Tesla-Gigafactory in Shanghai

Beginn der China-Offensive Tesla liefert erste Fahrzeuge aus China aus

Stand: 30.12.2019, 07:52 Uhr

Tesla startet seinen Vorstoß auf dem weltgrößten Markt für Elektroautos: Nur knapp ein Jahr nach Baubeginn in China hat der US-Elektroautobauer die ersten Wagen aus seinem neuen Werk in Shanghai ausgeliefert. Und auch die Planung der Gigafactory in Deutschland kommt voran.

Bei einer Zeremonie am Montag wurden 15 lokal hergestellte E-Autos vom Typ Model 3 an Mitarbeiter von Tesla übergeben. Das Werk in Shanghai, das damit im Rekordtempo errichtet wurde, soll am Ende eine Kapazität von jährlich 500.000 Autos haben, auch wenn anfänglich deutlich weniger produziert werden dürfte. Der Bau der ersten Tesla-Produktion außerhalb der USA begann im Januar. Mit der Fertigung startete der E-Auto-Pionier im Oktober.

Die Gigafactory ist das erste vollständig in ausländischem Besitz befindende Werk eines Autoherstellers in China. Andere Autobauer nutzen Partnerschaften mit chinesischen Firmen. Tesla profitiert beim Verkauf des Model 3 in China zudem künftig von einer Befreiung von der Kaufsteuer in Höhe von zehn Prozent. Vor Subventionen sollen die E-Autos umgerechnet 45.000 Euro kosten.

Auch beim Bau hatte die Regierung in Peking Tesla finanziell unterstützt. So sollen nach Informationen des "Handelsblatts" Staatsunternehmen den Amerikanern einen Kredit über 11,25 Milliarden Yuan (1,44 Milliarden Euro) mit vergleichsweise geringen Zinsen gewährt haben.

Größter Markt für Elektroautos auf der Welt

Tesla hatte schon länger den Bau einer eigenen Fabrik in China geplant, um auf diese Weise den Einfuhrzöllen für US-Fahrzeuge, die im Zuge des Handelsstreits verhängt wurden, zu entgehen. Ohne eine lokale Produktionsstätte war der Konzern außerdem zu stark abhängig von Transportkosten - und musste seine Modelle zu überhöhten Preisen verkaufen.

Darüber hinaus will das Unternehmen sich auf dem chinesischen Markt besser positionieren. Immerhin ist das Land die Nummer Eins in Sachen E-Autos. Allein 2018 wurden dort 700.000 rein elektrisch betriebene Wagen verkauft. Bis 2020 wird der Absatz nach Schätzungen der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) auf 1,4 Millionen Stück in die Höhe schnellen.

Und das nicht ohne Grund: Seit Anfang des Jahres muss jedes zehnte in China produzierte Auto ein Elektroauto sein. Besonderer Kaufanreiz ist zudem die bevorzugte Zulassung von E-Autos in großen Städten. Nummernschilder für Benziner werden derweil verlost oder müssen teuer ersteigert werden. Die Käufer müssen oft jahrelang warten, während Elektrofahrzeuge eher zugelassen werden.

Zuletzt geriet die Entwicklung jedoch ein wenig ins Stocken. Im November sanken die Verkaufszahlen laut des Branchenverbands PCA (China Passenger Car Association) zum 17. Mal in den vergangenen 18 Monaten - und zwar um satte 45,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aktie auf neuem Höchstand

Trotzdem glauben die Anleger an die Strategie von Tesla-Chef Elon Musk. So erklomm die Aktie in der vergangenen Woche an der Nasdaq einen neuen Rekordstand von über 430 Dollar.

Denn auch in Europa kommen die Pläne des Autobauers voran. Jüngst einigten sich Tesla und das Land Brandenburg auf einen Grundstückverkauf für die geplante Fabrik. Im Januar soll schließlich der Vertrag im Landtag beraten werden. Bei positiven Ergebnissen steht auch der Expansion nach Deutschland und damit der ersten europäischen Gigafactory Teslas nicht mehr viel im Weg.

In Grünheide (Kreis Oder-Spree) bei Berlin soll von 2021 an das Kompakt-SUV Model Y herstellt werden. Der Baubeginn für die Fabrik auf einer 300 Hektar großen Fläche soll im ersten Halbjahr 2020 sein.

tb