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Ron Sommer wird 70 "Durchlitten, was auch andere Aktionäre durchlitten haben"

Stand: 29.07.2019, 08:56 Uhr

Erinnern Sie sich noch an Ron Sommer? Mitte Juli 2002 musste er seinen Chefsessel bei der Deutschen Telekom räumen und zog sich danach aus der Öffentlichkeit zurück. Heute feiert "Mr. T-Aktie" seinen 70. Geburtstag.

Im Rückblick sei der damalige Abgang "schmerzhaft" gewesen, sagt Sommer heute der dpa. "Das war eine emotionale Zeit." Doch er ist mit sich im Reinen: "Wäre es damals nicht so gekommen, hätte ich nicht die spannende Zeit erlebt, die danach kam."

In drei Aufsichtsräten großer Konzerne saß er in den vergangenen Jahren: bei der Versicherung Münchner Rück, beim indischen Softwareunternehmen Tata Consultancy Services (TCS) und beim russischen Telekommunikationskonzern MTS. Dieser gehörte einst zum großen Teil der Deutschen Telekom, wurde nach Sommers Abgang aber verkauft. Mit dem Erlös wurden Schulden zurückgezahlt.

Deutschland hinkt hinterher

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
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In seiner Zeit als Aufsichtsrat bekam der in Wien Aufgewachsene ein Gefühl für die Größe des Marktes - und wie wichtig Wachstum ist. TCS beispielsweise habe inzwischen rund 400.000 Mitarbeiter und stelle pro Jahr 40.000 bis 60.000 neue Beschäftigte ein. Und MTS habe den Internetausbau in Russland vorangetrieben - schnelle Gigabit-Verbindungen seien in den Großstädten längst Standard.

Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Zwar rüstet Vodafone TV-Kabel auf Gigabit-Speed hoch, doch in den meisten Haushalten ist so ein Tempo nicht realisierbar. Auf den Zustand der inländischen Internetlandschaft angesprochen, winkt Sommer ab - als Ex-Telekom-Chef wolle er sich dazu nicht äußern.

Bald Nummer eins in den USA

Der schon mit Anfang 20 promovierte Mathematiker machte zunächst Karriere bei Nixdorf, später war er Sony-Europachef und von 1995 bis 2002 Telekom-Vorstandsvorsitzender. In seiner Bonner Zeit entwickelte sich ein nationaler Staatsmonopolist zu einem internationalen börsennotierten Konzern. Sommer entschied sich für den Markteinstieg in den USA, dabei gab es Kritik an den hohen Kosten. Inzwischen gilt der Mobilfunkanbieter T-Mobile US aber als profitabler Konzernzweig.

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Um "Mr. T-Aktie" ist es still geworden

Die seit langem angestrebte Übernahme des Konkurrenten Sprint hat nun endlich die Zustimmung der US-Behörden erhalten. Beide Firmen kommen zusammen auf 130 Millionen Mobilfunk-Kundenanschlüsse (davon 81 Millionen T-Mobile US) und damit mehr als die jetzigen Branchenführer Verizon (118 Millionen) und AT&T (100 Millionen).

"Wir sind auf dem besten Weg, in den USA die Nummer eins zu werden, ob mit oder ohne Sprint", sagt Sommer. "Wir" sagt der Ex-Manager - 17 Jahre nach seinem Telekom-Abgang. "Vielleicht wird das, was ich damals gemacht habe, inzwischen mit anderen Augen gesehen."

"Wie ein Sonnenkönig"

Noch lachen Alt-Kanzler Schröder, dessen Frau Doris und Ron Sommer (mi.) gemeinsam.

Sommer mit Alt-Kanzler Schröder und dessen damaliger Frau Doris.

Begeisterung löst sein Name aber nicht aus in Bonn. Aus Konzernkreisen heißt es: "Der USA-Einstieg hat uns damals in Schwierigkeiten gebracht, wir haben das noch lange finanzieren müssen aus Deutschland." Gegenüber der Belegschaft sei Sommer distanziert aufgetreten. "Als Wunderkind gab er sich wie ein Sonnenkönig."

Aus Sicht externer Experten gibt es in seiner Telekom-Zeit Licht und Schatten. "Der Börsengang 1996 ragte heraus, den hat er in einem schwierigen politischen Umfeld durchsetzen können", sagt Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. Sommer habe zudem daran mitgewirkt, dass die Telekom ihre verstaubte Behördenmentalität allmählich abgelegt habe, allein sein Verdienst sei das aber nicht.

Desaster für Privatanleger

Für viele Privatanleger ist der Name Sommer vor allem mit der dramatischen Achterbahnfahrt des Telekom-Börsenkurses verbunden - von anfangs umgerechnet 14,57 Euro kletterte der Wert auf 100 Euro und stürzte danach wieder ab. Heute ist die Aktie etwa wieder beim damaligen Ausgabewert angekommen.

Ron Sommer

16.6.2002: Sommer kündigt seinen Rücktritt an.

Ein Desaster für die zahlreichen Kleinanleger, die mit der Aussicht auf hohe Renditen an die Börse gelockt wurden und durch den Absturz der T-Aktie schließlich viel Geld verloren - und oftmals das Vertrauen in den gesamten Aktienmarkt, bis heute. Und was sagt Ron Sommer dazu? Er habe sich mit dem Aktienkurs nie wohl gefühlt, sowohl als es aufwärts ging als auch als es abwärts ging. Die Talfahrt der Aktie habe am Platzen der New Economy-Blase im Jahr 2000 gelegen.

Altersgrenze für Aufsichtsräte ist wichtig

Auch hat Sommer selbst den Einbruch der T-Aktie zu spüren bekommen. "Ich habe all das mit durchlitten, was auch andere Aktionäre durchlitten haben", sagt er. Trotzdem hält er noch heute Telekom-Aktien. "Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Aktien verkaufen", sagt Sommer. Vielmehr seien Aktien für ihn ein langfristiger Teil des Vermögensaufbaus. T-Aktien dürften allerdings kaum dazugehören.

Nun also 70. Und dann? Seine drei Aufsichtsratsmandate hat er in den vergangenen Wochen abgegeben. Er habe kein Verständnis für Aufsichtsräte, die trotz hohen Alters ihre Mandate nicht abgeben, so Sommer. Es gebe eine natürliche Grenze, ab der die eigene Leistungsfähigkeit nicht mehr so hoch sei wie zuvor - daher sei eine Altersgrenze von 70 Jahren bei Aufsichtsräten wichtig. Pläne für die Zukunft? Er lasse es auf sich zukommen. Er habe nun mehr Zeit für die Familie, sagt der zweifache Vater, der in der Nähe von Düsseldorf wohnt. Fliegen werde er weiterhin - Sommer hat nach seinem Telekom-Abgang den Pilotenschein gemacht.

lg/dpa