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Höhe der Transaktionen klettert um 80 Prozent EY: Investoren pumpen mehr Geld in deutsche Firmen

Stand: 27.12.2019, 14:12 Uhr

Finanzinvestoren haben 2019 so viel Geld für Übernahmen von deutschen Unternehmen in die Hand genommen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Dank acht Megadeals schoss das Volumen in die Höhe - trotz weniger Transaktionen.

Die Private-Equity-Firmen stemmten Käufe im Wert von 32,2 Milliarden Euro und damit satte 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ergab eine am Freitag veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung EY. Vor allem im zweiten Halbjahr - dem stärksten Halbjahr seit der Finanzkrise 2009 - griffen die Investoren tief in die Tasche und gaben 24,9 Milliarden Euro aus.

Und das, obwohl die Zahl der Übernahmen schrumpfte. Fünf Jahre in Folge war sie nach Angaben von EY gestiegen. In diesem Jahr gab es jedoch nur 219 Transaktionen, zehn weniger als 2018. Für den Anstieg des Volumens sind daher die Megadeals verantwortlich. Denn insgesamt kamen acht Deals oberhalb der Milliarden-Grenze zustande.

Die größte Transaktion des Jahres war der Kauf von Anteilen an Axel Springer durch KKR für 4,95 Milliarden Euro. Ebenfalls im zweiten Halbjahr ging die zweitgrößte Private-Equity-Transaktion – der Kauf des Industriedienstleisters Currenta durch Macquarie – über den Verhandlungstisch. Die Australier legten für Currenta 3,5 Milliarden Euro hin.

Kassen der Finanzinvestoren voll

"Die Preise für Unternehmen und Unternehmensteile sind auf einem sehr hohen Niveau", sagte EY-Partner Michael Kunz. Daran dürfte sich auch mittelfristig nicht viel ändern. "Wer sein Portfolio stärken will, muss daher tief in die Tasche greifen." Die Kassen der Finanzinvestoren sind reichlich gefüllt, denn auf der Suche nach Rendite rennen ihnen in Zeiten niedriger Zinsen reiche Familien, Pensionskassen, Versicherer und andere große Anleger die Türen ein. "Wir erwarten daher für 2020 ein weiterhin hohes Engagement von Finanzinvestoren."

Doch nicht immer setzen sich die Beteiligungsgesellschaften durch. Strategische Investoren können nach dem Kauf auf Synergieffekte hoffen und sind daher teilweise bereit, höhere Preise zu zahlen. So wurden Bain und Advent bei ihrem Buhlen um Osram vom österreichischen Sensor-Spezialisten AMS übertrumpft, der sich nach einem langen Übernahmekampf mit seiner inklusive Schulden 4,6 Milliarden Euro schweren Offerte für den Münchner Lichtkonzern durchsetzte.

Unternehmen aus zwei Bereichen heiß begehrt

Mit 6,8 Milliarden Euro floss das meiste Geld in den Bereich Chemie, vor allem getrieben durch die Akquisitionen von BASF Bauchemie durch Lone Star und den Verkauf des Plexiglas-Geschäfts von Evonik an Advent. Dank der Übernahme von Autoscout24 durch Hellman & Friedman kurz vor Jahresende entfiel der zweithöchste Wert mit 5,7 Milliarden Euro auf den Bereich Informationstechnologie. Nach der gescheiterten Komplettübernahme des Online-Kleinanzeigenmarkts Scout24 sicherten sich die Amerikaner für 2,9 Milliarden Euro die Gebrauchtwagen-Sparte AutoScout24.

Mit 49 sowie 42 Transaktionen wurden die meisten Deals in den Bereichen Informationstechnologie und Industrie getätigt. "In Deutschland befinden sich viele eher kleinere und mittelgroße Industrieunternehmen auf dem Markt", erläutert Wolfgang Taudte, Partner bei EY. "Wir beobachten derzeit zusätzlich verstärkt den Trend, dass Private-Equity-Fonds ihr Portfolio um innovative Digitalunternehmen anreichern wollen. Daher bewegt sich die Zahl der Transaktionen in dem Bereich auf einem sehr hohen Niveau."

tb