Baumwipfelpfad der Erlebnis Akademie AG in Lipno

Eigenkapitalforum Erlebnis Akademie ohne Höhenangst

von von Till Bücker

Stand: 29.11.2018, 13:22 Uhr

Der Aktienkurs der Erlebnis Akademie ist in diesem Jahr in die Höhe geschossen. Auch abseits der Börse will Finanzvorstand Christoph Blaß mit den Baumwipfelpfaden hoch hinaus. Wie die Attraktionen noch mehr Besucher anlocken sollen, erklärt er auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt.

Bis zu 25 Meter über dem Waldboden und auf einer Länge von 1,3 Kilometern können Naturbegeisterte spazieren gehen und den Ausblick über den Bayrischen Wald genießen. Ein 44 Meter hoher Turm bildet das Zentrum der Anlage und sorgt für Panorama. Die Rede ist vom ersten der insgesamt acht Baumwipfelpfade der Erlebnis Akademie, der seit 2009 geöffnet ist. Das Unternehmen will von Höhenangst nichts wissen und stattdessen lieber weiter wachsen.

Erlebnis Akademie AG-Vorstand Christoph Blaß

Erlebnis Akademie AG-Vorstand Christoph Blaß. | Bildquelle: Erlebnis Akademie AG

Im Raum Oslo des Sheraton-Hotels auf dem Eigenkapitalforum tummeln sich viele Investoren, um den Auftritt des führenden deutschen Anbieters von Freizeit- und Erlebnisbereichen zu verfolgen. Dabei wäre vielleicht ein Raum Laurentides passender, denn Blaß will mit seinem Unternehmen nicht mehr nur nach Europa - auch Baumwipfelpfade in Übersee sind geplant. 2020 soll ein Baumwipfelpfad eben in Laurentides, einem Naherholungsgebiet der kanadischen Stadt Montreal, entstehen, verkündet er.

Aktie schnellt in die Höhe

Die Aktionäre glauben offenbar an die Vision des Konzerns aus der bayrischen Oberpfalz. Allein in diesem Jahr hat sich der Kurs des Papiers bis zum Hoch Anfang Oktober mehr als verdoppelt. Zwar gab der Titel zuletzt wieder etwas an Wert ab. Seit dem Börsengang Ende 2015 und dem Ausgabepreis von 7,50 Euro ist die Erlebnis Akademie-Aktie allerdings um über 170 Prozent gestiegen.

Mehr als 35 Millionen Euro beträgt mittlerweile die Marktkapitalisierung. In dieser Woche ist eine Kapitalerhöhung zu Ende gegangen, 55.550 neue Aktien wurden zu jeweils 18 Euro ausgegeben.

Besucherzahlen stabil, Umsatz bestätigt

Die Pfade werden stets beliebter, die Firma wächst immer weiter in luftige Höhen. Rund 1,7 Millionen Menschen gingen im vergangenen Jahr auf den Baumwipfelpfaden spazieren, 37 Prozent mehr als im Vorjahr. 2018 waren laut des Finanzvorstandes nach den ersten neun Monaten bereits über zwei Millionen auf den Pfaden in Deutschland, Tschechien, in der Slowakei und in Österreich unterwegs.

Dabei sei 2018 eigentlich ein schwieriges Jahr: "Im ersten Halbjahr hatten wir wenig Sonne und viel Regen und im zweiten Halbjahr genau das Gegenteil. Bei der Sommerhitze gehen die Leute lieber ans Meer, da geht bei uns die Nachfrage zurück", erklärt Baß. In Zahlen gilt das besonders für den Baumwipfelpfad im Bayerischen Wald, den allerdings auch in den Jahren zuvor immer weniger Besucher erkundeten.

Dennoch konnte der Konzern seine Umsatzprognose von 14 bis 15 Millionen Euro für das laufende Jahr bestätigen. Die Erlöse in den ersten drei Quartalen kletterten leicht um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging zwar im Vergleich leicht zurück, soll aber auf das Gesamtjahr gesehen mit 1,2 bis 1,5 Millionen Euro bis zu 0,3 Millionen Euro höher ausfallen.

Weitere Pfade und Attraktionen geplant

Bei durchwachsenem Wetter machen die Baumwipfelpfade weniger Spaß. Deshalb will das Unternehmen auch weiter wachsen. "Je weiter wir uns ausbreiten desto weniger sind wir von lokalen Wetterlagen abhängig", sagt einer der drei Gründungsaktionäre. Im kommenden Jahr plant die Erlebnis Akademie die Eröffnung von Baumwipfelpfaden auf Usedom, in Rogla (Slowakei) sowie in Polen.

Baumwipfelpfad im Schwarzwald

Baumwipfelpfad im Schwarzwald. | Bildquelle: Erlebnis Akademie AG

Neben neuen Baumwipfelpfaden will die Akademie auch das gesamte Angebot ausweiten."Aktuell geht das Erlebnis zwei bis drei Stunden. Wir wollen komplette Naturerlebnisparks mit Rutschen und Spielplätzen aufziehen", beschreibt Baß.

Auch Kulturveranstaltungen und schulische Elemente seien Gedankenspiele. Durch Hotels solle das Ganze sogar auf mehrere Tage verteilt werden können. Dafür würden weitere Kooperationspartner wie Krankenkassen gesucht werden.

Platzwahl das Wichtigste

Noch sei die Konkurrenz für die Erlebnis Akademie rar gesät. In Deutschland gebe es nur vier ernsthafte Konkurrenten, sagt Baß. Aber: Jeder mit einem Kapital von wenigen Millionen Euro könne das Geschäftsmodell kopieren. Daher sei es besonders wichtig, die besten und attraktivsten Plätze in Naturparks zu finden und zu sichern.

"Wir stehen dafür, dass wir der Biosphäre helfen und dabei Geld verdienen", betont Baß die nachhaltige Arbeit und den gesellschaftlichen Einfluss. Wer sich daran als Kleinanleger allerdings beteiligten will, hat es schwer. Die in München und Frankfurt notierten rund 1,8 Millionen Papiere des Unternehmens sind nicht liquide. Pro Tag werden nach Angaben des Finanzvorstandes nur etwa 500 Aktien gehandelt.