Eon-Chef Johannes Teyssen (l) und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz geben sich die Hände
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"Kreativster Deal der deutschen Industriegeschichte" Eon und RWE besiegeln Energie-Allianz

Stand: 13.03.2018, 16:42 Uhr

Historischer Tag in Essen: Die beiden Erzrivalen RWE und Eon haben am Dienstag ein spektakuläres Tauschgeschäft zur Neuordnung des deutschen Energiemarkts beschlossen. Die Versorger-Riesen wollen sich künftig nicht mehr in die Quere kommen.

Tausche Ökostrom gegen Stromnetz: Das ist der Deal, den Eon-Chef Johannes Teyssen und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz am Dienstagvormittag in einem Saal der Messe Essen besiegelten. Die vor zwei Jahren gegründete RWE-Ökostromtochter Innogy soll zerlegt werden: Eon will das Vertriebs- und Netzgeschäft übernehmen, RWE behält das Ökostromgeschäft von Innogy und bekommt noch die Eon-Sparte der erneuerbaren Energien dazu.

"Transaktion, die nur Gewinner hat!"

Für beide Konzerne sei der Deal eine hervorragende Basis für langfristiges Wachstum, meinte Eon-Chef Teyssen. Wer weltweit mithalten wolle, brauche "künftig eine deutlich größere und internationalere Aufstellung als früher". Und RWE-Boss Schmitz freute sich über eine "Transaktion, die nur Gewinner hat". Um den "kreativsten Gestaltungsdeal der deutschen Industriegeschichte" (Teyssen) zu symbolisieren, tauschten beide Vorstandschefs die Kugelschreiber mit den Logos ihrer Unternehmen aus. Harmonie pur!

Das Tauschgeschäft bringt vor allem Eon erhebliche Einsparungsmöglichkeiten. Der Düsseldorfer Versorger sieht ab 2022 jährlich Synergien von 600 bis 800 Millionen Euro. 5.000 der über 70.000 Jobs bei Eon sollen wegfallen – ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Mehr Synergien bei Eon als bei RWE

Bei RWE soll es keinen Personalabbau geben. RWE-Chef Schmitz erwartet bei der Übernahme der Ökostromgeschäfte von Innogy und von Eon keine großen Einspareffekte. Diese könnten in einer Größenordnung von rund 50 Millionen Euro liegen, sagte der Manager am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Bei der neuen RWE dürften künftig knapp 23.000 Mitarbeiter beschäftigt sein.

Selbst die Gewerkschaften scheinen den Deal positiv zu sehen. Verdi will im Aufsichtsrat angeblich für das Tauschgeschäft stimmen, forderte aber Sicherheit für die Beschäftigten. Die Gewerkschaft IG BCE verlangte den Verzicht von betriebsbedingten Kündigungen.

RWE-Chef frohlockt auf Kursgewinne mit Eon-Beteiligung

Das Tauschgeschäft sieht zusätzlich vor, dass sich RWE mit 17 Prozent an Eon beteiligt. RWE-Chef Schmitz frohlockte verschmitzt: "Sie glauben nicht, was ich mich schon jetzt über die Kurssteigerungen freue. Da leuchten bei mir jetzt schon die Dollar-Zeichen in den Augen", sagte der Rheinländer.

Allerdings wird RWE künftig nicht ein total grünes Unternehmen sein. Die Essener bleiben in der konventionellen Stromerzeugung tätig und betreiben auch künftig Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke. 2016 erzielte RWE rund zwei Milliarden Euro Umsatz mit der konventionellen Stromerzeugung. Was aus den Atomkraftwerken von Eon wird, ist noch unklar.

Milliardengewinne im vergangenen Jahr

Beide Konzerne gehen aus einer Position der Stärke in die Transaktion. Eon und RWE haben 2017 die Milliardenverluste des Vorjahres hinter sich gelassen und wieder Geld verdient. RWE schaffte einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro, Eon verdiente knapp vier Milliarden Euro.

Analysten begrüßten den Innogy-Deal von RWE und Eon. Dank des Deals mit RWE habe Eon die "Gewinnklippe" umschifft, vor die das Unternehmen wohl Anfang 2020er Jahre wohl gefahren wäre, sagte Sam Arie von der UBS. Auch Analyst Erkan Aycicek von der Landesbank Baden-Württemberg bewertete den Schulterschluss zwischen Eon und RWE als "strategisch sinnvoll für beide Seiten". Kartellrechtliche Hürden sieht er nicht, denn wegen seiner Monopolstellung werde das Netzgeschäft ohnehin bereits reguliert.

Eon hängt RWE ab

Die Aktien von Eon setzten ihren gestrigen Höhenflug fort und zogen bis zum Nachmittag um vier Prozent an - ale einziger verbliebener Dax-Gewinner. Die Titel von RWE konnten dagegen ihren gestrigen Kursanstieg nicht anknüpfen. Sie rutschten zwei Prozent ins Minus. Die Aktien von Innogy legten nur leicht zu.

nb