Nokia Forschungszentrum in Ulm

Anleger enttäuscht Ergebniswarnung lässt Nokia-Aktie abstürzen

Stand: 29.10.2020, 12:40 Uhr

Der Netzwerkausrüster Nokia streicht trotz einer Gewinnsteigerung seine zwischenzeitlich angehobenen Ziele für 2020 wieder zusammen. So schafft man Unsicherheit. Die Anleger reagieren scharf und lassen das Papier abstürzen.

Die Aktie sackte auf das tiefste Niveau seit April: Zeitweise lag das Minus bei rund 18 Prozent, den tiefsten Stand des Tages erreichte sie bei 2,83 Euro. In den Tagen zuvor hatten interessierte Investoren für einen Unternehmensanteil noch rund 3,50 Euro bezahlen müssen. Was missfällt den Investoren?     

Zum einen schätzen Anleger keine Unsicherheit. Die Senkung der zuvor angehobenen Prognose wird die Stimmung der Investoren gedämpft haben. Den Angaben zufolge dürfte der bereinigte Gewinn je Aktie in diesem Jahr statt 25 Cent doch nur 23 Cent erreichen, kündigte der neue Nokia-Chef Pekka Lundmark bei der Vorlage der Quartalszahlen an.

Das Ziel für die bereinigte operative Marge setzte Lundmark wieder von 9,5 auf 9,0 Prozent herab - wie schon vor dem Sommer angepeilt. Für 2021 gab er eine Marge von 7 bis 10 Prozent als neues Ziel aus.

"Robustes Quartal"

Auch die Quartalszahlen selbst werden kritisch gesehen: Zwar steigerte Nokia den Gewinn auf 197 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Das gelang, obwohl der Umsatz um sieben Prozent auf 5,3 Milliarden Euro schrumpfte. Das um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg um zwei Prozent auf 486 Millionen Euro. Was zumindest nicht so übel klingt, sorgt gleichwohl für Unzufriedenheit, weil der Markt im Schnitt mehr erwartet hat.

Das operative Ergebnis habe im dritten Quartal die Prognose leicht verfehlt, schrieb Goldman-Analyst Alexander Duval. Der Ausblick für die operative Marge für das kommende Jahr übertreffe die Konsensschätzungen aber komfortabel.

Die niedrigeren Profitabilitätsziele des Netzwerkausrüsters seien Ausdruck dafür, dass das Management den Fokus auf die Zukunft richte und in diese investiere, schrieb JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande. Immerhin von einem robusten Quartal schrieb UBS-Kollege David Mulholland.

Zukunftsthema 5G

Lundmark will nun alles in die Waagschale werfen, um im hart umkämpften 5G-Rennen nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. "Wir haben entschieden, alles was es braucht zu investieren, um 5G zu gewinnen", sagte der frühere Fortum-Chef und versprach höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Die europäischen Konzerne Nokia und der schwedische Konkurrent Ericsson gelten als Profiteure der Probleme des umstrittenen chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei. Die USA drängen ihre Verbündeten dazu, auf Huawei-Technik beim 5G-Aufbau zu verzichten.

Huawei-Shop in Shenyang, China

Huawei. | Bildquelle: Imago

Um künftig besser aufgestellt zu sein, bildet Nokia nun vier verschiedene Sparten, die sich beispielsweise um Telekomnetze oder Nokia-Technologien kümmern. Ziel sei es, besser und schneller auf Kundenwünsche und veränderte Marktanforderungen eingehen zu können, begründete das Unternehmen die Veränderungen. Zum Jahresende will Lundmark weitere Details bekanntgeben.

ts