Sicherheitsbeamter vor der Deutschen Bank an der Wall Street, New York

Kunden, die man lieber nicht gehabt hätte Epstein-Geschäfte: Klage gegen Deutsche Bank

Stand: 17.07.2020, 10:35 Uhr

Der Deutschen Bank droht aufgrund ihrer Geschäfte mit dem wegen Sexualverbrechen verurteilten und inzwischen gestorbenen US-Unternehmer Jeffrey Epstein weiterer rechtlicher Ärger. Anleger, die sich geschädigt fühlen, haben eine Sammelklage eingereicht.

Die Anwaltsfirma Pomerantz hat die Sammelklage im Namen angeblich geschädigter Anleger bei einem Gericht in New Jersey eingereicht. Ziel ist es Wiedergutmachung für Kursverluste zu erstreiten, die angeblich wegen Verstößen gegen US-Wertpapiergesetze entstanden seien.

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Die Investoren seien durch die Geschäfte der Bank mit Epstein geschädigt worden, hieß es in der Klage. Wie hoch die Schadenersatzforderung sein wird, ist offen. Pomerantz wirbt per Pressemitteilung und öffentlicher Kampagne um Investoren, die sich dem potenziellen Sammelverfahren anschließen. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu der Klage äußern.

Sewing: Künftig genau hinschauen und kritisch prüfen

"Es war ein schwerwiegender Fehler, dass wir ihn 2013 als Kunden aufgenommen haben - dazu hätte es nie kommen dürfen", schrieb Konzernchef Christian Sewing vergangene Woche an die Mitarbeiter. Alle müssten dazu beitragen, dass sich so etwas nicht wiederholt. "Schauen Sie deshalb bitte genau hin, prüfen Sie stets kritisch, stellen Sie Fragen und äußern Sie Ihre Bedenken."

Die Klage der Investoren richtet sich neben dem Konzern auch gegen Sewing, Finanzchef James von Moltke und den früheren Vorstandschef John Cryan.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon / dpa

Geschäfte mit Kriminellen

Die New Yorker Finanzaufsicht DFS hatte der Deutschen Bank jüngst eine Strafe von 150 Millionen Dollar wegen erheblicher Regelverstöße aufgebrummt, unter anderem in Zusammenhang mit ihren Geschäftsbeziehungen zu Epstein. Die Behörde beschuldigte das Geldhaus, trotz dessen bekannter krimineller Vorgeschichte Geschäfte mit Epstein gemacht zu haben, statt dubiose Zahlungen zu verhindern.

Nach der Strafe hatte sich das Unternehmen bereits reumütig gezeigt und erklärt: "Es war ein Fehler, Jeffrey Epstein 2013 als Kunden anzunehmen". Die Bank habe daraus gelernt.

"Unentschuldbares Versäumnis"

Der 66-jährige Epstein hatte sich im vergangenen Jahr in Untersuchungshaft das Leben genommen, nachdem er wegen erneuter Vorwürfe des Kindesmissbrauchs festgenommen worden war. Bereits 2008 hatte sich der Hedgefonds-Manager schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben, er erhielt dafür eine 18-monatige Haftstrafe.

"Obwohl die Bank Epsteins schreckliche kriminelle Vergangenheit kannte, hat sie es unentschuldbarerweise versäumt, verdächtige Transaktionen in Millionenhöhe aufzudecken oder zu verhindern", hatte DFS-Chefin Linda Lacewell erklärt. Epstein war von August 2013 bis Dezember 2018 Kunde der Deutschen Bank.

ts