Frauen und Männer im Gespräch

Platz zwei beim Investitionsvolumen Deutsche Startups hängen Konkurrenten in Europa ab

Stand: 04.10.2018, 16:07 Uhr

Junge Wachstumsfirmen in Deutschland haben deutlich mehr Geld von Kapitalgebern bekommen und die Konkurrenz in Europa beim Investitionsvolumen hinter sich gelassen. Gründerland Nummer eins bleibt jedoch weiterhin Großbritannien. Die Börsen buhlen derweil um die Gunst der Startups.

Europas Startups verzeichnen Rekordzahlen. Die Mittelzuflüsse stiegen im ersten Halbjahr 2018 um 27 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Finanzierungsrunden wuchs um 19 Prozent auf knapp 2.000. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Beratungsgesellschaft EY.

Im europäischen Ranking liegt Deutschland demnach mit einem Deal-Volumen von 2,4 Milliarden Euro, einem Zuwachs von 13 Prozent gegenüber des Vorjahreszeitraums, auf dem zweiten Rang hinter Großbritannien. Die britischen Jungunternehmen erhielten insgesamt 3,1 Milliarden Euro - trotz des anstehenden Brexits. Auf Platz drei folgt Frankreich mit knapp 2,0 Milliarden Euro, dahinter Schweden und die Schweiz. Bei den Finanzierungsrunden liegt Frankreich jedoch vor Deutschland.

Investitionen in europäische Startups

Investitionen in europäische Startups. | Bildquelle: EY, Grafik: boerse.ARD.de

Gebrauchtwagenhändler AUTO1 aus Berlin an der Spitze

Hotspots der Startup-Szene bleiben London, Berlin und Paris. Rund 31 Prozent der Finanzierungsrunden wurden in den drei Städten verzeichnet. Auch beim Investitionsvolumen liegen die Metropolen vorne. Berlin belegt den zweiten, München den sechsten Rang. Am meisten Geld im ersten Halbjahr, 460 Millionen Euro, bekam das deutsche Unternehmen AUTO1, Europas größter Gebrauchtwagenhändler in Berlin.

Kampf um junge Technologie-Unternehmen

Sowohl die Deutsche Börse als auch die europäische Mehrländerbörse Euronext bieten Coaching-Programme an, in denen Geschäftsführer und Vorstände von Startups auf den Gang an die Börsen vorbereitet werden sollen. Damit versuchen die Finanzunternehmen, die jungen Firmen an sich zu locken.

Das kürzlich gestartete neunmonatige Ausbildungsprogramm TechShare von Euronext wird erstmals auch außerhalb der Euronext-Heimatländer Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Portugal angeboten: Unternehmen aus Deutschland, Spanien, Italien und der Schweiz können ebenfalls mitmachen. So konkurriert Euronext auch mit der Deutschen Börse im Kampf um Startups - 23 der insgesamt 135 Teilnehmer kommen aus Deutschland.

Bereit fürs Parkett

In abendlichen Workshops und Einzelcoachings des Programms von Euronext machen Investmentbanken, Wirtschaftsprüfer, Anwälte und Kommunikationsagenturen die Geschäftsführer und Vorstände der Unternehmen mit Funktionen und Chancen des Kapitalmarkts vertraut und damit fit fürs Parkett. Außerdem nehmen diese an zwei Veranstaltungen an europäischen Management-Schulen teil. Die meisten der deutschen Startups stammen aus der Biotech- und Medtech-Branche, die übrigen aus den Bereichen Medien, Digital Services, E-Commerce, Healthtech, Insurtech und Elektronik.

"Europa hat eine Vielzahl hoch innovativer Technologieunternehmen, die eine kritische Phase ihres Wachstums erreicht haben. Nach mehreren Finanzierungsrunden suchen sie nun nach einem besseren Zugang zu Kapital. Um ihre Ziele zu erreichen, brauchen sie gezielte Unterstützung und eine Infrastruktur, wie sie ein effizienter paneuropäischer Markt bieten kann", erklärt Stéphane Boujnah, Vorstandsvorsitzender und CEO von Euronext.

Deutsche Börse bemüht sich ebenfalls um Startups

Auch die Deutsche Börse möchte mit ihrem Venture Network Startups für sich gewinnen. Neben verschiedenen Netzwerktreffen, bei denen junge Unternehmen und Investoren zusammengebracht werden, beratenden Investmentmanagern und einer Onlineplattform bietet das Venture Network Fortbildungsprogramme an - für den ersten Finanzierungsschritt bis hin zur Hilfe bei der Vorbereitung auf einen Börsengang.

tb