Treppe, an deren Ende ein Einbahnstraßenschild steht

Schlimmer als befürchtet EY: Im ersten Halbjahr so viele Gewinnwarnungen wie nie

Stand: 04.09.2019, 10:52 Uhr

Die schwächelnde Konjunktur, zunehmende Handelskonflikte sowie zahlreiche geopolitische Risiken haben die deutschen Unternehmen im ersten Halbjahr stärker belastet als befürchtet, wie aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht.

Danach gaben die 308 im Prime Standard der Deutschen Börse gelisteten Unternehmen insgesamt 54 Gewinn- oder Umsatzwarnungen heraus – 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Erstmals seit dem ersten Halbjahr 2014 lag damit die Zahl der Unternehmen, die ihre eigenen Ziele verfehlten, höher als die Zahl derer, die sich besser als angekündigt entwickeln: Insgesamt 51 sogenannte Gewinnerwartungen wurden veröffentlicht – etwas mehr als im Vorjahr (43), aber nur halb so viele wie im ersten Halbjahr 2017.

Negative Korrekturen auf Rekordniveau

Sowohl im Dax als auch im MDax und SDax lag die Zahl der negativen Korrekturen auf Rekordniveau: Im Dax und im MDax stiegen die Warnungen jeweils von fünf auf sieben, im SDax schnellte die Zahl gar von fünf auf zwölf hoch. Im übrigen Prime Standard wurden 28 Warnungen gezählt, nach 24 im Vorjahreszeitraum.

Insgesamt haben 29 Prozent der börsennotierten deutschen Unternehmen die eigene Prognose im ersten Halbjahr nach oben oder nach unten revidiert. Im Vorjahreszeitraum lag der Anteil nur bei 23 Prozent. Die Zeiten werden also volatiler und zunehmend unberechenbarer.

Es gebe allerdings noch keinen generellen Negativtrend über alle Branchen hinweg, betont EY-Partner Marc Förstemann. "Zwar leiden viele große Industriekonzerne zunehmend unter schwächelnden Auslandsmärkten und einer nachlassenden Investitionsbereitschaft. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor etliche Unternehmen, die sich besser entwickeln als erwartet. Gerade kleinere, stark spezialisierte Pharma- oder Technologie-Unternehmen legen teils sehr gute Zahlen vor. Auch in der Immobilienbranche laufen die Geschäfte überwiegend gut."

Autobranche leidet besonders stark

Die meisten Warnungen kamen im ersten Halbjahr aus der Automobilbranche: Fünf der zwölf börsennotierten Autokonzerne beziehungsweise -zulieferer mussten ihre Prognosen nach unten korrigieren.

Auffallend ist, dass Großkonzerne den konjunkturellen Gegenwind offenbar stärker spüren als kleinere Unternehmen: So haben nur vier Prozent der Firmen mit einem Jahresumsatz von über fünf Milliarden Euro die eigene Prognose angehoben. In der Gruppe der Unternehmen mit höchstens 250 Millionen Euro Umsatz liegt der Anteil mit Positiv-Korrekturen dagegen bei 23 Prozent.

Immerhin scheint der Aktienmarkt Gewinn- und Umsatzwarnungen inzwischen gelassener aufzunehmen als noch im vergangenen Jahr: Den Berechnungen von EY zufolge sanken die Kurse am Tag der Warnung im Durchschnitt um fünf Prozent – im Vorjahr lag der Kursverlust noch bei durchschnittlich acht Prozent.

lg