DWS IPO

Kampf an vielen Fronten DWS im Stress

Stand: 14.09.2018, 16:14 Uhr

Die Deutsche-Bank-Tochter hat ein halbes Jahr nach ihrem Börsengang bei Experten und Anlegern überwiegend Ernüchterung verbreitet. Das Unternehmen hat es mit einer ungünstigen Marktlage und harter Konkurrenz zu tun - und verliert einen wichtigen Fondsmanager.

Der Weggang von Tim Albrecht Anfang September war ein Einschlag, der die DWS noch lange beschäftigen dürfte. Albrecht, der Fonds-Flaggschiffe wie den DWS Deutschland (WKN 849096) oder den DWS Aktien Strategie Deutschland (WKN 976986) verantwortete, verwaltete insgesamt Kundenvermögen von rund 15 Milliarden Euro. Eine Personalie mit Folgen: Die Ratingagentur Morningstar setzte prompt ihr Rating für die betroffenen Fonds aus, die Experten halten es für "schwierig, dass sich die Lücke... durch die verbleibenden Manager schließen lässt".

Auszug der Top-Manager

Albrecht ist einem weiteren prominenten Ex-DWS-Manager zur Privatbank Berenberg gefolgt: Henning Gebhardt, bis 2016 Leiter des globalen Aktienmarktgeschäfts bei der Fondsgesellschaft, heuerte als Chief Investment Officer bei Berenberg an. Auch er war, wie Albrecht, rund zwei Jahrzehnte in den Diensten der DWS, auch sein Weggang gab Experten Rätsel auf.

Die Fondsgesellschaft steht aber nicht nur wegen der aktuellen Personalie im Fokus. Rund ein halbes Jahr nach dem Börsengang, der der Mutter Deutsche Bank rund 1,4 Milliarden Euro einspielte, hat es die DWS mit einer Reihe von kitzligen Aufgaben zu tun und sieht sich gleichzeitig einem strukturellen Wandel in der gesamten Branche ausgesetzt (s. auch unsere Übersicht: Die Baustellen der DWS).

Milliarden fließen ab

So muss das Unternehmen derzeit nicht nur Abflüsse bei den aktiv gemanagten Fondsprodukten in Milliardenhöhe stoppen, auch bei den Indexfonds (ETFs) erlahmte zuletzt das Interesse der Anleger. Insgesamt zogen Investoren im ersten Halbjahr 12,7 Milliarden Euro netto bei der Gesellschaft ab. Das Ziel, beim Mittelaufkommen im Jahr 2018 einen Zuwachs von drei bis fünf Prozent zu erreichen, hält DWS-Finanzchefin Claire Peel seit Ende Juli bereits für "unwahrscheinlich".

DWS-Chef Nicolas Moreau hält auch die Probleme bei Mutterhaus Deutsche Bank für einen Faktor beim mangelnden Anlegervertrauen. "Ich kann nicht sagen, dass das hilft", so Moreau anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen. Die Stimmung zwischen Konzernmutter und -tochter dürfte diese Kritik allerdings auch nicht verbessert haben.

Neue Namen, alter Inhalt

Die DWS ist wohl auch deshalb um ein eigenes Profil bemüht. Nicht nur das Unternehmen firmiert seit dem Börsengang wieder unter dem alten Label, auch die Fondsprodukte werden sukzessive von "Deutsche Asset Management" auf "DWS" umgetauft. Das gilt zum Beispiel auch für den Fonds von Starmanager Klaus Kaldemorgen, der nun statt "Deutsche Concept Kaldemorgen" nun wieder "DWS Concept Kaldemorgen" heißt.

Am Druck auf Margen und Erträge im Geschäft mit aktiv gemanagten und passiven Fonds ändert das freilich nichts. Experten sehen im Bereich der aktiv gemanagten Fonds Konkurrenten wie die französische Amundi vorn, die stärker bei Alternativen Investments wie Hedgefonds aufgestellt ist. Und im ETF-Bereich tobt ein gnadenloses Kostendumping. Nachdem die US-Größe Vanguard eine neue Preisoffensive eröffnet hatte, bot der Mitbewerber Fidelity im August erste Indexfonds ganz ohne Kosten an.

Aktienkurs auf Abwegen

Die Entwicklung des DWS-Aktienkurses seit dem IPO dürfte das Management sowohl bei der DWS als auch im Mutterhaus schließlich ebenso wie die Anleger betrüben. Die Deutsche Bank hält noch immer 78 Prozent an der Fondsgesellschaft, wegen der schwachen Nachfrage konnte man zum Börsengang nicht mehr Anteile verkaufen. Beide Titel rutschten seit Ende März weiter abwärts. In den vergangenen Wochen konnte sich die Bank-Aktie allerdings sogar leicht fangen, bei DWS-Titeln heißt die Richtung weiter abwärts. Seit dem Börsenstart liegt das Kursminus bei 28 Prozent.

AB

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Die Baustellen der DWS Überblick

DWS Sparschwein und Geldscheine

Zu hohe Abflüsse
Die fortlaufenden Netto-Abflüsse dürften derzeit das größte Problem der DWS sein. Im ersten Quartal lagen sie bei 7,8 Milliarden Euro, im zweiten Quartal bei 4,9 Milliarden Euro. Hier waren Rentenfonds (minus 5,5 Milliarden Euro) und Aktienfonds (minus 2,0 Milliarden Euro) die problematischsten Bereiche.