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Zwischen eitel Sonnenschein und Sommergewitter Droht jetzt wechselhaftes Börsenwetter?

Stand: 07.07.2019, 12:45 Uhr

Die zweite Jahreshälfte hat verheißungsvoll an den Börsen begonnen. Der Juli startete mit kräftigen Kursgewinnen dank neuer (geld)politischer Signale. Nun aber könnte die Sommer-Rally ins Stottern kommen - im Spannungsfeld zwischen Konjunktursorgen und Zinsfantasien.

Was für ein Jahresstart! In den ersten sechs Monaten 2019 hat der Dax 17,4 Prozent zugelegt – und sogar den Dow abgehängt, der "nur" 14,5 Prozent zulegte. Lediglich die Nasdaq, der russische Leitindex und der chinesische Index in Shanghai entwickelten sich noch besser im ersten Halbjahr. Die Nasdaq gewann über 21 Prozent.

Lagarde und Trump treiben die Kurse

Wie das erste Halbjahr endete, so begann die zweite Jahreshälfte: mit einem kräftigen Plus. Der Dax stieg in der ersten Juli-Woche erneut um 1,4 Prozent und schaffte ein neues Jahreshoch. Zunächst beflügelte die Entspannung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit die Kurse, dann machte die Nominierung der IWF-Präsidentin Christine Lagarde als künftige EZB-Chefin Hoffnung auf eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik in der Eurozone. Die Anleger atmeten auf.

Angesichts des deutlichen Kursanstiegs in den letzten Wochen und Monaten könnte es aber schnell zu einem kleinen Rückschlag kommen. Das zeigten die Arbeitsmarktdaten am Freitag. Da sie besser ausfielen als erwartet, wurde die Zinssenkungsfantasie gedämpft. Nun erscheint es nicht mehr so wahrscheinlich, dass die Fed ihre zuletzt fester angezogene Zinsschraube deutlich lockert.

Im Wechselbad der Gefühle

Die Anleger dürften denn auch in der kommenden Woche hin- und hergerissen sein zwischen einerseits Sorgen um die Konjunktur und anderseits den Hoffnungen auf Zinssenkungen der großen Notenbanken. "Die einen halten sich mit Käufen zurück, um nicht von den nächsten potenziellen Stimmungsschwankungen eines US-Präsidenten Donald Trump auf dem falschen Fuß erwischt zu werden", meint Marktbeobachter Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Verkaufen will aber auch so recht niemand in der Angst, dann nicht mehr investiert zu sein, wenn sich der Börsenzug wieder rasant in Bewegung setzt."

Notenbanken bleiben im Fokus

Aufschluss über die Zinspolitik der US-Notenbank könnten womöglich Auftritte von Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch und Donnerstag in Washington geben. Zudem werden Börsianer jedes Wort der am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Fed-Sitzungsprotokolle auf die Goldwaage legen. Einen Tag nach der Fed veröffentlicht die EZB die Mitschriften ihrer jüngsten geldpolitischen Beratungen. Auch diese werden Investoren aufmerksam lesen, da sie die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung Ende des Monats bislang auf knapp 50 Prozent taxieren.

Beim chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt dürfte es vorerst nicht viel Neues geben. Da der Teufel aber wie so oft im Detail stecke, sei eine schnelle Lösung in dem Konflikt nicht zu erwarten, sagte Volkswirtin Stephanie Kelly vom Vermögensverwalter Aberdeen Standard. Trump könnte die Verkündung eines Deals bis Sommer 2020 verzögern, um seine Chancen für eine Wiederwahl zu verbessern.

Pepsi eröffnet die Berichtssaison

Neue Impulse könnten von der US-Bilanzsaison kommen, die am Dienstag der US-Getränkehersteller PepsiCo eröffnet. Die US-Banken kommen mit ihren Zahlen aber erst in der übernächsten Woche. Marktbeobachter halten den gleichen Effekt wie vor drei Monaten für möglich, als die Erwartungshaltung der Analysten sehr niedrig war. Dementsprechend häufig gab es positive Überraschungen.

Für Investoren dürfte vor allem der Ausblick auf das zweite Halbjahr von besonderem Interesse sein. Viele Unternehmen würden einen Aufschwung erwarten, meint Commerzbank-Aktienstratege Markus Wallner. Er selbst sei da aber eher vorsichtig.

Ist die Luft jetzt raus?

Nach dem beeindruckenden Comeback in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sei die Luft an den Aktienmärkten vorerst raus, meinen einige Anlagestragen. "Viel ist nicht mehr drin", meint Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der DWS, etwas ratlos. Seine Prognose für den Dax bis Jahresende liegt bei 12.300 Punkten.

nb