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Verhandlungen über Fusion mit UBS DWS: Codename "Pacific"

Stand: 24.04.2019, 10:56 Uhr

Offiziell steht die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank nicht zum Verkauf. Dennoch verdichten sich die Hinweise auf ein Interesse der schweizerischen UBS an der DWS. Deren Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um 37 Prozent gestiegen.

Offiziell halten sich beide Seiten bedeckt. Doch "Insider" berichteten der "FT" sowie dem "Handelsblatt" von "ernsthaften Gesprächen zwischen den Schweizern und der Deutschen Bank". Diese Diskussionen liefen schon einige Monate. Der Deal habe derzeit allerdings nur eine Wahrscheinlichkeit von 50:50, hieß es aus Bankkreisen. Das sind auch die Chancen, die einer Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank eingeräumt werden.

Wirklich neu sind die Gerüchte nicht. Bereits Anfang April hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über ein Interesse der UBS an DWS berichtet. Als eine Möglichkeit gelte dabei, die UBS-Fondstochter mit der DWS zu verschmelzen und sie dann als eigene Einheit abzuspalten.

DWS gilt als Übernahmekandidat

Ende März war über ein Interesse von Amundi, Europas größter Fondsgesellschaft, eine Tochter der französischen Bank Crédit Agricole, an DWS berichtet worden. Dank seiner Erfahrung bei Fusionen komme Amundi eine natürliche Rolle bei der Konsolidierung des europäischen Marktes zu, sagte Amundi-Vorstandsmitglied Valerie Baudson dem "Handelsblatt" auf die Frage nach möglichen Kaufabsichten für die DWS.

Dass am Aktienmarkt die DWS als Übernahmekandidat gehandelt wird, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des Aktienkurses. Der hat seit Jahresbeginn um 37 Prozent zugelegt, deutlich mehr als der Gesamtmarkt. Die Aktie der Deutschen Bank ist nur um neun Prozent gestiegen.

Verkauf würde Milliarden einbringen

Die Deutsche Bank hatte DWS 2018 an die Börse gebracht, hält aber nach wie vor rund 78 Prozent der Aktien. Ein Verkauf der restlichen Beteiligung könnte Deutschlands größtem Geldhaus zumindest einen Teil des Kapitals bringen, das es für eine mögliche Übernahme der Commerzbank benötigen würde.

Nach Berechnungen der DZ Bank würde eine Fusion der beiden Großbanken rund acht Milliarden Euro kosten. Die DWS ist an der Börse derzeit 6,4 Milliarden Euro wert. Der Deutsche-Bank-Anteil wird mit rund fünf Milliarden Euro bewertet.

Aufschließen zum Marktführer

Experten zufolge könnte eine Fusion der beiden Fondsgesellschaften durchaus Sinn machen, kommt es doch in diesem Geschäft entscheidend auf die Größe an. Und da hinken beide Gesellschaften Konkurrenten wie Amundi weit hinterher.

Während die DWS 660 Milliarden Euro verwaltet, sind es bei der UBS rund 690 Milliarden. Zusammen kämen sie auf 1,35 Billionen Euro und würden sich damit Amundi nähern, die nach eigenen Angaben Ende 2018 rund 1,42 Billionen Euro verwaltete.

Allerdings hat sich das Volumen bei beiden Fondsgesellschaften im Vier-Jahresvergleich kaum verändert. So herrschten UBS und DWS bereits Ende 2015 über ein Vermögen von 1,35 Billionen Euro, wobei das Vermögen der UBS seitdem leicht kletterte und das der DWS leicht sank. Dabei ist die Vermögensverwaltung ein globaler Wachstumsmarkt, befinden sich die Kapitalmärkte seit Jahren in einem Wachstumszyklus.

Hohe Kosten, niedrige Margen

Auch die Zusammensetzung des Portfolios hat sich Experten zufolge in den letzten Jahren verschlechtert. Es seien bei beiden Adressen vor allem Passiv-Produkte hinzugekommen, mit denen sich nur geringe Margen erzielen ließen. Deshalb sei das operative Ergebnis der beiden Gesellschaften in den letzten drei Jahren unter Druck geraten. Tatsächlich ist allein bei der UBS die Bruttomarge auf das verwaltete Vermögen von 30 Basispunkten 2016 auf zuletzt 23 Basispunkte gesunken.

Zudem arbeiten beide Gesellschaften im Branchenvergleich mit zu hohen Kosten. Während die Cost Income Ratio (CIR) im Branchenschnitt nach Berechnungen von Boston Consulting bei 62 Prozent der Erlöse liegt, sind es bei der UBS 73 Prozent und bei der DWS 71 Prozent – Werte, die sich seit drei Jahren kaum verändert haben.

Ob eine Fusion beider Fondsgesellschaften hilft, diese Probleme zu lösen, etwa durch Synergieeffekte, bleibt abzuwarten. Die durch ein Zusammengehen entstehenden Möglichkeiten zu prüfen ist aber eine Option, der sich beide Unternehmen kaum verschließen können.

lg