Zwei Lufthansa-Maschinen vor Sonnenuntergang

Wohl doch keine Pleite Mögliche Rettung beflügelt Lufthansa-Kurs

Stand: 21.05.2020, 16:12 Uhr

Insolvenz abgewendet? Die Aussicht auf eine milliardenschwere Rettung durch den Bund lässt die Aktien der Lufthansa nach oben schießen. Aber Analysten bleiben kritisch.

Lufthansa-Aktien gewannen am Donnerstag zeitweise mehr als sechs Prozent in einem schwachen Markt. Die Anleger reagieren auf die immer konkreter werdende Aussicht auf ein milliardenschweres Rettungspaket des Bundes. Dabei gehe es um ein Volumen von bis zu neun Milliarden Euro, teilte die Fluggesellschaft mit. Im Zuge der umfangreichen Stabilisierungsmaßnahmen will der Bund mit bis zu 25 Prozent plus eine Aktie bei der Airline einsteigen, das soll größtenteils über eine Kapitalerhöhung erfolgen.

Ohne die staatliche Finanzspritze droht der Lufthansa nach eigener Darstellung die Insolvenz. Zuletzt hatte die Unsicherheit über die Zukunft der Fluggesellschaft den Aktienkurs stark belastet.

Kommt ein Short Squeeze?

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,64
Differenz relativ
+7,49%

Die Bundesregierung habe zwar ihr Bekenntnis bekräftigt, die Airline in der Krise zu stützen, kommentierte Bernstein-Analyst Daniel Roeska. Er monierte jedoch, dass dies erheblich zu Lasten der Aktionäre gehen dürfte. Offen bleibe die Frage, ob die Lufthansa nun einen Kapitalschnitt machen werde, um den Nominalwert der Aktien zu senken.

Ein Händler sagte, ein Kapitalschnitt könnte zu einem deutlichen Short Squeeze bei den Lufthansa-Papieren führen, da jene, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, nun die Positionen glattstellen müssten. Langfristig orientierte Investoren dürften der Aktie eines Unternehmens mit Staatsbeteiligung ohne Perspektiven für die Aktionäre aber fern bleiben.

Grundprobleme bleiben

Goldman Sachs rät weiterhin, die Aktie zu verkaufen. Zwar hingen ihre Schätzungen und die Bewertung letztendlich von den Bedingungen des möglichen Abkommens ab, doch ändere dies nichts an den Grundprobleme der Lufthansa, schrieb Analystin Venetia Baden-Powell. Dabei verwies sie auf die zunehmend schwache Bilanz und das wenig konkurrenzfähige Geschäftsmodell. Beides dürfte sich negativ auf das Wachstum und die Renditeaussichten in den kommenden Jahren auswirken.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Carsten Spohr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zuvor hatte die Ratingagentur die Anleihen der Fluggesellschaft auf Ramschniveau herabgestuft. Die Pandemie gefährde die Kreditqualität europäischer Fluggesellschaften erheblich und stelle die globale Luftfahrtindustrie insgesamt vor große Herausforderungen.