Türme der Deutsche Bank und Commerzbank bei Nacht
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Wachsende Kritik an Fusionsplänen Eine Bankenhochzeit, die keiner will

Stand: 21.03.2019, 17:04 Uhr

Am Donnerstag haben die Aufsichtsräte von Deutscher Bank und Commerzbank getagt - separat und rein zufällig am gleichen Tag. Beschlüsse zu einer möglichen Fusion wurden nicht gefasst. Derweil wird die Kritik an der Transaktion immer lauter.

Wie aus Insiderkreisen am Nachmittag bekannt wurde, hat Bankchef Christian Sewing den Aufsichtsrat heute über eine geplante Fusion mit der Commerzbank informiert. Er habe aber betont, dass weitere Fakten benötigt würden. Beide Institute hätten aber damit begonnen, ihre Bücher zu prüfen. Die Bank wollte sich nicht äußern.

Zur Sitzung der Commerzbank-Aufseher wurde lediglich bekannt, dass es keine Beschlüsse zu Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank gegeben habe. An der ablehnenden Haltung der Arbeitnehmervertreter habe sich nichts geändert. Eine neue Sitzung wurde nicht terminiert.

Expertenkritik wird lauter

Die Kritik an der geplanten Hochzeit wird derweil immer lauter. So wird ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank von den meisten Finanzmarktexperten abgelehnt. Lediglich 15 Prozent von ihnen stimmten der Aussage zu, dass ein Zusammengehen gut für das deutsche Finanzsystem wäre, wie aus der jüngsten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 174 Experten hervorgeht.

ZEW-Chef Achim Wambach

ZEW-Chef Achim Wambach. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Dagegen stimmen knapp 65 Prozent dieser Aussage nicht zu. Knapp 20 Prozent rechnen weder mit positiven noch mit negativen Effekten. "Nach Ansicht der befragten Finanzmarktexperten überwiegen bei einer Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank, die kompliziert und teuer in der Umsetzung ist, die Nachteile", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Anstieg des Systemrisikos

"Ein Anstieg des Systemrisikos ist dagegen zu erwarten und sollte bedacht werden, wenn es um die Schaffung einer neuen Großbank geht." Die Finanzkrise habe gezeigt, dass große Banken nicht so einfach abgewickelt werden könnten und gegebenenfalls vom Staat gerettet werden müssten. Je größer eine Bank ist, die im Krisenfall gestützt werden müssen, desto teurer wird es für den Steuerzahler.

Eine Mehrheit der Befragten glaubt, dass eine Zusammenlegung keine nennenswerten Größenvorteile bringe, die eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der dann fusionierten Großbank zur Folge hätte.

Nicht konkurrenzfähiger

Knapp 55 Prozent erwarten nicht, dass die neue Bank international konkurrenzfähiger wäre als die beiden Einzelinstitute. Fast 80 Prozent befürchten zudem einen Anstieg des systemischen Risikos, sollte es zur Fusion kommen.

Die mehrheitlich ablehnende Haltung der Befragten zu einer möglichen Großbankenfusion richtet sich den Angaben nach allerdings nicht gegen große Banken an sich. Etwas mehr als die Hälfte der Experten stimmte der Aussage zu, dass die heimische Wirtschaft eine große deutsche Bank benötige. Knapp 31 Prozent stimmten dem nicht zu.

FDP ebenfalls kritisch

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sieht eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ebenfalls kritisch. "Wenn zwei Schwache zusammengehen, kommt nicht automatisch ein Starker heraus", sagte Theurer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Stattdessen hätte eine kontinentaleuropäische Lösung eine Perspektive - also ein Zusammengehen der Deutschen Bank mit der französischen BNP Paribas oder der spanischen Santander. "Das wäre ein europäischer Champion."

Und Deutsche Bank-Chef Christian Sewing gehört auch nicht gerade zu den glühenden Verfechtern einer Bankenehe. Er weiß zwar, dass er sich den Wünschen der Regierung nicht gänzlich verweigern kann, hält sich selbst zu dem Thema aber bedeckt.

Sewing doch dafür?

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Im Vorfeld der Sitzung hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf eine Person im direkten Umfeld des Vorstandschefs berichtet, Sewing wolle den Aufsichtsrat vom Sinn eines Deals mit dem kleineren Konkurrenten überzeugen. Eine weitere Person mit Kenntnis von Sewings Überlegungen sagte, die Deutsche Bank habe keine formellen Verhandlungen mit der Commerzbank begonnen, wenn sie erwarten würde, dass diese scheitern.

Das klang noch am Sonntag ganz anders. In dem Brief an seine Mitarbeiter, in dem er die offiziellen Verhandlungen über einen Zusammenschluss begründete, war von Begeisterung nichts zu spüren. Eher lasen sich dort viele Zweifel, ob es klappt - und nur wenn es wirtschaftlich Sinn macht.

Euphorie verflogen

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Deutsche und Commerzbank - mächtige Netzwerke arbeiten im Hintergrund

Das kann Taktik sein, muss es aber nicht. Am Ende wird Sewing sich ganz alleine entscheiden müssen, ob er das große Ding mit der Commerzbank wagen will oder dem Drängen von Scholz und Achleitner nicht nachgibt - mit allen Konsequenzen. Würde der Deal am Ende aber ein Erfolg, dann hätte der sportbegeisterte Junge aus Bünde in Ostwestfalen 30 Jahre nach der Banklehre wohl sein Meisterstück abgeliefert.

Die Anleger zeigen sich derweil ernüchtert, die Kurse beider Banken haben nach anfänglicher Freude ihre Kursgewinne von Anfang der Woche wieder abgeben müssen. Analystenseitig ist das Bankhaus Metzler am Donnerstag das nächste Institut, das sich kritisch äußert. "Größer werden heißt nicht zwangsweise auch stärker werden", schrieb Jochen Schmitt in einer Studie. Wegen zahlreicher Stolperfallen bleibt er vor allem auf kurze Sicht skeptisch, ob eine Fusion zustande kommen kann.

lg/rtr/dpa