American Society of Clinical Oncology - Symbolbild

Krebs-Kongress Asco Erste Erfolgsmeldungen aus Chicago

Stand: 02.06.2019, 16:28 Uhr

Wenn sich Tausende Onkologen zum weltgrößten Krebskongress in Chicago treffen, schauen auch Analysten und Investoren hin. Die dort vorgestellten Studien können Kurse bewegen. Zum Auftakt meldeten zwei Pharmariesen Fortschritte.

Lungenkrebs-Patienten können hoffen: Der schweizerische Pharmakonzern Roche hat am Sonntag für sein Medikament Tecentriq vielversprechende Daten vorgelegt. Die Kombination von Tecentriq und Avastin mit einer Chemotherapie zur Behandlung eines spezifischen Lungenkrebs bei Patienten mit Leber-Metastasen habe mehr Wirksamkeit gezeigt als eine Kombination aus Avastin und Chemotherapie.

Roche-Mittel kann Lungenkrebs-Patienten helfen

Das Sterberisiko sei durch die Therapie fast um die Hälfte zurückgegangen und rund 60 Prozent hätten auf die Behandlung angesprochen, teilte Roche am Sonntag mit. Eine Anfangsbehandlung mit Tecentriq, Avastin und Chemotherapie sei damit eine wichtige neue Option für Patienten mit Lebermetastasen, einer Patientengruppe mit schlechten Überlebenschancen. Die Daten aus der Phase III-Studie IMpower150 wurden auf der Fachkonferenz der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt.

Jedes Jahr sterben weltweit rund 1,8 Millionen Menschen an Lungenkrebs. Die Krankheit ist für mehr als 18 Prozent aller Krebstoten verantwortlich, schreibt die Tageszeitung "Die Welt". Für die meisten Betroffenen ist Lungenkrebs noch immer ein Todesurteil. Die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt in Europa bei nur 13 Prozent. Unter Männern ist Lungenkrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebsart.

Novartis meldet Fortschritte bei Brustkrebs-Mittel

Mit Brustkrebs beschäftigt sich der schweizerische Pharma-Rivale Novartis. Im Rahmen des Asco-Kongresses legte Novartis neue Daten zum Krebsmittel Kisqali vor. Demnach lag die Überlebensrate bei Frauen mit einer bestimmten Form von Brustkrebs, die eine Kisqali-Kombinationstherapie erhielten, bei gut 70 Prozent, teilte der Pharmakonzern am Wochenende mit.

Den Angaben zufolge ist Kisqali der einzige CDK4/6-Inhibitor, der ein überlegenes Gesamtüberleben bei fortgeschrittenem Brustkrebs zeigt. In der Studie wurde Kisqali als Erstbehandlung mit einer Antihormontherapie (endokrine Therapie) kombiniert. Die Wirksamkeit wurde mit einer reinen Antihormontherapie verglichen. Behandelt wurden prä- und perimenopausale Frauen, die an fortgeschrittenem oder metastasierendem HR+/HER2- Brustkrebs leiden.

Wie John Tsai, Global Head of Novartis Drug Development and Chief Medical Officer, in einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte , gilt der Gesamtüberlebensvorteil als der "Goldstandard" in Krebsstudien. Gerade bei metastasierendem Brustkrebs mit HR+/HER2 sei er aber schwierig zu erreichen. Laut Tsai gehört fortgeschrittener Brustkrebs bei prämenopausalen Frauen zu den häufigsten Ursache für Krebstod bei Frauen im Alter von 20-59 Jahren. Kisqali ist bereits in mehr als 75 Ländern zur Behandlung von Frauen in verschiedenen Stadien der Menopause zugelassen, die an fortgeschrittenem oder metastasierendem HR+/HER2- Brustkrebs leiden.

Der wichtigste Krebskongress der Welt

Auf dem mehrtägigen Asco-Kongress, der bis 4. Juni dauert, werden mehr als 2.400 Kurzpräsentationen gemacht. Hinzu kommen über 3.000 Studien, die online veröffentlicht werden. Mehr als 32.000 Onkologen werden in Chicago erwartet. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stehen in diesem Jahr vor allem neue Entwicklungen bei Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs sowie Krebs bei Kindern im Fokus.

Für die Pharmakonzerne ist der Kampf gegen Krebs längst zum Milliardengeschäft geworden. Gut ein Drittel der Umsätze der 22 größten Pharmakonzerne der Welt (knapp 157 Milliarden Euro) kommen inzwischen aus Krebs- und Immuntherapien, hat die Unternehmensberatung EY herausgefunden. Die Analysefirma Evaluate Pharma schätzt, das sich der weltweite Umsatz mit Krebsmedikamenten bis 2024 auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar verdoppeln wird. Die Pharmariesen arbeiten momentan an 2.400 potenziellen neuen Medikamenten gegen Krebs. Neben Roche und Novartis setzen vor allem Bristol-Myers Squibb und Merck & Co. große Hoffnungen in neue Antikrebs-Mittel.

Dabei gewinnt die personalisierte Krebstherapie immer mehr an Bedeutung. Hier mischen auch zahlreiche Biotech-Firmen mit. Studien, die auf dem Asco-Kongress präsentiert werden, könnten gerade den Biotech-Aktien Auftrieb geben.

nb

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