Türkische Lira
Audio

Türkische Lira auf Rekordtief Donald Trump beschleunigt Lira-Verfall

Stand: 13.08.2018, 09:15 Uhr

Der dramatische Verfall der Türkischen Lira setzt sich zu Wochenbeginn ungebremst fort. Daran ist Donald Trump nicht ganz unschuldig. Jetzt will die türkische Zentralbank reagieren.

Die Währungskrise in der Türkei hält die Märkte auch zu Wochenbeginn in Atem. Im fernöstlichen Devisenhandel bricht die Türkische Lira zum Euro und zum Dollar erneut zeitweise zweistellig ein. Erstmals müssen mehr als sieben Lira für einen US-Dollar und mehr als acht Lira für einen Euro gezahlt werden.

Hintergrund ist der eskalierende Streit zwischen Washington und Ankara. Seit heute Nacht gelten erhöhte US-Strafzölle in Höhe von 50 statt bislang 25 Prozent für Stahl und Aluminium aus der Türkei. US-Präsident Donald Trump hatte die Verdoppelung am Freitag angeordnet. Zwischen den streitenden Parteien wird der Ton erwartungsgemäß immer schärfer. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach in mehreren kämpferischen Reden von „Kampagnen“ gegen sein Land und griff die USA erneut scharf an.

Die Angst grassiert

„Ein Wirtschaftskrieg wäre brandgefährlich“, kommentiert Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank: 92 Prozent der öffentlichen Auslandsschulden seien in US-Dollar oder Euro denominiert. „Die Verbindlichkeiten türkischer Unternehmen in Fremdwährung sind teilweise nicht durch Währungsreserven gedeckt – allein in den nächsten zwölf Monaten werden davon 66 Milliarden US-Dollar fällig“, fasst Stephan zusammen“. Eine drastische Leitzinserhöhung und eine Haushaltssanierung seien der einzige Ausweg, so die Schlussfolgerung des Experten.

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan sieht eine politische und heimtückische Verschwörung am Werk. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Auch Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann warnt nachdrücklich vor den aktuellen Risiken.“Eine weitere Erosion der Lira würde erhebliche fiskalische Risiken implizieren. Da ein Staat den größten Teil seiner Einnahmen in heimischer Währung erhält, muss er – was kaum praktikabel ist – entweder seine Steuersätze so schnell anpassen, wie die Hyperinflation galoppiert. Oder er geht pleite.“

Die Währungskrise in der Türkei zieht auch den Euro weiter in die Tiefe: Die europäische Gemeinschaftswährung fällt im asiatischen Handel bis auf 1,1367 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit 13 Monaten. Anleger fürchten, europäische Banken mit Engagement in der Türkei könnten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Aktionsplan in der Türkei

Marktbericht negativ
Audio

ARD-Börse: Lage in der Türkei immer dramatischer

Ifo-Chef Clemens Fuest riet der Türkei in der aktuellen Krise, Hilfen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zu beantragen. "Wir müssen uns massiv Sorgen machen", schrieb er im "Handelsblatt". Die Ankündigung von US-Sanktionen gegen die Türkei, die seit Montagmorgen gelten, seien der "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat". Allerdings sind IWF-Hilfen mit Auflagen für die Wirtschaftspolitik verbunden.

Unterdessen erklärte die türkische Zentralbank, dass sie die Bestimmungen für Lira-Reserven gesenkt habe. Dadurch würden dem Finanzmarkt rund zehn Milliarden Lira, sechs Milliarden Dollar sowie Goldguthaben im Wert von drei Milliarden Dollar an Liquidität zugeführt. Zusätzlich zum Dollar könnten auch Euro zur Absicherung von Lira-Reserven genutzt werden.

Der türkische Finanzminister Berat Albayrak hat ebenfalls schnelle Maßnahmen angekündigt. In einer Serie von Tweets versprach er einen "Aktionsplan", der von Montagmorgen an gelten sollte. Außerdem versprach Albayrak der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge, dass Einlagen nicht beschlagnahmt und Devisen auf Bankkonten nicht in Lira umgewandelt würden.