Eine Frau schiebt einen vollen Einkaufswagen an einem Edeka-Logo vorbei

Umsatzeinbußen in Deutschland Edeka-Boykott belastet Nestlé

von Notker Blechner

Stand: 29.04.2018, 14:19 Uhr

Der Streit mit dem größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka hinterlässt negative Spuren bei Nestlé. Verlagerungen in andere Supermarkt-Ketten und eine neue rosa Schokolade sollen einen Teil der Umsatzausfälle kompensieren.

Was in Japan und Korea gelang, soll auch in Deutschland klappen: die erfolgreiche Markteinführung des neuen Schokoladentyps "Ruby". In einer Woche – am 7. Mai – bringt Nestlé eine rosa Variante des Kitkat-Riegels in die Rewe-Märkte. Laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" soll das Markenprodukt 1,49 Euro kosten – doppelt so viel wie die herkömmliche braune Variante.

Japanisches Kitkat-set

Japanisches Kitkat-set. | Bildquelle: Nestlé

Ruby wurde vor kurzem als neuer vierter Schokoladentyp (neben braun, schwarz und weiß) von Barry Callebaut entwickelt. Es ist die erste Innovation in der Schoko-Welt seit über 80 Jahren, als die weiße Schokolade erfunden wurde. Nestlé vermarktet als erster großer Markenproduzent die rosa Schokolade in Asien. In Japan gilt "Kitto Katsu", wie der Riegel dort heißt, schon als Kult-Süßigkeit. Das Produkt ist ständig ausverkauft. "Kitto Katsu" wird als Glücksbringer verschenkt.

Großes Potenzial für rosa Kitkat in Deutschland?

Ob es in Deutschland einen ähnlichen Hype geben wird, ist fraglich. Die Deutschland-Chefin von Nestlé, Béatrice Guillaume-Grabisch, jedenfalls sieht großes Potenzial in Deutschland für die rosa Schokolade. Wegen der Knappheit der Ruby-Kakao-Bohnen werde allerdings das Angebot begrenzt sein.

Mit der Rosa-Variante des Kitkat-Riegels will Nestlé hierzulande aus den Negativ-Schlagzeilen kommen. Seit Wochen berichten die Medien über den Einkaufs-Streit mit Edeka. Weil die Schweizer nicht zu Zugeständnissen bei Preisen und Rabatten im Einkauf waren, hat der größte deutsche Lebensmittelhändler rund 200 Markenprodukte von Nestlé aus den Marken genommen. Dazu zählen die Kitkat-Riegel, die Wagner-Pizza und Vittel-Wasser.

Umsatzverluste in Deutschland

Der Boykott sei inzwischen zu spüren, räumte Guillaume-Grabisch ein. Nestlé verzeichne in Deutschland Umsatzverluste. Schließlich mache Nestlé hierzulande 28 bis 30 Prozent seines Deutschlands-Umsatzes in den Märkten von Edeka. Exakt messbar seien die Auswirkungen allerdings nicht.

Ein Teil des Umsatzes verlagere sich auf andere Lebensmittelhändler, sagte die Französin. Durch verstärkte Sonderaktionen habe man dort mehr verkaufen können. Offenbar hat Nestlé vor allem die Zusammenarbeit mit Rewe, dem drittgrößten deutschen Einzelhändler, verstärkt.

Hinweise auf baldiges Ende des Konflikts

Wann es zu einer Einigung mit Edeka kommen wird, vermag Guillaume-Grabisch nicht zu sagen. Die europäische Dimension des Streits mache die Lösung schwierig. Nestlé liegt nicht nur mit Edeka, sondern mit dem europäischen Einkaufsbündnis Agecore im Clinch. Daran beteiligt sind die französische Kette Intermarché, die Schweizer Coop, die italienische Conad und die spanische Eroski-Kette. "Wir brauchen eine Vereinbarung für alle Länder."

Inzwischen scheinen sich aber die Verhandlungspartner näher gekommen zu sein. In den nächsten Tagen könnte es zu einer Einigung kommen, meldete "Die Welt" am Wochenende unter Berufung auf Branchenexperten. Auf ein Ende des Konflikts deuteten auch jüngste Äußerungen des Edeka-Chefs Markus Mosa hin. "Wir kommen voran und wollen den Streit beilegen", sagte Mosa bei der Präsentation der Jahresbilanz von Edeka vor eineinhalb Wochen.

Nestlé-Kurs unter Druck

Dem Nestlé-Aktienkurs hat der Edeka-Boykott geschadet. Seit Jahresbeginn haben die Titel des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns gut elf Prozent eingebüßt. Das lag allerdings auch an den ernüchternden Zahlen für das vergangene Jahr. 2017 schrumpfte der Gewinn von Nestlé um fast 16 Prozent auf rund 6,2 Milliarden Euro. Das viel beachtete um Sondereffekte bereinigte organische Wachstum schwächte sich auf 2,4 Prozent ab. In Deutschland lag das Plus bei 2,3 Prozent.

Im ersten Quartal hat sich weltweit das Wachstum von Nestlé wieder beschleunigt - auf 2,8 Prozent. Dabei profitierte der Konzern vom chinesischen Neujahrsfest und frühen Ostertermin. Beim angepeilten Ziel-Korridor von zwei bis vier Prozent liegt Nestlé noch unter dem Soll.

nb

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Vom Wohltäter zum Lebensmittel-Multi Die Nestlé-Geschichte

Unternehmensgründer Henri Nestlé

Unternehmensgründer Henri Nestlé: Der eigentliche Gründungsvater des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns war… ein Deutscher. Der Frankfurter Apotheker Heinrich Nestle wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts in die Schweiz aus. In Vevey am Genfer See tüftelte er an einem Mittel für Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten. So erfand er das "farine lactée", das so genannte Kindermehl, eine Kombination aus Kuhmilch, Weizenmehl und Zucker.