Deutsches Eigenkapitalforum 2017 Paragon

Eigenkapitalforum Paragon will in neue Dimensionen wachsen

von Notker Blechner

Stand: 27.11.2017, 18:17 Uhr

Der erfolgreiche Börsengang seiner Batterie-Tochter Voltabox hat den Autozulieferer Paragon voll unter Strom gesetzt. Auf dem Eigenkapitalforum kündigte Vorstandschef Klaus Dieter Frers die Erschließung neuer Geschäftsfelder an.

Alle Wege führen am Montagmittag nach London – zumindest für Paragon-Aktien-Fans. Im Raum London des Sheraton-Hotels drängeln sich knapp hundert Investoren, um den Auftritt des ostwestfälischen Autozulieferers auf dem Eigenkapitalforum zu verfolgen. Das jüngste IPO des Batteriesystem-Anbieters Voltabox hat die Aktien von Paragon noch interessanter gemacht.

Tochter mehr wert als die Mutter

Mit dementsprechend stolz geschwellter Brust präsentiert sich Paragon-Boss Klaus Dieter Frers. Er verweist auf die hohe Marktkapitalisierung von Voltabox, die aktuell bei 427 Millionen Euro liegt. Da der Mutterkonzern immer noch 60 Prozent Anteile hält, könne man sich vorstellen, was Paragon wert sein müsse, erklärt er – und überlässt den versammelten Investoren das Rechnen. Momentan beträgt die Marktkapitalisierung des Autozulieferers nur 305 Millionen Euro. Die Aktien sind im Geregelten Markt notiert.

Voltabox Batteriesystem AGV

Voltabox Batteriesystem AGV. | Bildquelle: Voltabox

Das IPO der Batterie-Tochter hat Voltabox und Paragon laut Frers gut 133,5 Millionen Euro in die Kassen gespült. „Mit dem Geld der Anleger wollen wir in neue Dimensionen wachsen“, kündigte Vorstandschef Frers auf dem Eigenkapitalforum an. So sollen die Batterie-Fabriken in den USA und in China ausgebaut werden. Im Reich der Mitte sollen künftig Kleinbatterien gefertigt werden. Dabei kooperiert Voltabox mit lokalen Herstellern.

Investitionen in neue Geschäftsfelder

Die 26 Millionen der IPO-Erlöse, die Paragon als Voltabox-Mehrheitseigner erhielt, sollen für die Nutzung von Megatrends verwendet werden: Gesundheit, Komfort, Digitalisierung, Elektromobilität und Klimaschutz. Vorstandschef Frers kündigte die Einführung eines neuen Partikelfiltersystems an, das sechs Mal effizienter sei als andere Filter. „Wir sorgen so für bessere Luft im Auto.“

Darüber hinaus plant der Autozulieferer Connectivity-Lösungen im Auto-Cockpit, die die Schaltzentrale im Fahrzeug (das Head Unit) ersetzen sollen. Ob es dabei zu Kooperationen mit Apple oder Google kommt, wollte Frers nicht sagen. Schließlich tüfteln die Paragon-Ingenieure an leiseren Autos. „Wir entwickeln ein erstes Demofahrzeug, bei dem wir durch Gegenschall den Straßenlärm verhindern“, erklärt Frers.

Kräftiger Umsatzschub bis 2022

Mit den neuen Produkten will Paragon in den nächsten fünf Jahren gut 500 Millionen Euro zusätzlich an Umsatz erzielen. „Sie werden schnell Anklang finden bei den Autoherstellern und E-Mobility-Dienstleistern“, glaubt Frers.

Für 2017 stellt der Autozulieferer aus dem ostwestfälischen Delbrück einen Umsatzsprung von 102,8 Millionen Euro auf 120 bis 125 Millionen Euro in Aussicht. Die Ebit-Marge soll von 8,7 Prozent auf 9,0 bis 9,5 Prozent klettern. Analysten rechnen gar mit einer Marge von zehn Prozent. In den ersten neun Monaten zog das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um gut 20 Prozent auf 6,1 Millionen Euro an. Der Umsatz erhöhte sich um 15 Prozent auf 84,7 Millionen Euro.

Die Aktien von Paragon sind seit Jahresbeginn um über 60 Prozent nach oben gestürmt. Mit 95,91 Euro erreichten sie im Oktober ein Rekordhoch, bevor die Titel wieder etwas abrutschten.