Dinosaurier

Disney gegen Netflix Ein Dinosaurier schlägt zurück

von Von Lothar Gries

Stand: 16.10.2018, 06:50 Uhr

In seiner 95-jährigen Geschichte war der altehrwürdige Unterhaltungskonzern Disney schon vielen Veränderungen ausgesetzt. Doch mit den Online-Videoanbietern Netflix & Co steht der Dinosaurier aus Hollywood nun vor ganz neuen Herausforderungen. Wird er sie meistern können?

Die amerikanische Medienbranche steckt in einem tiefgreifenden Umbruch. Die Zahl der Kabelfernsehabonnenten sinkt, das Interesse der Werbewirtschaft schrumpft ebenso wie die Zahl der Kinogänger. Gleichzeitig toben auf Konzernebenen erbitterte Übernahmeschlachten, etwa der Kampf um Rupert Murdochs Filmsparte 21st Century Fox sowie die Fusion von AT&T mit Time Warner.

Untersuchungen zufolge verbringen Teens nur noch 20 Prozent der Zeit, in der sie Bewegtbilder schauen, vor dem linearen Fernseher. Fast 40 Prozent der Zeit widmen sie dagegen Online-Videodiensten wie Netflix oder Amazon Prime. Eine Herausforderung für traditionelle Unterhaltungskonzerne vom Schlage Walt Disneys.

Sinkende TV-Einnahmen

Schon jetzt haben die gerade mal 20 Jahre alten Firmen Netflix und Amazon das Film- und Fernsehgeschäft kräftig durcheinanderwirbelt und den alten Platzhirschen ordentlich Marktanteile geraubt. Das spürt niemand so deutlich wie Walt Disney.

Im vergangenen Jahr konnte der Konzern lediglich im Bereich Freizeit-Parks sein operatives Ergebnis steigern. Nicht einmal der Filmsparte, die regelmäßig mit Star-Wars-Blockbustern und Marvel-Verfilmungen Millionen Menschen in die Kinos lockt, gelang es noch zu wachsen. Das TV-Segment verbuchte sogar einen massiven Rückgang der Einnahmen um ein Viertel. Beim Sportsender ESPN machen sinkende Abozahlen dem Konzern schon seit langem zu schaffen. 

Disney hinkt Netflix hinterher

Dass Walt Disney die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Unterhaltungsgeschäft verschlafen hat und nun vor riesigen Herausforderungen steht, zeigt auch ein Blick auf den Aktienkurs. Der läuft seinem Hoch im Sommer 2015 seitwärts - allerdings unter hohen Schwankungen zwischen 90 und 120 Dollar. Dabei hatte er sich in den Vorjahren noch verdreifacht. Ganz anders bei Netflix: Dessen Kurs hat sich im gleichen Zeitraum versiebenfacht.

Wie groß Netflix inzwischen geworden ist, zeigt auch ein Blick auf den Marktwert: Im Mai war das Unternehmen mit 153 Milliarden Dollar an der Börse kurzzeitig mehr wert als Disney. Inzwischen hat sich das Verhältnis wieder umgekehrt, doch mit einer Bewertung von zuletzt 147 Milliarden Dollar bleibt der Streaming-Anbieter dem Dino aus Hollywood auf den Fersen, wird er doch mit 170 Milliarden Dollar bewertet.

2019 startet Disney eigenen Streaming-Dienst

Seit dem Frühjahr schlägt Disney nun zurück: Mit einem eigenen Sport-Angebot entert der Unterhaltungskonzern den Streamingmarkt in den USA: Für fünf Dollar im Monat kann man seit dem 12. April Spiele und Veranstaltungen unterschiedlicher Sportarten und Ligen live oder on demand auf ESPN plus verfolgen.

Star Wars-Figur Captain Phasma

Star Wars-Figur Captain Phasma. | Bildquelle: The Walt Disney Company

Disney-Vorstandschef Bob Iger ist überzeugt, dass die neue Sparte das Unternehmen fit macht für die Zukunft. Das Angebot werde Disney helfen, Verbraucher weltweit besser als je zuvor in den Bereichen Unterhaltung und Sportinhalt mit mehr Auswahl, Personalisierung und Komfort zu beliefern.

Und das ist nur der Anfang: Über Hulu, einer Partnerschaft von Disney, Time Warner, Comcast und 21st Century Fox, mischt Disney schon seit mehr als zehn Jahren im Entertainment-Streaming mit. Und im Herbst 2019 will der Mickeymaus-Konzern seinen eigenen Dienst starten.

Mehrgleisig fahren

"Wir bewegen uns weiter mit Volldampf nach vorne", sagte Bob Iger im August gegenüber Analysten. Eine wichtige Rolle beim Angriff auf Netflix und Co. soll auch die Übernahme großer Teile des Rivalen 21st Century Fox aus dem Imperium von Medienmogul Rupert Murdoch spielen. Disney hat den Mega-Deal nach einem Wettbieten mit dem Kabelkonzern Comcast erst im Sommer ans Ziel gebracht.

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Avatar. | Bildquelle: Filmwebsite

Der 71,3 Milliarden Dollar schwere Zukauf, der etwa das legendäre Filmstudio 20th Century Fox und diverse Sender und Netzwerke umfasst, ist zwar schon von den US-Wettbewerbshütern genehmigt, braucht aber noch den Segen mehrerer internationaler Behörden. Disney will die Übernahme 2019 abschließen. Ende nächsten Jahres soll auch der eigene Streamingdienst starten. Dabei könnten sich von Fox erworbene Filme und Serien wie "Avatar" oder "Simpsons" als sehr wertvoll erweisen.

Iger glaubt, dass Disney dank seiner starken Marken, die von Klassikern wie Mickey Maus oder "Star Wars" bis hin zu neueren Blockbustern wie "Die Unglaublichen" oder Marvels "Avengers" reichen, neben Streaming-Anbietern wie Netflix und Amazon erfolgreich bestehen kann.