Katzenberger-Aufsteller in einem Poco-Laden
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Kursverfall gestoppt Ein bisschen Ruhe im verrückten Möbelhaus

Stand: 11.12.2017, 13:56 Uhr

Bis vor kurzem warb Daniela Katzenberger für die Poco-Möbelhäuser mit dem Spruch "Die haben aber auch alles". Die Konzernmutter Steinhoff hat derzeit alles, um zur Zocker-Aktie zu werden. Am Montag erholt sich der MDax-Titel etwas.

Nicht nur die "Katze", sondern auch die EZB dürfte mit Entsetzen die jüngste Entwicklung von Steinhoff verfolgen. Die Europäische Zentralbankhat über ihr Wertpapier-Kaufprogramm Anleihen der europäischen Tochter des Unternehmens erworben. Der Kurs der Anleihen ist seit August dramatisch abgestürzt.

Aktien erholen sich etwas vom Kursrutsch

Noch schlimmer sieht es mit den Aktien aus. Binnen zwei Wochen sind die Titel von 3,50 Euro bis auf 35 Cent abgestürzt, nachdem die Veröffentlichung der Jahreszahlen bis auf weiteres verschoben wurde und der Chef Markus Jooste gehen musste. Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von Steinhoff auf Ramsch abgestuft. Gut 13 Milliarden Euro lösten sich in Luft aus.

Immerhin gibt es einen kleinen Lichtblick: Am Montag stabilisieren sich die Möbel-Papiere. Im frühen Handel stieg der MDax-Titel um bis zu 20 Prozent auf 59 Cents. Am frühen Nachmittag dümpelt das Papier um 53 Cents herum. Der kriselnde Möbelhändler hat sich Berater unter anderem für das Liquiditätsmanagement und die Gespräche mit seinen Kreditgebern an Bord geholt. Das teilte Steinhoff am Sonntagabend mit.

Banken sollen helfen bei der Liquiditätversorgung

Die Investmentbank Moelis und die Management- und Strategieberatungsfirma AlixPartners sollen helfen, die Geschäfte des Steinhoff-Konzerns mit Liquidität zu versorgen und am Laufen zu halten. Die anhaltende Unterstützung aller Geldgeber sei dafür nötig, um eine Stabilisierung der Finanzlage zu erreichen. Eine Agenda für das Treffen am 19. Dezember werde noch im Vorfeld veröffentlicht.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 15.00 Uhr: Steinhoff-Aktien fahren Achterbahn

Die Agentur "Bloomberg" berichtete unter Berufung auf Insider, Steinhoff spreche mit Kreditgebern über ein Stillhalteabkommen bei einem 1,5 Milliarden Euro-Kredit. Banken und andere Kreditgeber stehen bei der Poco-Mutter Steinhoff mit Milliarden im Risiko. Nach den letzten verfügbaren Daten aus dem Halbjahresbericht Ende März liegen die langfristigen Verbindlichkeiten bei 12,1 Milliarden und die kurzfristigen Schulden bei rund 5,9 Milliarden Euro.

Unabhängiges Komitee gegründet

Der Aufsichtsrat des Möbelhaus-Konzerns hat zudem am Freitag ein Komitee ins Leben gerufen, das die unabhängige Unternehmenskontrolle stärken soll. Darin sitzen unabhängige, nicht leitende Manager. Das Komitee werde bei der Veröffentlichung des testierten Jahresberichts mit den Rechnungsprüfern von Deloitte zusammenarbeiten. Dieser werde zudem zusätzlich von PwC geprüft, hieß es. Bei dem Unternehmen wird derzeit wegen Unregelmäßigkeiten in der Bilanz ermittelt.

Auswirkungen der jüngsten Turbulenzen auf das operative Geschäft gebe es bislang nicht, beruhigte Steinhoff. Der Handel, vor allem das Weihnachtsgeschäft, laufe weltweit unbeeinträchtigt. Der Möbel-Discounter Poco sieht sich von den Problemen der Konzernmutter nicht betroffen.

BaFin schaut sich Kursverlauf an

Die heftigen Kursausschläge haben inzwischen die Finanzaufsicht auf den Plan gerufen. Die BaFin schaut sich den Kursverlauf an, hieß es am Freitagabend. Es handle sich um reine Routine, sagte eine Sprecherin.

"Steinhoff ist vorerst eine reine Wette", schrieb Börsenbriefautor Hans Bernecker in seinem Marktkommentar. Die Commerzbank hat sämtliches Research zu Steinhoff eingestellt. Solange das Ergebnis der Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von PwC nicht vorliege, gebe es keine verlässliche Grundlage für Prognosen, schrieb der zuständige Analyst.

nb