ElringKlinger-Brennstoffzelle

Kooperation mit französischem Konkurrenten ElringKlinger setzt noch stärker auf die Brennstoffzelle

Stand: 29.10.2020, 11:34 Uhr

Der schwer unter Druck geratene Autozulieferer ElringKlinger setzt nun auf den Ausbau seines Brennstoffzellengeschäfts - und verbündet sich damit mit dem französischen Konkurrenten Plastic Omnium.

Geplant ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das Entwicklung, Konstruktion, Produktion und Vermarktung sogenannter Brennstoffzellenstacks vorantreiben soll. In das Joint Venture mit dem sperrigen Namen EKPO Fuel Cell Technologies bringt ElringKlinger sein komplettes Brennstoffzellen-Portfolio inklusive Mitarbeitern, Know-how und Patenten ein und hält den Angaben zufolge künftig 60 Prozent an der neuen Firma.

Brennstoffzellenstacks sind nach Angaben des Unternehmens vor allem für Anwendungen mit großer Reichweite und zyklischem Betrieb geeignet. Neben dem Einsatz in Fahrzeugen eignet sich der wasserstoffbasierte Antrieb auch für Züge, Schiffe oder Flugzeuge.

Marktanteil von mindestens zehn Prozent angestrebt

Von Plastic Omnium kommen in der Partnerschaft 100 Millionen Euro, unter anderem zum Ausbau der Kapazitäten. Zudem übernehmen die Franzosen für weitere 15 Millionen Euro eine österreichische ElringKlinger-Tochterfirma, die auf Brennstoffzellensystemlösungen spezialisiert ist.

Die Wettbewerbsbehörden müssen dem Vorhaben noch zustimmen. Der Abschluss des Geschäfts ist für das erste Quartal 2021 geplant. Bis zum Jahr 2030 strebt die EKPO Fuel Cell Technologies einen weltweiten Marktanteil von 10 bis 15 Prozent und damit einen Umsatz von 700 Millionen bis einer Milliarde Euro an.

ElringKlinger-Aktie steigt

Plastic Omnium ist ein börsennotierte Automobilzulieferer aus dem Pariser Vorort Levallois-Perret. Kontrolliert wird die 1947 gegründete Firma von der Familie Burelle. Plastic Omnium ist ein Hersteller von Karosserieteilen aus Kunststoff, vor allem Frontmasken, Lenksäulen und Stoßfängern.

An der Börse kommt die Nachricht gut an. Die Papiere von ElringKlinger kletterten um bis zu 14 Prozent. Das Gemeinschaftsunternehmen sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum "Global Player" im Wasserstoff-Bereich, erklärte der JPMorgan-Experte Jose Asumendi.

Man könne sich künftig nicht nur mit der europäischen Konkurrenz Bosch und Symbio messen. ElringKlinger habe mit der Airbus-Partnerschaft bereits seine Technologie bestätigt bekommen und erhalte nun dringend benötigte Finanzmittel zum Ausbau des Geschäfts, so Asumendi.

Auch Zusammenarbeit mit Airbus geplant

Tatsächlich wollen ElringKlinger und Airbus gemeinsam Brennstoffzellen für die Luftfahrt entwickeln. Dazu soll noch in diesem Jahr ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, wie beide Firmen vor zwei Wochen mitteilten.

Auch wenn die finanziellen Auswirkungen daraus in den nächsten zehn Jahren überschaubar seien, sei diese Nachricht klar positiv für die Stimmung, schrieben die Analysten der Commerzbank zu den Plänen. Der ElringKlinger-Konzern unterstreiche damit, dass er ein wettbewerbsfähiges Produkt im Angebot habe.

lg