Elektroauto an EnBW-Ladestation

Aktuelle Studie Elektroautos: Teuer für Hersteller und Käufer

Stand: 27.08.2020, 10:53 Uhr

Die Hersteller von Elektroautos können die deutlich höheren Produktionskosten nur bedingt an die Käufer weitergeben. Das zeigt eine aktuelle Studie der Experten von PwC. Frische Zulassungsdaten zeigen aber, dass alternative Antriebsarten beim Kunden trotz höherer Preise gefragt sind.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung PwC kostet die Herstellung eines E-Autos mit 300 Kilometern Reichweite derzeit rund 4.500 Euro mehr als ein klassischer Verbrenner. Ein vergleichbarer Plug-in-Hybrid mit 100 Kilowatt Leistung koste die Autobauer 3.600 Euro mehr.

Die Mehrkosten könnten sie aber nur teilweise an die Autokäufer weitergeben, so die Experten. Um die Vorgaben der EU zu erfüllen und Strafzahlungen zu vermeiden, müssten Autohersteller den Anteil elektrifizierter Autos bis 2030 trotzdem auf 35 bis 45 Prozent erhöhen.

Die Mehrkosten für Plug-in-Hybride könnten allerdings bis 2030 auf 2.500 Euro sinken, für E-Autos auf 1.500 Euro und für Brennstoffzellen-Autos auf 3.000 Euro.

Die Gesamtkosten sinken

Gut für die Verbraucher ist aber, dass die Gesamtkosten bei Elektro-Kleinwagen mit 150 Kilometern Reichweite sogar heute schon niedriger als mit einem Diesel oder Benziner seien, sagte PwC-Branchenexperte Jörn Neuhausen. Bei Kompakt- und Mittelklasseautos mit 300 Kilometern E-Reichweite erwartet PwC ab 2024 auch ohne Förderung einen Kostenvorteil. Dass leistungsstarke Batterie-Autos mit Reichweiten von über 600 Kilometern Käufern einen Betriebskostenvorteil bieten, sei dagegen nicht in Sicht.

"Für Automobilhersteller senken hohe Produktions- und Rohstoffkosten aktuell noch die Margen, daher sind Investitionen in technologischen Fortschritt der größte Hebel für zukünftige Kostensenkungen bei gleichzeitiger Leistungssteigerung", lautet das Fazit von Neuhausen.

Die Käufer kaufen

Trotz der Mehrkosten auch für die Käufer sehen die jüngsten Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) für den Monat Juli vielversprechend aus. Alternative Antriebsarten hätten im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat teils dreistellige Zuwächse aufgewiesen, teilte das KBA mit. Die Anzahl der Elektrofahrzeuge sei mit 16.798 Neufahrzeugen um 181,7 Prozent gewachsen, ihr Anteil an den Neuzulassungen liege damit in Deutschland bei 5,3 Prozent. 52.488 Hybride bescherten einen Zuwachs von 143,5 Prozent, was einem Anteil von 16,7 Prozent entsprach, heißt es weiter.

Die Experten von PwC hatten in einer früheren Studie bereits von einer Elektrowende in der Autobranche gesprochen. "2020 könnte aus unserer Sicht den Wendepunkt für Elektromobilität in Europa darstellen, da die europäischen Regierungen jetzt koordiniert mit Fördermaßnahmen wie steuerlichen Vorteilen und Kaufprämien vorgehen", hatte PwC-Analyst Christoph Stürmer gesagt.

ts