Händler an der Euronext in Paris

Schlappe für den Finanzplatz Deutschland Euronext sticht die Deutsche Börse aus

Stand: 09.10.2020, 10:43 Uhr

Die Mehrländerbörse Euronext kauft die italienische Börse Borsa Italiana. Damit kommt die Konkurrenz aus Frankfurt nicht zum Zuge.

Die britische Börse LSE verkauft ihre Tochter Borsa Italiana an die Mehrländerbörse Euronext, die italienische Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) und das italienische Institut Intesa Sanpaolo Der Kaufpreis beläuft sich auf 4,325 Milliarden Euro, wie die London Stock Exchange am Freitag mitteilte. Die Borsa Italiana betreibt die Mailänder Börse und die Staatsanleihen-Handelsplattform MTS.

Die CDP und die Intesa Sanpaolo sollen rund 700 Millionen Euro zu der Transaktion beisteuern. CDP soll dafür einen Anteil von rund sieben Prozent der Euronext erhalten, Intesa wird mit etwas mehr als einem Prozent beteiligt sein. Die Euronext will zur Finanzierung der Übernahme neue Aktien für 2,4 Milliarden Euro ausgeben.

Die Euronext betreibt die Börsen in Amsterdam, Brüssel, Dublin, Lissabon und Paris. Nun kommt also ein sechster Handelsplatz dazu. Mit ihrer Offerte hat sie die Deutsche Börse und die Schweizer Börse SIX ausgestochen.

LSE muss verkaufen

Mit der Transaktion will die LSE die Zustimmung der europäischen Wettbewerbshüter zu der 27 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Datenanbieters Refinitiv sichern. Refinitiv ist eine Gemeinschaftsfirma des amerikanischen Finanzinvestors Blackstone und dem Datenanbieter Thomson Reuters, zu dem die Nachrichtenagentur Reuters gehört.

Deutsche Börse wäre gerne größer

Die Deutsche Börse ist einmal mehr mit ihrer Strategie gescheitert, durch Fusionen oder Übernahmen zu wachsen. Gescheiterte Transaktionen dieser Art haben eine lange Tradition bei dem deutschen Börsenbetreiber. So scheiterten in den vergangenen 20 Jahren gleich mehrere Anläufe, sich mit der LSE bzw. Euronext zusammenzuschließen.

ME/dpa/rtr