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Gerichtsurteil in Philadelphia Erste Xarelto-Niederlage für Bayer

Stand: 06.12.2017, 09:08 Uhr

Harter Schlag für Bayer: Erstmals hat der Pharmakonzern einen Prozess in den USA wegen Nebenwirkungen von Xarelto verloren. Der Gerinnungshemmer ist das mit Abstand wichtigste Medikament von Bayer.

Die Jury eines Gerichts in Philadelphia gab einer Frau recht, die gegen Bayer geklagt hatte. Sie soll fast 28 Millionen Dollar Schadensersatz erhalten. Bayer will gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen. Der Konzern sei vom positiven Nutzen-Risiko-Profil des Gerinnungshemmers überzeugt, betonte ein Sprecher.

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Das Urteil könnte anderen Klägern nun Auftrieb geben. Insgesamt werden 18.000 Klagen erwartet. Mehrere Patienten werfen dem Medikament schwere Nebenwirkungen vor. Xarelto wird für Blutungen bis hin zu Todesfällen verantwortlich gemacht.

"Neues Damoklesschwert" über Bayer

Es droht ein langwieriger Rechtsstreit. Ein Händler sprach von einem "neuen Damoklesschwert", das über Bayer schwebe. Die bisherigen Xarelto-Prozesse hatte Bayer gewonnen.

Vorbörslich stehen die Aktien von Bayer unter Druck. Sie verlieren auf Tradegate 2,8 Prozent. Auf Ein-Jahres-Sicht haben die Dax-Titel rund 22 Prozent gewonnen.

Wichtigster Umsatzbringer im Pharmageschäft

Xarelto ist der wichtigste Blockbuster für Bayer. Im vergangenen Jahr wurden mit dem Blutverdünnungsmittel, das vorbeugend gegen Schlaganfall und Herzinfarkt eingesetzt wird, gut 2,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das war fast ein Fünftel der Erlöse in der Pharmasparte.

Neue Zulassungen für Xarelto in weiteren Behandlungsfeldern sollen für zusätzliche Erlöse sorgen. Bayer stellt einen Spitzenumsatz von fünf Milliarden Euro in Aussicht. Kürzlich wurde mit das Mittel zum Einsatz gegen die koronare Herzkrankheit zugelassen. Dieses Therapiefeld könnte dem Blockbuster in den nächsten Jahren 30 Millionen potenzielle neue Kunden und damit mehrere Milliarden Euro an zusätzlichem Umsatz bringen. Laut Experten-Schätzungen hat Xarelto das Potenzial, bis zum Jahr 2022 zu den sechs umsatzstärksten Medikamenten der Welt aufsteigen. Derzeit liegt es auf Platz zwölf. 2024 läuft der Patentschutz für den Blutgerinnungshemmer ab.

Schon heute zählt das Medikament zu den drei erfolgreichsten Arzneimitteln, die deutsche Pharmaunternehmen auf den Markt gebracht haben - neben dem von BASF entwickelten Rheumamittel Humira, das heute dem US-Konzern Abbvie gehört, und dem von Hoechst entwickelten Diabetesmittel Lantus, das heute von Sanofi vertrieben wird.

nb