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ProSiebenSat.1 sieht Bedarf Ein deutscher Anbieter für Streamingfans?

Stand: 21.01.2019, 10:32 Uhr

ProSiebenSat.1 will im Sommer eine neue Streaming-Plattform an den Start bringen. Der Chef des Fernsehkonzerns sieht auf dem Markt Bedarf für einen Anbieter deutscher Inhalte. Welche Rolle spielt Netflix?

Max Conze

Max Conze. | Bildquelle: picture alliance / Lino Mirgeler/dpa

Es gebe neben Amazon und Netflix noch Platz für einen deutschen Dienst, sagte Max Conze der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag am Rande der DLD-Digital-Konferenz in München. "Dieser könnte alle deutschen Inhalte vereinen, die die Leute mögen."

Er zeigte sich zuversichtlich, dass ein solches Angebot in Zusammenarbeit mit Discovery, dem öffentlich-rechtlichen ZDF, dem Verlagshaus Axel Springer und möglicherweise noch anderen Partnern im Spätsommer starten könne.

Preiserhöhungen von US-Anbietern spielen in die Karten

Die Preiserhöhung des Streamingriesen Netflix gebe Anlass zur Hoffnung, sagte der ProSieben-Boss. Denn dies zeige, dass die großen US-Anbieter von Filmen und Serien via Internet sich möglicherweise mehr in Richtung Gewinn orientierten und sich nicht mehr nur auf Wachstum fokussierten.

Die vergangene Woche bekannt gewordene Anhebung der Preise in den USA zwischen 13 und 18 Prozent hatte der Netflix-Aktie einen zusätzlichen Schub verliehen, wurde die Entscheidung doch als Beweis für die Stärke des Unternehmens als auch des Marktes interpretiert.

"Für die Verbraucher sind sie toll, aber es ist schwer, gegen sie anzukommen. Wenn diese Firmen sich in Zukunft etwas mehr darauf konzentrieren, das in ein profitables Geschäftsmodell zu verwandeln, macht es das für uns etwas einfacher, mit ihnen zu konkurrieren", so Conze.

Keine Kopie von Netflix

Dabei hat er offenbar genaue Vorstellungen. Fernsehsender sollten sich im Wettbewerb mit Streaming-Diensten wie Netflix auf ihre Stärken besinnen. "Ich denke, man sollte mit Netflix konkurrieren, indem man nicht versucht, Netflix zu sein", so der ProSieben-Chef. Conze hatte den Chefposten bei dem Münchener Konzern im Juni übernommen.

Der US-Dienst sei gut darin, Serien zu ordern, die den Zuschauern gefallen. "Aber Entertainment ist noch viel mehr: Nachrichten, Sport, Live-Shows." Wenn es den Sendern gelinge, beliebte Formate und Sendungen in die digitale Welt zu bringen, hätten sie eine starke Wettbewerbsposition.

Zudem habe die klassische TV-Branche noch ein starken Rückhalt in der Bevölkerung, betonte Conze. Wenn sich zehn Millionen Zuschauer das Finale von "The Voice of Germany" ansähen, seien das immer noch mehr Kunden als Netflix oder Amazons Streaming-Dienst in Deutschland hätten. Zugleich müssten die TV-Unternehmen keine Angst haben, mit neuen Angeboten in ihr eigenes bisheriges Geschäft zu schneiden - sonst würden das andere tun.

Weitere Unternehmen vor Markteintritt

Netflix selbst betont stets, dass man sich grundsätzlich im Wettbewerb mit allen Angeboten sehe, mit denen Menschen ihre Zeit verbringen. So hieß es bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen, das populäre Online-Spiel "Fortnite" sei aktuell ein größerer Konkurrent als der Bezahlsender HBO, der ein direkter Rivale ist.

Allerdings drängen auch andere Anbieter auf den boomenden Streamingmarkt. So möchte beispielsweise Disney in diesem Jahr ein eigenes Video-On-Demand-Angebot starten, auch AT&Ts Warner Media und Apple bereiten offenbar einen Markteintritt vor. Bis andere Anbieter aber konkurrenzfähige Angebote zu Netflix oder Amazon Prime Video vorlegen können, könnte es noch eine Weile dauern - auch bei ProSiebenSat.1.

tb