Sergio Marchionne
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Sergio Marchionne abgelöst Ende einer Ära bei FiatChrysler

Stand: 23.07.2018, 16:11 Uhr

Überraschend abrupter Chefwechsel bei FiatChrysler und Ferrari: Der Vorstandsvorsitzende der beiden Autobauer, Sergio Marchionne, muss wegen einer schweren Erkrankung die Führung abgeben. Der erfahrene Automanager wollte eigentlich bis 2019 am Steuer von Fiat Chrysler bleiben. Die Anleger sind schockiert.

Die Aktien von FiatChrysler (FCA) fallen zum Wochenauftakt um bis zu fünf Prozent an der Mailänder Börse. Die Titel von Ferrari brechen um fast sechs Prozent ein. Einzelne Analysten senkten ihre Einstufung und ihr Kursziel für die Aktien von FCA. Der krankheitsbedingte Rückzug von Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne stimme ihn traurig, schrieb die britische Investmentbank Barclays in einer Studie. Marchionne werde dem Autobauer an vielen Fronten fehlen. Die Marktbewertungen dürften sinken.

Komplikationen nach OP

Nach einer Schulteroperation sei es zu unerwarteten Komplikationen bei Marchionne gekommen, teilte Fiat Chrysler (FCA) am Samstag mit. Der 66-Jährige könne seine Arbeit nicht wieder aufnehmen. Auch als Präsident und Vorstandschef der Tochter Ferrari könne Marchionne nicht weiter arbeiten, hieß es in einer Ferrari-Mitteilung. Laut Medienberichten liegt der Auto-Manager schwerkrank in einem Züricher Krankenhaus und ringt mit dem Tod.

Man befinde sich in einer Lage, die noch vor wenigen Stunden undenkbar erschienen sei, erklärte Fiat-Verwaltungsratschef John Elkann am Wochenende. Noch am Freitag hatte FCA einen Bericht dementiert, Elkann habe die Spitzengremien der Unternehmen für Samstag einbestellt, um die Nachfolge Marchionnes zu regeln. Weitere Details zum Gesundheitszustand gab FCA nicht bekannt.

Jeep-Boss wird neuer Fiat-Chef

Die Führung von Fiat Chrysler übernimmt nun Mike Manley, der seit vielen Jahren zum Top-Management des Autobauers gehört und bisher für die Marke Jeep zuständig war. Neuer Präsident von Ferrari wird Fiat-Präsident John Elkann, Angehöriger der Familie Agnelli. Zum Ferrari-Vorstandschef ernannte der Aufsichtsrat Louis C. Camilleri, der zuvor unter anderem beim Tabakmulti Philip Morris tätig war.

Fiat-Chrysler-Chef Mike Manley

Mike Manley. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Analysten gehen davon aus, dass Manley den Kurs von Marchionne weiter verfolgt. Vieles, was Marchionne auf den Weg gebracht habe, sei inzwischen tief verwurzelt, sagte Analyst George Galliers vom Investmentberater Evercore. "Deshalb gehe ich nicht davon aus, dass über Nacht alles verloren geht, was er erreicht hat."

Am Nachmittag wurde bekannt, dass auch Europachef Alfredo Altavilla zurückgetreten sei. Er galt als enger Vertrauter von Marchionne. Altavilla hatte neben dem bisherigen Jeep-Chef Manley und Finanzvorstand Richard Palmer als ein möglicher Nachfolger für Marchionne gegolten, der eigentlich erst im nächsten Jahr abtreten sollte.

Marchionne rettete Fiat vor der Pleite

Der 66-jährige Marchionne sollte eigentlich erst im April kommenden Jahres das Zepter an einen internen Nachfolger übergeben. Er saß bei Fiat seit 2004 am Steuer. Sein Ruf in der Branche ist legendär. "Er hat bei Fiat wahre Wunder vollbracht", sagen Insider. Marchionne, der oft im dunklen Pullover auftrat und von Anzügen wenig hielt, rückte vor 14 Jahren an die Spitze von Fiat und rettete die italienische Marke damals vor dem Aus. Fünf Jahre später übernahm er die insolvente US-Marke Chrysler und machte sie später zu einer Ertragsstütze für den Konzern.

In den vergangenen Jahren hatte Marchionne mehrfach versucht, den Konzern mit einem größeren Konkurrenten zu verbünden. Sein Werben wurde jedoch weder von Volkswagen noch von General Motors, Toyota oder Ford erhört. Deshalb soll der Konzern nun aus eigener Kraft überleben. Fiat Chrysler baute das Modellangebot um und verkauft mehr Geländewagen, die mehr Geld bringen. Zudem verordnete Marchionne Fiat Chrysler erst Anfang Juni eine neue Strategie. Der Autobauer soll stärker auf Elektroautos und autonomes Fahren setzen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

nb

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