Wirecard Kreditkarten

Keine Kreditkartenzahlungen mehr? Es kommt noch dicker für Wirecard

Stand: 27.06.2020, 17:43 Uhr

Jetzt geht es bei Wirecard Schlag auf Schlag. Während immer mehr Kunden wie die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Skandal-Unternehmen überdenken, rutscht die Aktie Richtung Pennystock. Und wo ist eigentlich Ex-Vorstand Marsalek?

Kein Wunder also, dass die Aktie keinen Boden findet. Am Freitag sackte sie in der Spitze bis auf 1,08 Euro ab, das tiefste Niveau seit 17 Jahren. Aus dem Handel ging sie schließlich fast 64 Prozent niedriger bei 1,28 Euro. Damit ist der Weg zum Pennystock nicht mehr weit.

Denn die Flut an schlechten Nachrichten reißt erwartungsgemäß nicht ab. Visa und Mastercard erwägen, Wirecard die Möglichkeit zu entziehen, Zahlungen über ihre Netzwerke zu leiten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen schrieb. Einige Wirecard-Kunden seien bereits kontaktiert worden, um sie auf diese Möglichkeit vorzubereiten.

Umfassender Betrug

Wirecard hatte am Donnerstag wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag eingereicht. Bei den Aschheimern geht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die den Jahresabschluss 2019 prüfte, von schwerer Kriminalität in quasi weltumspannendem Maßstab aus: "Es gibt deutliche Hinweise, dass es sich um einen umfassenden Betrug handelt, an dem mehrere Parteien rund um die Welt und in verschiedenen Institutionen mit gezielter Täuschungsabsicht beteiligt waren", erklärte EY.

Markus Gürne
Video

Jetzt geht's den Kontrolleuren an den Kragen!

EY ist selbst in das Visier der Kritik geraten, da sich viele Beobachter die Frage stellen, warum die Fachleute der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Manipulationen nicht früher entdeckt haben. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger stellte Strafanzeige gegen einige amtierende und auch ehemalige Abschlussprüfer.

Zudem schaltete die EU-Kommission die europäische Finanzaufsicht ESMA ein, um mögliche Versäumnisse der Aufsichtsbehörden zu prüfen. Bis 15. Juli soll ein vorläufiger Untersuchungsbericht vorliegen. Das deutsche Bundesfinanzministerium hat wegen der causa Wirecard bereits die Kompetenzen der hier verantwortlichen Finanzaufsicht Bafin auf den Prüfstand gestellt

Wo ist Marsalek?

Unentdeckt bleibt derzeit auch eine Schlüsselfigur im Wirecard-Milliardenskandal. Der frühere Vorstand Jan Marsalek hält sich möglicherweise in China auf. Nach den Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde reiste er am Dienstag in das südostasiatische Land ein und am Mittwoch über den Flughafen Cebu weiter nach China. Allerdings zeigten die Videoaufzeichnungen des Flughafens nicht, dass Marsalek das Land verlassen habe, sagte Justizminister Menardo Guevarra am Donnerstag dem Fernsehsender CNN Philippines.

Der Manager war im Wirecard-Vorstand für das operative Tagesgeschäft zuständig und am vergangenen Montag fristlos entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bereits seit Wochen gegen Marsalek, Ex-Vorstandschef Markus Braun und zwei weitere noch amtierende Vorstände wegen des Verdachts der Falschinformation von Anlegern.

Jan Marsalek

Dringend gesucht: Jan Marsalek. | Bildquelle: Wirecard

Tschüss, Stoxx 600!

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
0,60
Differenz relativ
-5,36%

Wegen des Insolvenzantrags werden die Wirecard-Aktien in der kommenden Woche aus dem Stoxx Europe 600 entfernt. Von Dienstag, 30. Juni an werden sie nicht mehr im Index der 600 größten börsennotierten europäischen Unternehmen zu finden sein, teilte die Index-Tochter Stoxx Ltd. der Deutschen Börse mit. Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden. Dort muss dann entsprechend umgestellt werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann.

Eine unmittelbare Herausnahme aus dem Dax ist offenbar nicht geplant. Es ist das erste Mal, dass ein insolventes Unternehmen in der ersten deutschen "Börsenliga" enthalten ist.

nb/ ME/dpa