DWS Sparschwein und Geldscheine

Wie alles begann DWS: Auf Kleinsparer gezielt und Milliardenmarkt getroffen

von von Thomas Spinnler

Stand: 23.03.2018, 06:50 Uhr

Angefangen hat die DWS mit Geldanlage wie zu Adenauers Zeiten: Ausschließlich deutsche Qualitätsaktien waren im Angebot. Heute spielt die Fondsgesellschaft in der Spitzenliga der globalen Vermögensverwalter mit.

Wer sich für Zahlen interessiert, und das dürften die meisten Investoren sein, dem wird bei der DWS einiges geboten: Im Juni 1986 lag das verwaltete Fondsvermögen noch bei rund 15 Milliarden Deutsche Mark. Seitdem ist viel Wasser den Main entlang geflossen. Der größte derzeit in Deutschland verwaltete Aktienfonds, der im Jahr 2003 aufgelegte DWS Top Dividende LD, hat allein ein Volumen von mehr als 19 Milliarden Euro. Ende 2017 verwaltete die DWS insgesamt 702 Milliarden Euro. Um die Milliarden kümmern sich derzeit rund 3.800 Mitarbeiter, davon rund 900 Analysten und Fondsmanager. Die Milliarden stecken in rund 600 verschiedenen Fonds.  

DWS Verwaltetes Vermögen

DWS Verwaltetes Vermögen. | Bildquelle: DWS

Mit einem Marktanteil von 26 Prozent bei Kleinanlegern ist sie Deutschlands führende Fondsgesellschaft. Etwa 45 Prozent der Gelder stammt von Privatkunden, der größere Teil kommt von institutionellen Anlegern, also von Staatsfonds, Versicherungen und Pensionskassen. Der weit überwiegende Teil der Anlagesumme kommt von Kunden aus Deutschland und dem übrigen Europa. Immerhin ein Drittel fließt aus Amerika und der Region Asien-Pazifik zu.

Deutsche Qualitätsaktien für unsere Kleinsparer 

So war das nicht geplant, als sich in den fünfziger Jahren einige Banken zusammenschlossen, um im August 1956 eine Kapitalanlagegesellschaft unter dem Namen Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen zu gründen. Gründer waren insgesamt 15 Banken, darunter auch die Deutsche Bank, die damals mit 30 Prozent größter Teilhaber war. Viele der weiteren Unternehmen sind heute fast vergessen. Wer kennt beispielsweise noch Brinckmann, Wirtz & Co., die Badische Bank oder Delbrück Schickler & Co.?

1958: Fidel Castro auf einem geheimen Urwaldstützpunkt, zusammen mit seinem Kommandostab

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht: Fidel Castro landet 1956 in Kuba und die DWS erblickt das Licht der Welt. | Bildquelle: (c) dpa - Bildarchiv

Was wollten die Banken mit der Gründung der Gesellschaft erreichen? Die DWS sollte sich vor allem an Kleinsparer richten, die am damals beginnenden Wirtschaftsaufschwung teilhaben und in "deutsche Qualitätsaktien" investieren konnten. Oder anders ausgedrückt: Die DWS wollte auch über die Gelder der Kleinsparer vom Wirtschaftsaufschwung der Bundesrepublik profitieren - ein damals jedenfalls hierzulande progressiver Ansatz.

Es geht schnell voran. Bereits am 31. Januar 1958 übersteigt das verwaltete Vermögen der DWS die Grenze von 100 Millionen DM. Die Kunden stammten aus allen Bevölkerungsschichten, schreibt die DWS dazu. 28 Prozent seien Arbeiter und Angestellte gewesen, sogar knapp 25 Prozent Hausfrauen seien dabei.    

Bundeskanzler Konrad Adenauer (l) und Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (r) prosten sich zu

Geldanlage zu Adenauers Zeiten: Die DWS bot deutsche Qualitätsaktien für Kleinsparer. | Bildquelle: (c) dpa - Bildarchiv

Die DWS übernimmt die zwei Türme

Während das Anlagevermögen wuchs und die Produkte vielgestaltiger wurden, stiegen auch die Anteile der Deutschen Bank an der DWS. Im Jahr 2004 war es dann so weit. Die Frankfurter wurden Alleineigentümer. Es folgte eine Reihe von Veränderungen. Im Jahr 2009 beispielsweise verlagerte die Deutsche Bank die Verwaltung der geschlossenen Immobilienfonds ihrer Beteiligungstochter RREEF auf die DWS.

Im Jahr 2011 verkaufte sie ihre damals frisch renovierten Zwillingstürme in Frankfurt an einen von ihrer Fondstochter DWS aufgelegten geschlossenen Immobilienfonds. Der Verkaufspreis für die markanten Türme lag nach Angaben des Finanzinstituts bei rund 600 Millionen Euro. 

Deutsche Bank-Türme aus der Vogelperspektive

"Soll und Haben": Die Zwillingstürme der Deutschen Bank. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ackermanns Plan scheitert

2012 wurde das komplette Geschäft mit privaten und institutionellen Kunden unter dem Namen Deutsche Asset and Wealth Management zusammengeführt. Der Plan, die ganze Fondsgesellschaft zu verkaufen, scheiterte im gleichen Jahr. Die Verkaufspläne für die Vermögensverwaltung stammten noch aus der Ära Josef Ackermann. Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef hatte den Verkauf der damals ertragsschwachen Vermögensverwaltung vor seinem Abschied noch unter Dach und Fach bringen wollen.

DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen

Klaus Kaldemorgen: Der wohl berühmteste Fondsmanager und bis Ende 2010 Chef der DWS. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nicht immer hat es der DWS genutzt, eng mit der Deutschen Bank verbunden zu sein. Das schlechte Image der Mutter bekommt gelegentlich auch die Tochter zu spüren. Im Jahr 2016 litt die Vermögensverwaltung unter einem kräftigen Rückgang der Kundengelder, als wegen einer hohen Strafandrohung aus den USA Zweifel an der gesamten Bank aufgekommen waren. Damals hatten Kunden fast 40 Milliarden Euro abgezogen. Zuletzt ging es aber wieder deutlich vorwärts.

Weit vorn, aber selten an der Spitze

Und wo steht die DWS heute? Die deutsche Nummer eins im Privatkundengeschäft belegt in Europa den vierten Platz. Im Passivgeschäft mit börsengehandelten Fonds (ETFs) liegt sie in Europa auf Platz zwei, weltweit auf Rang sechs. Im Geschäft mit Versicherungen sitzt der Börsenaspirant global auf Rang zwei, im Geschäft mit Immobilienfonds Rang elf. Zum Vergleich: Die Kollegen der UBS liegen mit einem verwalteten Vermögen von mehr als zwei Billionen Dollar insgesamt weit vor der DWS.

DWS Sponsorenaufdruck auf den Trikots vom VfL Bochum

DWS-Trikotwerbung von 2002 bis 2007: Der VfL Bochum - mal erste, mal zweite Liga. | Bildquelle: dpa

ts