Screenshot Evotec Website 22.11.17
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Jetzt wieder einsteigen? Evotec: Nur ein Opfer von Short-Sellern?

Stand: 22.11.2017, 11:49 Uhr

Die Evotec-Aktie scheint zuletzt einen Boden gefunden zu haben und ist wieder mehr als 13 Euro wert - nachdem sie in den sechs Wochen zuvor 40 Prozent verloren hatte. Was ist da passiert und ist jetzt der Zeitpunkt zum Wiedereinstieg gekommen?

Analysten wie Falko Friedrichs von der Deutschen Bank hatten bereits Anfang September gewarnt, die Evotec-Aktie sei zu heiß gelaufen. Er hatte deshalb die Papiere des Biotech-Unternehmens von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel auf 16 Euro belassen. Noch pessimistischer äußerte sich Analyst Heinz Müller von der DZ Bank. Er empfahl, die Aktie zu verkaufen, weil die Risiken die Chancen überstiegen.

Zu dem Zeitpunkt hatte sich die Evotec-Aktie seit Jahresbeginn bereits mehr als verdoppelt, war von 7,44 auf über 16 Euro angestiegen. Die Appelle verhallten zunächst ungehört, die Titel des Hamburger Unternehmens kletterten munter weiter - bis sie Anfang Oktober ein Hoch von 22,50 Euro erreichten. Erst jetzt war Schluss mit der Rally, es ging bergab, und zwar rasant.

Lakewood und andere Shortseller

Hinter den massiven Kurseinbußen vermuten Marktexperten Short Seller, also Spekulanten, die auf fallende Kurse setzen. Tatsächlich hat der in Manhattan ansässige Hedgefonds Lakewood Capital Management Ende September eine erste entsprechende Position in Evotec-Aktien aufgebaut. Bereits am 27. September wettete der Investor mit 0,5 Prozent Evotec-Aktien auf fallende Kurse bei dem im TecDax notierten Unternehmen. Beinahe zeitgleich begann Lakewood Stimmung gegen die Papiere zu machen und proklamierte, dass der faire Wert der Aktie deutlich unter 10 Euro liege.

Wer ist Lakewood Capital?

Lakewood Capital Management ist ein 2007 von Anthony Bozza in New York gegründeter Hedgefonds. Bozza arbeitete zuvor selbst für verschiedene Hedgefonds, darunter KKR. Lakewood verwaltet inzwischen (Stichtag 30.September 2017) ein Vermögen von gut 2,7 Milliarden Dollar. Unter den zahlreichen Beteiligungen stach zuletzt ein Anteil von 1,13 Millionen Aktien am chinesischen Internetkonzern Baidu, dem Gegenstück von Google, heraus. Lakewood ist zuletzt auch immer wieder als "Short Seller" aufgefallen, nicht nur bei dem Hamburger Biotechunternehmen Evotec. Selbst gegen den milliardenschweren chinesischen Immobilienentwickler Evergrande sind die Lakewood-Manager Wetten eingegangen, nachdem sich der Kurs in diesem Jahr bis zum Oktober versechsfacht hatte. Erfolgreich waren sie bei den Chinesen bisher allerdings nicht.

In den Wochen danach baute Lakewood nach und nach weitere Leerverkaufspositionen in Evotec-Aktien auf, in der Spitze waren es 1,44 Prozent. Der Hedgefonds zog andere Leerverkäufer an. Dazu gehören AHL Partners, Wellington Management und BlueMountain Capital. Auch sie wetten auf fallende Evotec-Kurse. Noch ist die Gefahr weiterer Einbrüche also nicht gebannt. Lakewood selbst hat allerdings begonnen, seine Positionen bei Evotec abzusenken. Zunächst auf 1,29 Prozent, letzte Woche dann auf 1,07 Prozent. Seitdem hat sich die Aktie von ihrem Tief bei 12,25 Euro wieder etwas erholt.

Jetzt wieder einsteigen?

Inzwischen raten erste Analysten wie Igor Kim von der Investmentboutique Oddo BHF sogar zum Wiedereinstieg bei Evotec. Er hält die Kursverluste der letzten Wochen für übertrieben und hob das Kursziel von 14 auf 20 Euro an. Doch ob die Aktie inzwischen ihren Boden gefunden hat, bleibt abzuwarten.

Die am 8. November verkündeten Quartalszahlen hatten allerdings für Enttäuschung gesorgt. Das Unternehmen verfehlte die Erwartungen an das operative Ergebnis und das Ergebnis je Aktie. Wegen einer Übernahme in den USA sank das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um zehn Prozent auf gut 13 Millionen Euro. Dank des starken ersten Halbjahrs konnte Evotec auf Sicht von neun Monaten einen Anstieg um 28 Prozent auf rund 39 Millionen Euro vermelden.

Gleichwohl hat sich das Unternehmen durch den Zukauf hoch verschuldet. Schon gab es Spekulationen um eine Kapitalerhöhung. Möglich ist aber auch, dass sich die Angst um das Unternehmen legt und die Anleger wieder zugreifen, denn seine selbst gesetzten Jahresziele dürfte Evotec erreichen. Sollte sich die Aktie weiter erholen, kann sogar ein Short Squeeze nicht ausgeschlossen werden.

lg