Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

"Anleger müssen sich warm anziehen!" Es wird stürmischer an den Börsen

Stand: 06.10.2019, 11:21 Uhr

Neuer Börsenmonat, neue Sorgen: Überraschend schlechte Konjunkturdaten haben Anleger zum Oktober-Beginn kalt erwischt. Die Börsen sackten kräftig ab. Auch die kommende Woche bietet einigen Zündstoff. Entschärfen die USA und China ihren Handelsstreit?

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Herbst ist da: Die Blätter fallen - und auch die Aktienkurse. In der abgelaufenen verkürzten Börsenwoche büßte der Dax gut drei Prozent ein und gab fast komplett seine Gewinne aus dem September wieder ab. Auslöser war der US-Einkaufsmanager-Index für die Industrie, der auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise fiel. Die neu angefachten Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung oder gar Rezession rissen den deutschen Leitindex zeitweise unter die Marke von 12.000 Punkten.

Es gibt immer mehr Anzeichen, dass der Zollstreit zwischen USA und China die Weltwirtschaft ausbremst. Je länger der Konflikt andauert, desto nervöser geht es an den Börsen zu.

Kommen sich China und die USA näher?

Turbulenzen an der Frankfurter Börse
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Oktober beginnt turbulent

Nun naht Hoffnung auf eine Entspannung oder gar Lösung im Handelsstreit. Am Donnerstag werden erstmals nach mehreren Wochen die Handelsgespräche zwischen Washington und Peking wieder aufgenommen. Eine Teileinigung bis spätestens Dezember sei ziemlich wahrscheinlich, sagt NordLB-Analyst Tobias Basse. "Die ökonomischen Notwendigkeiten und der politische Druck auf Donald Trump sprechen für positive Resultate." Da vor allem bei Fragen des Umgangs mit Urheberrechten in China noch komplizierte Details zu klären seien, dürfte eine endgültige Einigung jedoch noch etwas auf sich warten lassen.

"Letztendlich hängt alles von den Handelsgesprächen zwischen den USA und China ab, um die Stimmung zu verbessern", schreiben die Volkswirte der Unicredit in einem Kommentar. Kommt es zu ersten Annäherungssignalen, dürfte es an den Börsen wieder aufwärtsgehen. Scheitern dagegen die Gespräche und macht US-Präsident Donald Trump seine Drohung mit Strafzöllen auf Auto-Importe wahr, könne dies global zu Kurseinbrüchen von 15 bis 20 Prozent führen, warnt Mark Haefele, Global Chief Investment Officer bei der UBS.

"Schaukelkurs wird sich fortsetzen"

"Anleger sollten sich warm anziehen", meint Aktienstratege Robert Greil von Merck Finck. Die Ereignisdichte im Oktober biete Nährboden für stärkere Kurssschwankungen. "Anleger werden vermutlich nur dann bereit sein, Aktienpositionen aufzubauen, wenn zumindest die Aussicht auf eine Stabilisierung des Wachstums besteht", sagt Helaba-Experte Markus Reinwand. "Es ist daher zu erwarten, dass sich der Schaukelkurs an den Börsen in den kommenden Wochen fortsetzen wird."

Besonders skeptisch ist Max Otte, der einst den Crash 2008/09 vorhersagte. "Die Boomphase der deutschen Wirtschaft scheint ihr Ende erreicht zu haben, eine im Vergleich zu 2008 sehr viel tiefere Krise kündigt sich an", erklärte er am Freitag in seinem Newsletter. Angesichts der eingetrübten Stimmungsindizes und der zunehmenden Rezessionsängste setzt Otte vermehrt auf Cash. Die Quote liege aktuell bei 28 Prozent.

Dritte Zinssenkung der Fed wird wahrscheinlicher

Doch da sind ja noch die Notenbanken, die Feuerwehr spielen. Dementsprechend kochten nach den jüngsten erschreckend schwachen US-Konjunkturdaten wieder Zinssenkungsfantasien hoch. Ein Zinsschritt der Fed auf der kommenden Sitzung Ende Oktober wird laut BayernLB immer wahrscheinlicher.

Mögliche Signale dafür könnte das Fed-Protokoll liefern, das am Mittwochabend veröffentlicht wird. Die internen Diskussionen dürften Hinweise darauf geben, ob es nach zwei Zinssenkungen in diesem Jahr vielleicht noch eine dritte geben wird. "Sollten die nächsten Daten nicht stark ausfallen, ist eine US-Zinssenkung auf der Sitzung Ende Oktober sehr wahrscheinlich", glaubt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Am Donnerstag stehen die US-Inflationsdaten an, einen Tag später folgt das US-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan.

Bange Blicke auf die deutschen Konjunkturdaten

Gespannt blicken Anleger und Ökonomen auch auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Am Montag werden die Daten zu den Industrieaufträgen für August veröffentlicht. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Minus von 0,4 Prozent. Am Dienstag kommen die Daten zur Industrieproduktion, am Donnerstag stehen die Exportdaten an.

Auch den Handelskonflikt mit der EU müssen Investoren im Blick behalten, nachdem Trump neue Zölle angekündigt hat. Die USA dürfen nach einem Beschluss der Welthandelsorganisation (WTO) im Streit über Subventionen für Airbus EU-Importe im Wert von 7,5 Milliarden Dollar mit Zöllen belegen. Die USA und Europa streiten seit 15 Jahren über milliardenschwere staatliche Hilfen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing, die die WTO jeweils für unzulässig erklärt hat.

Der Brexit-Countdown läuft

Im Hinterkopf müssen Anleger auch den nahenden Brexit behalten, denn in Großbritannien läuft die Zeit für einen geregelten Austritt aus der Europäischen Union allmählich ab. In zwei Wochen steht ein EU-Gipfel an, auf dem über das Thema gesprochen werden soll. Hauptstreitpunkt ist die Grenze auf der irischen Insel - die EU will eine harte Grenze um jeden Preis verhindern, um ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts zu verhindern. Sollte es bis zum Gipfel keine Einigkeit geben, ist Johnson durch ein Gesetz dazu verpflichtet, eine Fristverlängerung zu beantragen, um einen ungeregelten Brexit zu vermeiden. Immerhin scheint Johnson jetzt doch bereit, den für den 31. Oktober vorgesehenen Brexit-Termin notfalls zu verschieben.

Auf Seite der Unternehmen könnte es am Dienstag Neuigkeiten von Wirecard im Rahmen eines Kapitalmarkttags geben. Detaillierte Geschäftszahlen zum zweiten Quartal will am Mittwoch die Südzucker-Tochter Cropenergies vorlegen. Am Donnerstag ist dann die Mutter selbst mit ihren Halbjahreszahlen an der Reihe. Gleichzeitig präsentiert dann auch der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer seine Ergebnisse im dritten Geschäftsquartal. Zum Ende der Woche wird die Lufthansa ihre Verkehrszahlen vom September vorlegen.

nb