Deutsche Forfait

Kursfeuerwerk Befreiungsschlag für Deutsche Forfait?

Stand: 27.08.2019, 13:33 Uhr

Eine dürre Zahlenmeldung, ein fetter Kursausschlag: Papiere des Forderungsspezialisten heben am Dienstag um bis zu 60 Prozent ab. Doch das geschieht auf sehr niedrigem Kursniveau, und eine Turnaround-Geschichte kann das Unternehmen noch nicht wirklich erzählen.

Die Kursbewegung erfolgte am Dienstagvormittag bei relativ dünnen Umsätzen und auf Pennystock-Niveau: Von 0,60 Euro ging es bis auf 0,93 Euro nach oben, am Nachmittag hatte sich der Titel dann wieder bei 0,73 Euro eingefunden, immer noch ein Plus von 30 Prozent.

Was war geschehen? Das Unternehmen, das auf den An- und Verkauf von Forderungen im deutschen Außenhandel spezialisiert ist, hatte eher magere schwarze Zahlen für das zweite Quartal gemeldet. Laut Management hat man nach Vorjahresverlusten nun wieder knapp mit 0,3 Millionen Euro die Gewinnschwelle erreicht hat.

Geschäftsvolumen nicht ganz im Plan

Und auch der Ausblick lässt ein wenig hoffen, "mehr zwei Millionen Euro" sollen im Gesamtjahr in der Kasse bleiben. Das Geschäftsvolumen, das bislang mit 300 Millionen Euro in Aussicht gestellt wurde, wird das Unternehmen aber wohl nicht erreichen.

Die Deutsche Forfait will exportorientierte Unternehmen beim weltweiten Warenaustausch insbesondere mit Schwellen- und Entwicklungsländern unterstützen. Dazu bietet man den regresslosen An- und Verkauf von Außenhandelsforderungen (Forfaitierung) an. Die Forderungen kauft das Unternehmen durch sein internationales Netzwerk an, wandelt sie in ein marktfähiges Produkt und verkauft sie an Investoren. Forderungen, die man nicht unmittelbar weiterverkaufen kann, übernimmt das Unternehmen bis zu einem Weiterverkauf oder bis zur Endfälligkeit in den eigenen Forderungsbestand. 

Wo ist der Chef?

Die Geschäfte des Unternehmens waren über Jahre hinweg dramatisch bedroht durch die US-Sanktionen gegen den Iran, und sie dürften es weiterhin sein. Die Deutsche Forfait war vor Jahren auf eine schwarze Liste des US-Finanzministeriums gelandet und wurde von den USA wegen seiner Iran-Geschäfte ins Visier genommen.

Nach langen Verhandlungen wurde das Unternehmen wieder von dieser Liste genommen. Der neue Chef und bis heute Großaktionär des Unternehmens, Shahab Manzouri, wollte sich dann stets gut mit den US-Behörden stellen. Zu gut vielleicht, denn er wurde bei einem Iran-Besuch Ende September 2016 laut Medienberichten wegen des Verdachts der Spionage festgenommen, und laut einem "Handelsblatt"-Bericht 2018 zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Das Unternehmen hatte lediglich Anfang 2017 gemeldet, Manzouri wolle sein Amt aus gesundheitlichen Gründen ruhen lassen. Über seinen Verbleib ist danach nichts mehr veröffentlicht worden. Manzouri hält noch immer mehr als 79 Prozent der Aktien.

AB