Deutsches Eigenkapitalforum 2017 Evotec

Eigenkapitalforum Evotec fürchtet nur Amazon & Co

von Notker Blechner

Stand: 28.11.2017, 09:12 Uhr

Zu den deutschen Börsenlieblingen in diesem Jahr gehört Evotec. Die Biotech-Aktien haben sich 2017 nahezu verdoppelt. Welchen Schub die Übernahme von Aptuit gibt und warum Amazon & Co zur Bedrohung werden könnten, verriet Evotec-Chef Werner Lanthaler gegenüber boerse.ARD.de.

Mit deutschen Biotech-Aktien ließ sich lange Zeit kaum Geld verdienen. Immer wieder floppten neue Wirkstoffe, einige Firmen verschwanden oder wurden von "Big Pharma" geschluckt. Die Aktienkurse durchlebten mehr Tiefen als Höhen. Auch Evotec, einer der deutschen Biotech-Pioniere, stand 2002 kurz vor der Pleite.

"Einzige profitable deutsche Biotech-Firma!"

Davon redet heute keiner mehr. Die Hamburger TecDax-Firma hat sich aufgerappelt und schreibt spätestens seit 2015 dauerhaft schwarze Zahlen. "Wir sind das einzige profitable deutsche Biotech-Unternehmen", erklärt Vorstandschef Werner Lanthaler stolz gegenüber boerse.ARD.de am Rande des diesjährigen Eigenkapitalforums am Frankfurter Flughafen. Andere Firmen hätten zu viel versprochen und seien an den zu hohen Erwartungen gescheitert.

Als Grund für den erfolgreichen Turn-Around nannt Lanthaler die Umstellung des Geschäftsmodells auf mehr Forschungsprojekte und langfristige Partnerschaften mit "Big Pharma". In den letzten zwölf Monaten wurden mit Bayer bei der Behandlung von chronischem Nierenleiden und mit Celgene bei der Erforschung von Nervenkrankheiten zwei große Allianzen mit wichtigen Meilensteinzahlungen geschlossen.

Aptuit bringt kräftigen Schub

Weiteren Auftrieb gab die 300 Millionen Euro teure Übernahme des US-Rivalen Aptuit, die seit August in die Bilanz von Evotec einfließt. Aptuit "bringt uns einen enormen Umsatzschub und zusätzliches Gewinnwachstum", sagte Lanthaler auf dem Eigenkapitalforum. Zudem komplettiere die US-Firma das Angebot von Evotec.

Die Aktien von Evotec haben sich auf Einjahres-Sicht verdoppelt und erreichten im Oktober ein 16-Jahres-Hoch, bevoir sie wieder etwas abrutschten. Von einem neuen Biotech-Hype will Vorstandschef Lanthaler nichts wissen. "Bei uns stehen gute Zahlen dahinter", sagt er gegenüber boerse.ARD.de.

In den ersten neun Monaten steigerten die Hamburger dank der Partnerschaften mit Pharmakonzernen und des Aptuit-Zukaufs den Umsatz um 42 Prozent auf fast 171 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zog um 28 Prozent auf 39,3 Millionen Euro an.

Ehrgeizige Jahresziele

Für das Gesamtjahr peilt Evotec ein Umsatzwachstum von mehr als 40 Prozent an, betonte Lanthaler auf dem Eigenkapitalforum. Das bereinigte Ebitda soll 2017 gar um über 50 Prozent zulegen.

Evotec sieht sich mit seiner iPSC-Plattform als Marktführer für qualitativ hochwertige Wirtstoff-Forschungslösungen. Auch im Bereich künstliche Intelligenz sei das Unternehmen die Nummer eins – dank der Beteiligung an Exscientia.

Fehlgriff in Indien

Weitere Akquisitionen kann sich Evotec-Chef Lanthaler vorstellen. Das Biotech-Unternehmen habe neun Übernahmen getätigt, davon waren drei nicht so erfolgreich. "Der Zukauf in Indien passte nicht", gibt Lanthaler zu. Dagegen sei er sehr zufrieden mit Cyprotex und Aptuit.

Vorstand von Evotec, Werner Lanthaler

Evotec-Vorstand Werner Lanthaler. | Bildquelle: Unternehmen

Die Gefahr, selbst von "Big Pharma" geschluckt zu werden, sieht Lanthaler momentan nicht. Sorgen machen ihm eher Hightech-Konzerne wie Amazon, Apple oder Softbank, die in die Branche eindringen wollen und dafür keine Kosten scheuen.

Oetker und Michael Fox glauben an das Unternehmen

Mit Roland Oetker hat Evotec einen langjährigen Investor gefunden, der der Firma auch in den schwierigen Zeiten half und sie vor dem Aus rettete. Auch andere prominente Unterstützer hat die TecDax-Firma. Für ein Forschungsprojekt beteiligte sich Filmstar Michael Fox mit seiner Parkinson-Stiftung.

Als "Weltverbesserer" fühlt sich der fröhliche Österreicher Lanthaler, der Evotec seit 2009 führt, nicht. Hoffnungen, dass die Biotech-Branche den Krebs heilen kann, hält er für überzogen. Erfolge bei Aids oder Hepatitis stimmen ihn aber doch optimistisch, dass die Biotechnologie etwas bewirken kann. Von den weltweit bekannten gut 40.000 Krankheiten gebe es immer noch über 3.000, die noch nicht behandelbar sind. "Das wollen wir ändern."