Zerstörte Boote und Häuser durch den Hurrikan Dorian auf den Bahamas

Höchstens zehn Milliarden Dollar Schäden Sturm "Dorian" trifft Versicherer nicht allzu hart

Stand: 08.09.2019, 15:04 Uhr

Die (Rück-)Versicherer kommen bei den Zerstörungen durch den Wirbelsturm "Dorian" wohl relativ glimpflich davon. Auf dem alljährlichen Branchentreffen in Monte Carlo sprachen Experten von Schäden bis maximal zehn Milliarden Dollar.

So teuer wie Hurrikan "Irma", der 2017 an der US-Ostküste und in der Karibik Schäden von rund 33 Milliarden Dollar verursachte, wird es diesmal nicht werden. Die versicherten Schäden in der Karibik und Nordamerika dürften nach grober Schätzung bei einem mittleren einstelligen Milliarden-Dollar-Betrag bleiben, sagte Torsten Jeworrek, zuständiges Vorstandsmitglied beim weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück, am Sonntag beim jährlichen Rückversicherer-Treffen in Monte Carlo.

Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass die Versicherungsbranche für die gesamten Schäden durch "Dorian" nicht mehr als 10 Milliarden Dollar bezahlen muss.  Die Schäden in den USA würden voraussichtlich stärker von Erstversicherern getragen, sagte Fitch-Analyst Brian Schneider am Sonntag. Rückversicherer müssten auf den Bahamas einen größeren Anteil tragen, wo "Dorian" noch mit Hurrikanstärke getobt hatte.

Bis drei Milliarden Dollar Schäden in der Karibik

Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister AIR Worldwide schätzt die versicherten Schäden in der Karibik auf 1,5 bis 3 Milliarden US-Dollar. "Es ist ein sehr schlimmer Schaden, aber es hat immerhin nicht die am stärksten besiedelte Region der Bahamas getroffen", sagte Münchener-Rück-Manager Jeworrek.

"Dorian" hatte als Hurrikan vor einigen Tagen schwere Zerstörungen auf den Bahamas hinterlassen, war mit geringerer Windstärke über einen Teil der US-Ostküste gezogen und traf am Samstagabend als posttropischer Zyklon in Kanada auf Land. In hunderttausenden Haushalten fiel der Strom aus. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.

Prämien dürften kaum steigen

Die derzeit laufende Hurrikan-Saison in der Karibik und den Vereinigten Staaten zeige, dass die Prämien die übernommenen Risiken angemessen reflektieren müssten, erklärte am Wochenende die Swiss Re, der zweitgrößte Rückversicherer der Welt. Trotzdem gehen Experten nicht davon aus, dass die Schäden durch "Dorian" die Preise für Rückversicherungsschutz insgesamt steigen lassen.

Denn die Rückversicherer sitzen trotz immenser Naturkatastrophen-Schäden aus den Jahren 2017 und 2018 auf einem komfortablen Kapitalpolster. Dadurch gibt es weiterhin ein hohes Angebot an Rückversicherungsschutz, die Nachfrage hält dabei nicht mit. Bis zum Naturkatastrophenjahr 2017, dem bisher teuersten für die Branche, waren die Preise für Rückversicherungsschutz sogar lange gesunken. Preiserhöhungen auf breiter Front gab es aber auch seither nicht.

Preiserhöhungen in den USA

Analyst Johannes Bender von der Rating-Agentur Standard & Poor's geht davon aus, dass die Rückversicherer ihre Prämien zum Jahreswechsel im Schnitt um etwa fünf Prozent anheben können. Fitch-Experte Graham Coutts rechnet mit einem Plus im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Münchener-Rück-Vorstand Jeworrek wagte für die Vertragserneuerung keine konkrete Prognose. In wichtigen Regionen wie den USA werde es Erhöhungen geben, und auch Erstversicherer könnten bei ihren Kunden an der Preisschraube drehen - was indirekt auch für die Rückversicherer gut sei. Die Swiss Re erwartet, dass sie zumindest in den von Schäden betroffenen Regionen höhere Prämien durchsetzen kann. Am Montag will sich auch die Hannover Rück äußern.

Diskrete Verhandlungen in Monte Carlo

Alljährlich sprechen im Fairmont-Hotel im mondänen Monte Carlo die Rückversicherer aus aller Welt mit Erstversicherern wie Allianz und Axa und Maklern über die Preise und Bedingungen für die bevorstehende Vertragserneuerung zum Jahreswechsel. Neben den Verhandlungen hinter verschlossenen Türen tauscht sich die Branche auf einer Konferenz über die künftigen Herausforderungen wie Cybersecurity und Klimaschutz aus.

Neue Wachstumsgeschäfte verspricht die Digitalisierung. So bauen die Rückversicherer ihr Geschäft mit der Cyber-Versicherung etwa gegen Pannen und Datenlecks in Computersystemen aus. Für viele Firmen wachse die Gefahr, dass sie wegen Cyberschäden hohe Strafen zahlen müssten, sagte Jeworrek. Deshalb gebe es dort einen wachsenden Bedarf, sich dagegen zu versichern. Der Weltmarkt für Cyberversicherungen wächst laut Münchener Rück jährlich um 20 bis 30 Prozent. 2018 lag er bei 5,3 Milliarden Dollar.

nb