Lkw-Tochter soll an die Börse VW: Entscheidung über Traton-IPO fällt – bald

Stand: 05.03.2019, 07:43 Uhr

Der erste große Börsengang in Deutschland nimmt Gestalt an: VW könnte in den kommenden Wochen den Stapellauf für seine Lkw-Tochter bekanntgeben. Der schwankende Finanzmarkt ist das Restrisiko für das IPO.

Die wackligen Börsen und der Brexit könnten Traton aber noch in die Quere kommen, so Volkswagen-Finanzvorstand Frank Witter gestern, am Vorabend des Genfer Autosalons gegenüber Reuters. Die Entscheidung über den offiziellen Startschuss für die milliardenschwere Emission stehe kurz bevor, so Witter. "Wir werden uns die Ergebnisse der Bewertung durch die Analysten ansehen und in den nächsten Tagen eine Entscheidung treffen." Damit könnte der Börsengang noch vor Ostern stattfinden - und anderen Börsenkandidaten Mut machen, die in den Startlöchern stehen. Traton umfasst die beiden Lkw- und Bus-Hersteller MAN und Scania. Der Börsengang ist denn auch für Frankfurt und Stockholm geplant.

Es geht auch um Glaubwürdigkeit

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
175,82
Differenz relativ
-0,44%

Experten halten das Manöver für wünschenswert. Das Analysehaus Evercore ISI hatte 50 Großanleger befragt, 80 Prozent sprachen sich für einen Börsengang "jetzt" aus, 70 Prozent halten ein schnelles Handeln für wichtiger als den perfekten Preis. "Die Botschaft ist klar: Eine übergroße Mehrheit glaubt, dass es eher früher als später passieren sollte und dass VW nicht vergeblich auf eine mögliche bessere Bewertung warten sollte", so Evercore-Analyst Arndt Ellinghorst. Ein Verzicht auf die Emission würde nach Ansicht von zwei Drittel der befragten Investoren an der Glaubwürdigkeit des VW-Managements kratzen.

Eine formale Hürde für Börsengang hat VW bereits überwunden: Die VW-Nutzfahrzeug-Tochter hält nun genügend MAN-Aktien, um die restlichen Kleinaktionäre zwangsweise abzufinden. Mit der Offerte, die am Montag ausgelaufen war, schraubte die Holding ihren Anteil von 76 auf 90,4 Prozent der Stammaktien. Nach einer Übernahme kann der "Squeeze-Out" eingeleitet werden, wenn der Großaktionär auf mehr als 90 Prozent der Stimmrechte kommt. Die Zustimmung der Hauptversammlung ist dafür nicht mehr nötig.

Elektrobaukasten hat ersten Kunden

Mit der Abspaltung der Nutzfahrzeug-Sparte kann sich VW auch stärker auf den Ausbau seiner Elektromobilitäts-Initiative konzentrieren. Beim Autosalon in Genf konnten die Wolfsburger auch einen ersten Partner zur Nutzung seines Baukastens für Elektromodelle präsentieren: Der Elektrofahrzeughersteller E.Go will Technik von VW nutzen, wie Volkswagen am Montag mitteilte. Dass andere Autohersteller den sogenannten Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) von VW für ihre Autos nutzen können, soll die Kosten für Elektromobilität insgesamt senken. "Der MEB soll als Standard der E-Mobilität etabliert werden", so VW-Konzernchef Herbert Diess in Genf. In der Zukunft will VW mit E.Go ein neues Fahrzeug entwickeln und dafür den Elektrobaukasten nutzen.

Die Kosten für die Entwicklung neuer Technik wie etwa Elektroautos oder für das autonome Fahren sind enorm. Daher versuchen Hersteller, die Kosten zu teilen, indem möglichst viele Fahrzeuge auf einer gemeinsamen Technik basieren. Volkswagen investiert von 2019 bis 2023 rund 30 Milliarden Euro allein in die Elektromobilität, unter anderem für neue Modelle, Antriebe und stärkere Batterien.

AB