Eine Frau schminkt sich im Spiegel einer Harley Davidson

Gewinnsprung Europa rettet Harley-Davidson - vorerst

Stand: 23.10.2018, 14:00 Uhr

Während die Harley-Krise in den USA anhält, springt ausgerechnet Europa trotz des teuren Dollars und des Zollkonflikts mit den USA in die Bresche. Der Motorrad-Hersteller verbucht einen veritablen Gewinnsprung. Die Aktie legt vorbörslich kräftig zu.

Die legendären Motorräder von Harley-Davidson kommen in Europa prächtig an. Das macht Schwächen im US-Geschäft wegen der dort alternden Kundschaft wett. Der Gewinn schnellte im abgelaufenen Quartal um zwei Drittel auf knapp 114 Millionen Dollar nach oben, der Umsatz stieg um knapp 17 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar. Damit übertrifft der Konzern die Erwartungen der Analysten deutlich.

Die frischen Zahlen begeistern die Anleger. Vorbörslich steigt das Papier an der New Yorker Börse um rund vier Prozent. Seit Jahresanfang hatte es mehr als 20 Prozent eingebüßt.

In den USA tief in der Krise

Ob Harley-Davidson damit aber ein Schritt aus der Krise gelungen ist, bleibt abzuwarten. Auf das Jahr gesehen hält das Unternehmen die Prognose bezüglich der verkauften Motorräder zwar aufrecht: Es sollen zwischen 231.000 und 236.000 Maschinen verkauft werden. Das wäre erneut ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr. 2017 ging die Anzahl der weltweit verkauften Motorräder bereits um 6,7 Prozent auf rund 243.000 zurück.

In den USA sank die Zahl der verkauften Maschinen im abgelaufenen Quartal um deutliche 13,3 Prozent. International legten die Verkäufe dagegen um 2,6 Prozent zu. 60 Prozent des Geschäfts macht Harley Davidson auf dem amerikanischen Heimatmarkt.

Donald Trump und Mike Pence mit Harley Davidson-Maschine

Donald Trumps Streit mit Harley-Davidson

Die Zollpolitik des US-Präsidenten macht Harley-Davidson das Geschäft noch schwerer. Wegen der EU-Vergeltungszölle auf amerikanische Waren will der Motorradhersteller einen Teil seiner Produktion aus den USA auslagern. Die Anhebung der EU-Zölle von bisher 6 auf 31 Prozent mache ein Motorrad laut Harley-Davidson in Europa im Schnitt um 2.200 Dollar teurer. Durch die Produktionsverlagerung sollen Preiserhöhung für Kunden in Europa vermieden werden. Bis die Verlagerung der Produktion binnen 9 bis 18 Monaten über die Bühne geht, werde Harley-Davidson diese Kosten selbst tragen. Das bedeute für den Rest dieses Jahres eine Belastung von etwa 30 bis 45 Millionen Dollar. Natürlich nimmt Trump die Entscheidung übel. Er äußerte sich via Twitter, er sei überrascht, dass ausgerechnet Harley-Davidson die weiße Flagge schwenke. Für Harley-Davidson ist das nicht ungefährlich, weil besonders patriotische US-Bürger sich jetzt gegen den Kauf einer Harley entscheiden könnten.

Über einen gewissen Zeitraum mag das Management diese Einbußen mit allen möglichen Optimierungs- und Sparmaßnahmen irgendwie kompensieren können. Doch woher soll nachhaltiges Wachstum kommen, wenn Zahl der verkauften Maschinen insgesamt sinkt?

ts