Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Zwergenaufstand bei Facebook? Investoren wollen Zuckerbergs Macht begrenzen

Stand: 18.10.2018, 14:02 Uhr

Der Druck auf Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wächst: Nach Datenskandalen und Hackerattacken verlangen vier staatliche Investmentfonds, dass er seinen Posten als Aufsichtsratschef abgibt. Aber gegen Zuckerbergs Willen läuft beim Sozialen Netzwerk gar nichts.

Die Chefs der Investmentfonds der Bundesstaaten Illinois, New York, Pennsylvania und Rhode Island schlossen sich damit dem Vorschlag des Hedgefonds Trillium Asset Management an, der bereits im Juni eine Neubesetzung des Postens als Aufsichtsratschef mit einem unabhängigen Kandidaten gefordert hatte. Sie verlangen jetzt eine Abstimmung über Zuckerbergs Abberufung auf dem Aktionärstreffen im kommenden Mai.

Chef-Aktien für den Chef

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate
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Firmengründer Zuckerberg hat die Funktionen des Vorstandsvorsitzenden sowie des Aufsichtsratschefs inne. Bereits 2017 hatte es einen Vorschlag gegeben, Zuckerberg durch einen unabhängigen Aufsichtsratschef abzulösen. Weil der Unternehmenschef aber die Mehrheit der Stimmrechte hat, scheiterte das Vorhaben.

Zuckerberg ist vorbereitet, denn er besitzt zwar nicht die Aktienmehrheit, aber dafür besondere Aktien mit zehn Mal mehr Stimmrechten als bei herkömmlichen Investoren, die bei Entscheidungen nur eine Stimme pro Anteilsschein bekommen.

Vertrauen zurückgewinnen

Ein erneuter Vorstoß ergebe dennoch Sinn, sagte der Schatzmeister von Rhode Island, Seth Magaziner. Auf diese Weise würden die jüngsten Datenpannen nochmal ins Zentrum des Aktionärstreffens gerückt. Sein Kollege aus Illinois, Michael Frerichs, erklärte, ein unabhängiger Aufsichtsrat hätte zwar auch nicht alle Skandale verhindern können. Allerdings hätte es möglicherweise weniger Probleme gegeben und der Aktienkurs wäre vermutlich weniger drastisch eingebrochen.

Zuckerberg müsse in dem Aufsichtsgremium durch einen unabhängigen Vorsitzenden ersetzt werden, verlangte auch der Chef des Rechnungshofs von New York, Scott Stringer. Die Stadt hält Mittel aus ihrem Rentenfonds in Facebook-Aktien, die Beteiligung sei aktuell rund 745 Millionen Dollar wert, berichtete das "Wall Street Journal".

Das Online-Netzwerk spiele gesellschaftlich eine überdimensionale Rolle und habe hohe Verantwortung, deshalb seien Unabhängigkeit und Verlässlichkeit in dem Gremium nötig, argumentierte Stringer. Nur so könne Facebook das Vertrauen wiedergewinnen.

Facebook und Cambridge Analytica Logos

Facebook, Cambridge Analytica. | Bildquelle: imago

Skandale, Skandale

Facebook steht nach dem Cambridge-Analytica-Skandal und anderen Datenpannen sowie durch den Missbrauch der Plattform für politische Propaganda und Falschmeldungen unter anderem während des US-Wahl unter massiver Kritik. Zudem schlugen die Auswirkungen der EU-Datenschutzgrundverordnung auf die Werbeeinnahmen.

Allein in den vergangenen drei Monaten knickte das Papier im deutschen Handel um mehr als 20 Prozent ein. Wer allerdings vor fünf Jahren in Facebook-Aktien investierte, hat 260 Prozent eingestrichen.

ts/rtr/dpa