Logo auf einem Smartphone und Facebook-F auf einem Notebook
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Presseberichte teilweise bestätigt Facebook baut Mega-Chat-Plattform

Stand: 28.01.2019, 09:00 Uhr

Eine Nachricht von Instagram zu WhatsApp schicken – das könnte bald möglich werden. Facebook plant eine gemeinsame technische Plattform für seine unterschiedlichen Chatdienste. Bisher waren die Systeme voneinander getrennt.

Das Online-Netzwerk bestätigte am Wochenende gegenüber der "New York Times" und der "Financial Times", dass es Überlegungen gibt, das Versenden verschlüsselter Nachrichten zwischen seinen Diensten zu ermöglichen. Das Unternehmen arbeite daran, "es einfacher zu machen, Freunde und Familie Netzwerk-übergreifend zu erreichen", sagte eine Facebook-Sprecherin. Derzeit gebe es interne Diskussionen darüber, wie das am besten umzusetzen sei.

Den Nutzern sollen gemäß den Plänen zwar weiterhin verschiedene Apps angeboten werden. Die Anwendungen würden aber auf einer gemeinsamen technischen Infrastruktur laufen, schrieben die beiden Zeitungen unter Berufung auf Beteiligte.

Nachricht von Instagram zu WhatsApp

Auf die gemeinsame technische Plattform soll den Berichten zufolge neben WhatsApp und dem Facebook Messenger auch die Kommunikationsfunktion des Foto-Dienstes Instagram kommen. In Zukunft könnte man dann möglicherweise eine Nachricht zum Beispiel direkt von Instagram zu WhatsApp schicken.

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Der Umbauplan werde von Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich vorangetrieben, hieß es den Zeitungen zufolge. Die Gründer von WhatsApp und Instagram, die nach der Übernahme durch Facebook zunächst weitgehend eigenständig agieren konnten, hatten im vergangenen Jahr das Online-Netzwerk verlassen. Angeblich soll es Spannungen mit Zuckerberg gegeben haben, der stärker in die Führung der Dienste eingriff.

Chatdienste laufen besser als Facebook

Die drei Dienste haben jeweils mehr als eine Milliarde Nutzer. Facebook als Online-Netzwerk kommt auf mehr als 2,2 Milliarden aktive Mitglieder. Das Wachstum hatte sich zuletzt aber deutlich verlangsamt, während die Chatdienste rege genutzt werden.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der nur die Gesprächspartner Zugang zum Inhalt einer Unterhaltung haben, setzt derzeit in der Facebook-Welt nur WhatsApp standardmäßig ein. Beim Facebook Messenger kann man sie zum Austausch vertraulicher Informationen zuschalten.

Beim Abgang der WhatsApp-Gründer Brian Acton und Jan Koum hatte es noch geheißen, sie hätten sich gegen Pläne zur Aufweichung der Verschlüsselung stemmen müssen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung - die auch andere Chat-Dienste wie Signal, Wire oder Apples iMessage standardmäßig einsetzen - stößt zugleich bei Sicherheitsbehörden wie der US-Bundespolizei FBI auf Widerstand, weil sie dadurch schlechter an Nachrichten von Verdächtigen herankommen.

Plant Zuckerberg eine Art "Whatsabook"?

Ein ehemaliger Facebook-Manager sagte der "Financial Times", Zuckerberg wolle verschiedene Dienste des Konzerns zu einer Art "Whatsabook" vereinen, um das Wachstum anzukurbeln. Während die Verschlüsselung den Schutz der Daten verbessern würde, sei das wahre Ziel von Facebook vermutlich, an mehr Kontaktdaten heranzukommen, um potenzielle neue Nutzer zu finden, erklärte er.

Eine gemeinsame Infrastruktur würde einen tiefgreifenden Eingriff in die heutige Funktionsweise der betroffenen Dienste bedeuten. So ist WhatsApp von Beginn an auf die Erfassung weniger Nutzerdaten ausgelegt und erfordert nur die Telefonnummer des Smartphones. Bei Facebook, dem Facebook Messenger und Instagram hingegen legen Nutzer Accounts an.

Aktien abgerutscht

Die geplante Verschmelzung der Chat-Dienste auf einer gemeinsamen Plattform könnte den Aktien von Facebook neuen Schub bringen. Die Titel sind seit Ende Juli um 30 Prozent gefallen. Am Mittwoch nach US-Börsenschluss enthüllt das weltgrößte soziale Online-Netzwerk seine Quartalszahlen.

nb/ dpa-AFX/ AFP

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Meilensteine der Facebook-Jahre Vom Studi-Experiment zum Milliardenkonzern

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 2004 an der Harvard University, Cambridge

Gründung in Harvard
Am Anfang von Facebook steht Harvard. Die im US-Bundesstaat Massachusetts gelegene Universität ist eine der einflussreichsten Eliteschmieden der USA. Mark Zuckerberg programmierte hier im Januar 2004 im Alter von 19 Jahren eine Web-Seite, die Studienkollegen vernetzen sollte, quasi ein elektronisches Notizbuch. Thefacebook.com ging einen Monat später online. Im Mai des gleichen Jahres verlässt Zuckerberg Harvard ohne Abschluss und zieht ins IT-Mekka Silicon Valley.