Michael Dell

Börsen-Comeback nach Börsen-Aus Elon Musks Vorbild heißt Michael Dell

Stand: 08.08.2018, 13:50 Uhr

Ein Chef ist genervt von dem Druck der Kapitalmärkte und nimmt seine Firma von der Börse? Alles schon mal dagewesen: 2013 kaufte Michael Dell sein Unternehmen von den Aktionären zurück. Jetzt plant Dell die Rückkehr an die Börse.

Im September 2013 billigten die Dell-Aktionäre nach einem monatelangen Ringen den 24,9 Milliarden Dollar schweren Rückkauf des Computerbauers durch seinen Gründer Michael Dell und den Finanzinvestor Silver Lake.

Das Votum war mehrfach verschoben worden, weil es viel Widerstand gegen die Pläne gegeben hatte. Nachdem Michael Dell aber seine Offerte aufgestockt und sich zuletzt mit dem einflussreichen Investor Carl Icahn der härteste Kontrahent zurückgezogen hatte, war der Weg frei.

Ähnliche Beweggründe

Knapp fünf Jahre später sorgt Tesla-Chef Elon Musk mit seiner Ankündigung, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, für Aufruhr. Ein derartiger Schritt erlaube es dem Unternehmen, "zu seinem Besten zu wirtschaften, frei von Ablenkung und kurzfristiger Denke", schrieb Musk am Dienstag in einem Mitarbeiterbrief.

Seine Beweggründe sind damit ähnlich wie die, die einst auch Michael Dell für die Privatisierung des Computerbauers anführte. Auch Dell wollte sein Unternehmen aus dem Scheinwerferlicht der Wall Street holen.

Bloß keinen Druck!

Dell kündigte 2013 an, er wolle sein 1984 in einem Studentenwohnheim gegründetes Unternehmen nach dem Vorbild von IBM neu strukturieren. Der komplizierte Umbau könne am besten gelingen, wenn es keinen Druck durch Quartalsberichte gebe, wie sie an der Börse üblich sind.

Doch fünf Jahre später sieht Dell das nicht mehr ganz so eng: Dell plant über einen komplizierten Aktiendeal rund um VMware an die Börse zurückzukehren. VMware gehörte einst zum EMC-Konzern, bei der Übernahme 2016 blieb VMware jedoch über eine sogenannte "Tracking-Aktie" als eigenständiger Bereich an der Börse notiert.

Börsen-Comeback noch in diesem Jahr

Jetzt bietet Dell den Besitzern dieser Tracking-Aktien jeweils 1,3665 Anteilsscheine von Dell Technologies oder 109 Dollar in bar an. Nach Abschluss der Transaktion werden die Tracking-Aktien in Aktien von Dell Technologies umgewandelt, die an der New Yorker Börse gehandelt werden können. Der Deal soll im vierten Quartal 2018 abgeschlossen werden.

Auch wenn Dell damit die intensiven Überprüfungen durch potenzielle Investoren, wie sie im Rahmen eines IPO-Prozesses üblich sind, vermeidet, so wird er künftig doch wieder alle drei Monate vor Analysten und Anlegern Rechenschaft über sein Unternehmen ablegen müssen. Also genau das, was er eigentlich vermeiden wollte.

Eine Lehre für Elon Musk

Was führte also zu diesem Sinneswandel? Ganz einfach: die pure Geld-Not. Wegen der Übernahme des Speicherspezialisten EMC drückt ein Schuldenberg von derzeit immer noch rund 37,8 Milliarden Dollar auf dem einst weltgrößten PC-Hersteller.

Das sollte übrigens auch Elon Musk eine Lehre sein: Schließlich verbrennt sein Unternehmen Tag für Tag Geld. Experten warnen, mit einer Privatisierung würde Musk die Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung drastisch beschränken und damit die Zukunft des E-Auto-Pioniers gefährden.

ag

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Tesla S

Warum will Musk Tesla privatisieren?
Der Firmenchef begründet seinen gewagten Plan selbst wie folgt: Ein derartiger Schritt erlaube es dem Unternehmen, "zu seinem Besten zu wirtschaften, frei von Ablenkung und kurzfristiger Denke", schrieb Elon Musk in einem Mitarbeiterbrief.

Tatsächlich würde sich Musk mit einem solchen Schritt dem Druck der Kapitalmärkte entziehen. Es wäre keine Notwendigkeit mehr da, alle drei Monate Quartalsberichte vorzulegen und sich den kritischen Fragen von Journalisten und Analysten zu stellen.