Paul Singer beim World Economic Forum in Davos, 2013
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Paul Singer sieht Wertschaffungsmöglichkeiten US-Hedgefonds will Bayer aufmischen

Stand: 27.06.2019, 17:15 Uhr

Zur Liste der Sorgen kommt bei Bayer noch eine weitere hinzu: Der aggressive Hedgefonds-Investor Elliott aus dem Imperium des US-Milliardärs Paul Singer hat seinen Einstieg öffentlich gemacht. Will er den angeschlagenen Konzern aufspalten?

Der Hedgefonds hat seinen Einstieg beim Dax-Unternehmen Bayer öffentlich gemacht. Elliott sei mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro am Leverkusener Agrar- und Chemiekonzern beteiligt. Angesichts eines Börsenwerts von zuletzt rund 54 Milliarden Euro fällt dies zwar nicht sonderlich ins Gewicht, doch Elliotts Einfluss sollte nicht unterschätzt werden.

Aktuell kostet eine Bayer-Aktie wieder fast 60 Euro. Im frühen Handel legt das Papier mehr als sechs Prozent zu. Vor rund zwei Jahren mussten Anleger noch mehr als 120 Euro bezahlen - die Folgen der Monsanto-Übernahme und der Milliardenrisiken, die sich Bayer damit aufgehalst hat. Investoren reagieren erfreut auf die Neuigkeit. Vorbörslich legt das Papier signifikant zu. Damit dürfte sich der jüngste Erholungsversuch fortsetzen, nachdem die Papiere erst Anfang Juni bei 52,02 Euro den tiefsten Stand seit 2012 markiert hatten.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
59,08
Differenz relativ
+0,77%

Was hat Singer vor?

Singer ist bekannt dafür, mit aggressiven Methoden seinen Willen durchzusetzen. Seine Fonds sind berüchtigt wegen Spekulationen gegen angeschlagene Firmen und Staaten. Ob bei der Absetzung des früheren Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld beim US-Konzern Arconic oder bei Schuldenschlachten um Anleihen von Krisenländern wie Griechenland oder Argentinien, Singer mischte in den vergangenen Jahren öfters mit rabiaten Mitteln mit. Allerdings zetteln seine Fonds längst nicht überall, wo sie einsteigen, Aktionärsrevolten und Prozesse an.

Bayer-Chef Werner Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann. | Bildquelle: Imago

Im letzten Teil von Elliotts Statement verbirgt sich aber eine Formulierung, die Brisanz enthalten könnte. Dort fordert der Investor langfristig mehr Rendite und deutet auch an, wie diese zu bekommen sein könnte. „Elliott ist der Ansicht, dass der aktuell niedrige Aktienkurs von Bayer den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftseinheiten beziehungsweise die bestehende Wertschaffungsmöglichkeit von mehr als 30 Milliarden Euro nicht widerspiegelt“. Was verklausuliert klingt, ließe sich durchaus als Forderung nach einer Aufspaltung des Unternehmens interpretieren.

Auf eine Zerlegung des Konzerns drängen einige Investoren hinter den Kulissen offenbar schon länger. Bereits Ende 2018 hatte es Spekulationen gegeben, dass Singers Hedgefonds die treibende Kraft hinter der Initiative sein könnten. Bayer-Chef Werner Baumann hatte eine Aufspaltung im Dezember entschieden abgelehnt. "An diesen Einwürfen beteiligen wir uns nicht", sagte er damals der "Börsen-Zeitung".

Sonderausschuss gegründet

Elliott begrüßte die jüngsten Schritte zur Bewältigung der US-Klagewelle gegen Unkrautvernichter mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat. Elliott sei zuversichtlich, dass die Bildung eines Sonderausschusses der richtige Weg sei, die Probleme zu lösen.

Bayer gründete einen Aufsichtsratsausschuss, der die Causa Glyphosat vorantreiben soll, etwa durch Beratung des Vorstands und Vorschläge zur Prozessstrategie. Zudem soll der US-Anwalt John Beisner, ein Experte für Produkthaftungsklagen, den Aufsichtsrat zum Rechtskomplex Glyphosat kontinuierlich beraten.

Bayer hat schon drei Gerichtsprozesse verloren, in denen es um angebliche Krebsgefahr von Glyphosat-Produkten der US-Tochter Monsanto geht. Der Konzern ist mit rund 13.400 weiteren Klägern konfrontiert.

ts/dpa-AFX