EQT-IPO

Schwedischer Finanzinvestor EQT feiert furioses Börsendebüt

Stand: 24.09.2019, 14:20 Uhr

Der Finanzinvestor EQT hat ein glänzendes Debüt auf dem Parkett hingelegt. Die Aktie rauschte am Dienstag in der Spitze um ein Viertel nach oben. Die Schweden sind unter anderem an deutschen Unternehmen beteiligt.

Der Gang an die Börse ist geglückt: Das EQT-Papier legte am ersten Handelstag an der Nasdaq von Stockholm zeitweise um mehr als 25 Prozent zu. EQT hatte seine Aktien mit je 67 Kronen (6,26 Euro) nahe dem oberen Ende der Preisspanne untergebracht. Bereits nach rund 20 Minuten war die Aktie auf 84 Kronen geklettert. Der Konzern ist somit auf einen Schlag mehr als 64 Milliarden Kronen (rund sechs Milliarden Euro) wert.

Das Angebot war etwa zehnmal überzeichnet, teilte EQT mit. Sowohl bei internationalen als auch bei einheimischen Anlegern waren die 190 Millionen Aktien sehr gefragt. Künftig befinden sich gut 21 Prozent im Streubesitz.

Familie Wallenberg bleibt größter Einzelinvestor

Ziel der Transaktion war es, die finanzielle Ausstattung des Fonds zu verbessern. Insgesamt brachte der Börsengang 1,3 Milliarden Euro ein. Von den Gesamterlösen flossen rund 540 Millionen Euro an das Unternehmen selbst, der Rest ging an die Altaktionäre.

Die Investmentfirma der schwedischen Familie Wallenberg, Investor AB, bleibt mit einem Minderheitsanteil von rund 18 Prozent der größte Einzelinvestor. Man habe lediglich "einen begrenzten Teil" seiner Aktien verkauft. Auch für die Manager von EQT könnte sich der Börsengang lohnen. CEO Christian Sinding hält immerhin vier Prozent der Titel (2,4 Milliarden Kronen), Mit-Gründer Conni Jonsson gar 6,5 Prozent (vier Milliarden Kronen).

Im Vorfeld erntete EQT eine Menge Kritik. Anfang des Monats hatte das Unternehmen erklärt, vermutlich nur einen Halbjahresbericht und einen Jahresabschluss veröffentlichen zu wollen. Auf Quartalsberichte wolle man verzichten. "Will man seinen Aktionären die Zahlen nicht jeden dritten Monat vorlegen, sollte man vielleicht nicht an der Börse notiert sein", sagte Joakim Bornold, Analyst bei der Stockholmer Beratungsfirma Söderberg & Partners. Allerdings handelt EQT nach den Regeln. So erlaubt es die Stockholmer Börse, die vierteljährlichen Berichte wegzulassen.

40-Milliarden-Euro schwerer Fonds

Der IPO ist einer der größten Börsengänge einer Beteiligungsgesellschaft in Europa in den vergangenen 25 Jahren. In den letzten Jahren haben zwar mehrere Beteiligungsfirmen den Sprung aufs Parkett gewagt, allerdings vorwiegend in den USA: Blackstone, KKR, Carlyle und Apollo wollten sich damit weniger abhängig von den Anlegern in ihren geschlossenen Fonds machen. In Europa sind die schweizerische Partners Group und die britische 3i an der Börse gelistet.

In den EQT-Fonds stecken rund 40 Milliarden Euro. Zum Stichtag 30. Juni hat der Investor Erlöse von 295 Millionen Euro erzielt und damit einen Gewinn nach Steuern von 109 Millionen Euro eingefahren. EQT gehören Unternehmen mit zusammen 19 Milliarden Euro Umsatz und 110.000 Mitarbeitern.

Asien rückt in den Fokus

Mehr als die Hälfte sind Beteiligungen in Europa, wobei die nordischen Länder mit 33 Prozent dominieren. Der deutschsprachige Raum zählt ebenfalls zu den bevorzugten Regionen, in denen EQT nach Firmen sucht. In Deutschland gehört den Schweden unter anderem eine Minderheitsbeteiligung am weltgrößten Prothesen-Hersteller Ottobock sowie die Mehrheit am Linux-Anbieter Suse. Außerdem ist EQT am Immobilienunternehmen Technologiepark und dem Kfz-Shop kfzteile.de beteiligt.

Wachsen will EQT in Sparten und Regionen, in denen der Investor noch wenig präsent ist. Besonders Asien rücke nun in den Mittelpunkt, wo das Unternehmen rund 16 Prozent seines Portfolios investiert. "Asien bietet große Wachstumschancen und wir wollen unsere Präsenz dort verstärken", sagte Sinding kürzlich.

tb