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Bis zu 400 Millionen Dosen EU bestellt bei AstraZeneca Corona-Impfstoff in großem Stil

Stand: 14.06.2020, 12:14 Uhr

Zusammen mit der renomierten Universität Oxford arbeitet das britische Pharma-Unternehmen an einem Corona-Impfstoff. Den aber wollen alle haben. Die EU wirft jetzt ebenfalls ihren Hut in den Ring.

Und bestellt beim Unternehmen bis zu 400 Millionen Impfdosen des Wirkstoffs, der sich derzeit allerdings noch in der Entwicklung befindet. Genau genommen sind es die großen EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande, wie am Samstag bekannt wurde.

Damit ist jetzt auch Europa in den (Verteilungs)-Kampf um einen Impfstoff gegen Covid-19 eingestiegen. "Viele Länder der Welt haben sich schon Impfstoffe gesichert, Europa noch nicht", unterstrich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Obwohl die Fallzahlen in Europa zurückgehen - wie verheerend das Virus zuschlagen kann, zeigt sich derzeit besonders dramatisch in Brasilien, Russland, aber auch weiterhin in den USA und Großbritannien. Und die europäische Urlaubssaison beginnt jetzt erst, wenn auch mit Einschränkungen. Experten sprechen schon länger von einer zu erwartenden zweiten Welle, ein Szenario, das an der Börse äußerst gefürchtet ist.

Impfallianz - erste Dosen schon in diesem Jahr?

Um gegenzusteuern, hätten sich die vier Staaten zu einer Impfallianz zusammengeschlossen, erklärten das Bundesgesundheitsministerium und der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza. Sie seien mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die an aussichtsreichen Impfstoffen forschten, hieß es im Bundesgesundheitsministerium. Damit Impfstoffe sehr zügig nach einer möglichen Zulassung in diesem oder im nächsten Jahr in großer Zahl verfügbar sind, müssten Produktionskapazitäten schon jetzt vertraglich gesichert werden. Die ersten Dosen sollen bis Ende des Jahres erhältlich sein, kündigte Speranza auf Facebook an.

Viel Dampf im Kessel

Weltweit wird in mehreren Projekten fieberhaft an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus geforscht. Die Universität Oxford hatte im Mai mitgeteilt, dass sie in die zweite Phase der Erprobung mit rund 10.000 Probanden einsteige. AstraZeneca wies darauf hin, dass der Erfolg der Impfstoff-Entwicklung nicht gesichert sei.

Zu den Unternehmen, die ebenfalls an einem Impfstoff forschen gehört unter anderem die Mainzer Firma Biontech, die in Deutschland derzeit eine klinische Studie durchführt und mit dem US-Riesen Pfizer zusammenarbeitet. AstraZeneca selbst lotet derzeit eine Zusammenarbeit mit dem US-Biotech-Unternehmen Gilead aus - die Branche, zu dem unter anderem auch das US-Unternehmen Moderna gehört, ist jedenfalls in Bewegung wie noch nie, auch weil Geld derzeit kein Rolle zu spielen scheint. US-Präsident Trump jedenfalls gibt sich entschlossen und hat seine Lieferanten bereits ausgewählt.

Milliarden von Dosen sollen produziert werden

"Das Abkommen stellt sicher, dass Hunderte Millionen von Europäern Zugang zu dem Impfstoff der Universität Oxford haben, wenn er zugelassen wird", erklärte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot. Man werde rasch eine Produktion in Europa aufbauen.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits ähnliche Abkommen mit Großbritannien, den USA und der internationalen Impfallianz Gavi geschlossen (Gavi, gegründet von der Bill und Melinda Gates-Stiftung mit Sitz in der Schweiz, will vor allem für Kinder in Entwicklungsländern den Zugang zu Impfstoffen verbessern).

Mit Indien gebe es einen Lizenzvertrag über die Produktion von einer Milliarde Impfdosen vor allem für Entwicklungs- und Schwellenländer. Derzeit könne man zwei Milliarden Dosen produzieren. Pascal gab zudem bekannt, dass China, Brasilien, Japan und Russland ebenfalls Interesse an einer Vereinbarung zur Versorung mit einem möglichen Impfstoff bekundet hätten.

Astra-Aktie im Aufwind

Geht es nach der Börsenkapitalisierung gehört AstraZeneca nicht zu den ganz Großen der Branche. 10,8 Milliarden Pfund (9,66 Milliarden Euro) stehen auf der Börsenwaage. Am Freitag kostete die Aktie an der Londoner Börse 8.201 Pence oder 91,63 Euro.

Allerdings zeigt der Blick auf den Mittelfrist-Chart, dass sich die Aktie fasst in V-Formation vom allgemeinen März-Tief bei etwas über 6.200 Pence erholt hat und im Hoch bis auf 8.600 Pence angezogen war. Aktuell konsolidiert das Papier mit dem Gesamtmarkt. Etwas über 71 Prozent sind im Streubesitz, der Rest liegt bei institutionellen Investoren.

rtr/rm