Matthias Müller mit kritischem Blick
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Fusionsgerüchte mit FiatChrysler Erliegt VW doch dem Charme der Italiener?

Stand: 08.09.2017, 08:57 Uhr

Der Wolfsburger Autobauer geht endlich den geplanten Umbau am, um die Folgen des Abgasskandals abzuschütteln. Ein neues Team soll Bereiche abstoßen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Selbst Fusionen scheinen nicht mehr ganz abwegig.

Seit Monaten halte sich Gerüchte über einen möglichen Zusammenschluss von VW und FiatChrysler. Zwar sei General Motors der Wunschpartner, aber VW wäre eine Alternative, meinte Fiat-Boss Sergio Marchionne Anfang des Jahres. "Ich habe keinen Zweifel, dass sie zur rechten Zeit auftauchen und darüber einen Schwatz halten werden", sagte er. Auf dem Genfer Autosalon wies VW-Chef Matthias Müller den Annäherungsversuch des Italieners wirsch zurück. Er habe Marchionne seit Monaten weder getroffen noch gesprochen, sagte Müller. "Ich bin für nichts gesprächsbereit, ich kümmere mich um VW, ich kümmere mich doch nicht um Fiat", ergänzte er. VW habe andere Sorgen zurzeit als Übernahmen.

Reine "Spekulation"

Sergio Marchionne, CEO, Fiat

Sergio Marchionne. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Nun hört er sich plötzlich deutlich gesprächsbereiter an. In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" bezeichnete Müller Gerüchte über eine Fusion mit dem italienisch-amerikanischen Autobauer lediglich als "Spekulation". Der Konzern führe zwar routinemäßig Verhandlungen mit vielen Rivalen. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass Volkswagen bald an einem Zusammenschluss mit einem anderen Massenhersteller beteiligt sein werde. Ein hartes Dementi hört sich anders an.

VW will Ballast abwerfen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gleichzeitig forciert Müller die Restrukturierung des Konzerns, um ihn unabhängiger vom Diesel und fit für die elektromobile Zukunft zu machen. Ein neues Team arbeite an dem Verkauf von Bereichen, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählten, sagte Müller dem "Wall Street Journal", Diese Bereiche stünden für ein Fünftel der derzeitigen Jahresumsätze. VW sei offen für Gespräche. Um welche Bereiche es geht, sagte Müller nicht.

VW hatte vor kurzem angeblich den 1,5 Milliarden Euro schweren Verkauf der Motorradtochter Ducati auf Eis gelegt. Gründe seien Widerstand des deutschen Betriebsrats und interne Unstimmigkeiten über die Strategie, sagten Insider. Für Ducati gibt es zahlreiche Interessenten, darunter die italienische Industriellenfamilie Benetton, Harley-Davidson und der indische Konzern Bajaj Auto. Gestern wurde bekannt, dass auch der indische Motorradproduzent Eicher Motors ein Gebot für Ducati in Höhe von 1,8 bis 2,0 Milliarden Dollar abgeben will.

Kein Zeitdruck

Die Liste der Asset-Verkäufe sei nicht zu den Akten gelegt worden, sagte Müller der US-Zeitung. "Aber wir lassen uns von keinem diktieren, welche Entscheidungen wir treffen sollen."

Die Aktien von VW dürften am Freitag etwas tiefer eröffnen. Seit Jahresbeginn sind die Titel um rund sechs Prozent gefallen. Vom Niveau von vor dem Abgasskandal vor fast zwei Jahren sind die Papiere noch rund 23 Prozent entfernt.

Brüssel mahnt rasche Reparaturen an

Die EU-Kommission erhöht derweil in der Diesel-Affäre den Druck auf VW. In einem Brief forderte Brüssel VW-Chef Müller dazu auf, alle betroffenen Diesel-Autos schnell umzurüsten. Nach Aussagen von Verbraucherschutz-Kommissarin Vera Jourova sind in der EU mehr als acht Millionen Autos betroffen. Der Wolfsburger Konzern müsse nun binnen eines Monats antworten.

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, in Diesel-Pkw eine illegale Software eingesetzt zu haben. Diese erkennt, ob ein Wagen auf dem Prüfstand steht - nur dann werden die Abgasgrenzwerte auch eingehalten. Im normalen Verkehr auf der Straße ist der Schadstoffausstoß um ein Vielfaches höher. Weltweit sind davon rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

nb

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