Asoka Wöhrmann, DWS

Klage angekündigt DWS will von Wirecard 600 Millionen

Stand: 16.11.2020, 08:50 Uhr

Nicht nur Privatanleger, auch Fondsmanager sind auf Wirecard reingefallen. Nun fordert die DWS, die Fondstochter der Deutschen Bank, Schadensersatz.

DWS-Chef Asoka Wöhrmann kündigte im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ an, dass das Fondshaus "mit allen rechtlichen Mitteln" gegen die Verantwortlichen von Wirecard für die kriminellen Machenschaften vorgehen werde. "Das ist die DWS ihren Kunden schuldig".

Kommende Woche werde die DWS gegen Markus Braun, Jan Marsalek und weitere Verantwortliche Strafanzeige erstatten und zivilrechtliche Ansprüche geltend machen, so Wöhrmann.

Nicht mit Ruhm bekleckert

Darüber hinaus habe die DWS im Insolvenzverfahren von Wirecard für die Verfehlungen, zurückgehend bis 2014, Ansprüche für alle ihre aktiven und passiven Fonds weltweit inklusive Zinsen und Zinseszinsen in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro angemeldet. "Jetzt hat die Justiz das Wort", so Wöhrmann.

Tatsächlich hat sich die DWS, allen voran ihr einstiger Star-Fondsmanager Tim Albrecht, in der Causa Wirecard nicht mit Ruhm bekleckert. Im Gegenteil, die DWS war zeitweise der größte Anteilseigner des bayrischen Skandalunternehmens.

DWS hielt zeitweise 12 Prozent

Laut Recherchen des Onlineportals Finanz-Szene.de hielt Albrechts Flaggschiff-Fonds "DWS Deutschland" von Wirecard abhängige Positionen in Höhe von fast 12 Prozent des Fondsvermögens, mehr als die bei Einzelwerten vorgeschriebene Obergrenze von 10 Prozent je Aktie.

In absoluten Zahlen erreichte das Wirecard-Engagement des zwischenzeitlich 4,8 Milliarden Euro schweren Albrecht-Fonds damit vorübergehend eine Größenordnung von deutlich über einer halben Milliarde Euro, so Finanz-Szene.de.

Wöhrmann stärkt Albrecht den Rücken

Denn Albrecht habe nicht nur direkt in Wirecard investiert, sondern auch Derivate auf die Aktie des Zahlungsdienstleisters gehalten. Die genaue Abhängigkeit des DWS-Fonds von Wirecard blieb den Anlegern damit verborgen.

Für den verantwortlichen Fondsmanager Tim Albrecht halten sich die Konsequenzen für sein Handeln bisher in Grenzen. Er hat angekündigt auf seinen Bonus zu verzichten. Ansonsten hat sein Vorgesetzter ihm im FAS-Gespräch explizit den Rücken gestärkt. "Ein aktiver Fondsmanager darf auch mal falschliegen, wenn er begründet agiert hat und wenn er aus seinen Fehlern lernt. Bei Tim bin ich mir dessen sicher", betonte Wöhrmann.

lg